Möhnen erobern mit afrikanischem Zauber das Rathaus
Rüstiger Ritter und wilde Weiber

Everswinkel -

Exotik auf dem Magnusplatz: Mit afrikanischem (Tanz-)Zauber eroberten die Everswinkeler Möhnen an Weiberfastnacht das Rathaus. Nach heißen Rhythmen und scharfen Worten entrissen sie Bürgermeister Ludger Banken den Schlüssel zur Macht. Auch als wehrhafter Ritter war der Herr des Rathauses am Ende ratlos und musste seine Verwaltungsburg den wilden Weibern überlassen.

Freitag, 17.02.2012, 09:02 Uhr

Möhnen erobern mit afrikanischem Zauber das Rathaus : Rüstiger Ritter und wilde Weiber
Waka, Waka: In afrikanischen Gewändern und mit tänzerischem Voodoo-Zauber eroberten die Möhnen das Rathaus. Für Rückendeckung sorgten dabei Prinz Thomas I., die MGV-/BSHV- und Kolping-Präsidenten und -Elferräte, die Präsidentengarde, die Blau-Weißen Funken und die EKG. Foto: Meyer

Was passiert, wenn das Volk unzufrieden ist? Es geht auf die Straße. Protest mit den Füßen. Auch das Everswinkeler Möhnen-Volk ist unzufrieden. Nun sind die närrischen Damen zwar dafür bekannt, dass sie jedes Jahr einmal geballt auf die Straße gehen, doch diesmal legten sie die Finger in eine offene Wunde.

Die Möhnen sind unzufrieden mit der Versorgungssituation im Vitus-Dorf – zu wenig Lebensmittelgeschäfte, zu wenig Auswahl. Grund genug, am Weiberfastnachtstag Bürgermeister Ludger Banken die Macht zu entreißen, damit sich die Zustände endlich ändern. Als farbenfrohe afrikanische Tänzerinnen gewandet, zogen die Möhnen unter den Klängen von Shakiras „Waka Waka“ vors Rathaus und schafften es, den zum Ritter Ludger aufgestiegenen Bürgermeister mit ihrem tänzerischen Voodoo-Zauber zu überwältigen.

Eine scharfzüngige Analyse der Lage im Vitus-Dorf lieferten die Obermöhnen Silvia Erben und Christiane Wagenknecht :

„Nur noch zwei Läden halten hier die Posten,

man kommt sich ja vor als sei man im Osten.

Die Regale bei Schlecker waren auch schon besser bestückt,

und in den anderen Läden wird die Ware zusammengerückt.

Die Nachbargemeinden reiben sich freudig die Hände,

denn sie profitieren doch sehr von dieser Wende.

Ihre Geschäfte locken mit reichlichem Angebot,

und nicht nur die Möhnen sehen dabei rot.“

Zwar gebe es „Friseure wie Sand am Meer“, und auch die heimischen Bäcker böten eine Vielfalt leckerer Sachen, doch nun komme auch schon „beim geliebten Juwelenkauf ganz schnell Langeweile auf“. Dazu dann noch die Ladenleerstände und ein toter Magnusplatz . Zustände, die aus Frauenperspektive nicht mehr länger akzeptabel sind. Klar, dass die Möhnen da schon das Erfolgsrezept in der Tasche haben:

„Großen Ladenflächen stehen seit langem leer,

da kann doch ein schönes Freudenhaus her!

Die Damen schaffen dann freudig an,

und kümmern sich um jeden Mann.

Und machen sie die Sache fein,

kommt jede Menge Kohle rein.

Die Möhnen sagen es in einem Satz,

wir müssen beleben den Magnusplatz.

Ein künstlicher Rasen muss ihn nur begrünen,

dann kann er der Körperertüchtigung dienen.

Und wenn es im Freudenhaus mangelt an Platz,

dann gehen die Herren zum Magnusplatz.

Ein Fußballspiel ist jetzt der Retter,

so gelingt ihnen wenigstens hier ein Treffer.“

Ritter Ludger war vom Möhnen-Heer jäh aus seinen Träumen gerissen worden.

„Noch eine Nacht zuvor im Traum,

sah ich vor mir – man glaubt es kaum –

ein Dutzend Edelfräulein fein.

Es gab Gesang und es gab Wein…

Ihr ward es, liebste Möhnen, die ich sah:

liebreizend, anschmiegsam: ganz wunderbar!

So schnell kann ein Traum zerrinnen

und die Wirklichkeit beginnen.

Flink hab ich mir die Rüstung angelegt,

und bin ganz schnell vor‘s Tor gefegt.

Auf meiner Burg bin ich zu Haus,

wollt Ihr herein, werf’ ich Euch raus.

Zwar ist ein Ritter zu Damen galant,

doch Ihr habt den Bogen überspannt.“

Den wilden Weibern warf der rüstige Ritter vor, die vielen Erfolge der jüngsten Zeit zu vergessen. Das Highlight Verbundschule, die Sanierung von Kläranlage und Dächern, das Energiesparen, und durchs neue Wasserwerk in Raestrup gebe es „jetzt Wasser satt“. Und vielleicht „Netto hin, brutto her“, baue man auch einen neuen Lebensmittel-Laden.

„Doch jetzt hört einmal auf zu klagen

und lasst uns erst die Leut‘ befragen.

Ehe alle was gesprochen haben,

lässt sich doch ganz schlecht was sagen.

Danach kommen auch noch meine Ritter zu Wort.

Die haben auch was zu sagen in diesem Ort.

Demokratie am runden Tisch: So soll es sein.

So eine Tafelrunde, die ist fein.“

Als pragmatischer Ritter hatte Ludger auch sonst auf alles eine Antwort parat. Was das funkelnde Geschmeide für seine Prinzessin Karin angeht – als echter Raubritter sei er jederzeit bereit, für sie auf Beutezug zu gehen. Zwischenruf aus den Reihen der Möhnen-Ehrenabteilung: „Deshalb die vielen Einbrüche?“ Der Kunstrasen auf dem Magnusplatz ist laut Ritter Ludger ideal fürs Ritterturnier, und auch den Möhnen-Lusttempel hält er für verlockend.

„Und mit dem Freudenhaus, Ihr Lieben,

habt Ihr jetzt schon Geschichte geschrieben.

Alle haben Freude und das Geld fließt in Strömen:

An einen solchen Ort könnte ich mich gewöhnen.“

Gewöhnen muss sich Ritter Ludger nun daran, dass ihm der Schlüssel der Macht von den Möhnen entrissen wurde. Die feierten eine ausgelassene Star-Party mit Rednex, DJ Ötzi mit Antonia und zur Krönung „Chantalle“ (Silvia Erben) vom „Zirkus Spielschari“ die mit einer Hochseil-Artistik – nein, angesichts der Höhe besser: Hohen Seil-Artistik – begeisterte.

► Die vollständigen Reden von Möhnen und Bürgermeister: www.wn.de

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