Studie zur Bevölkerungsentwicklung Everswinkels
Immer weniger, aber ältere Bürger

Everswinkel -

Anerkennenden Applaus gab es am Donnerstagabend von den Ratsmitgliedern für einen äußerst informativen Vortrag vom Stadtforscher und Raumplaner Frank Osterhage. Sein Versuch, die Bevölkerungsentwicklung Everswinkels in 30 Minuten zusammen zu fassen, Berechnungsgrundlagen zu erläutern und eine Prognose bis ins Jahr 2030 aufzustellen, dauerte allerdings gut 50 Minuten. Die konzentriert zuhörenden Politiker hatten dabei viele Zahlen und Grafiken zu verdauen und erhielten eine Menge Informationen über Zuzüge und Abwanderungen, Altersstrukturen und Erhebungszeiträume

Samstag, 23.02.2013, 06:02 Uhr

Damit das Gemeindeschiff  nicht kentert, und um negativen Bevölkerungsprognosen entgegen zu wirken, müsse man, so der Stadtplaner, mit vorhandenen Pfunden wie dem Vitusbad wuchern, aber auch auf neue Trends und Nischenangebote, wie zum Beispiel klimaneutrales oder generationenübergreifendes Wohnen,setzen.
Damit das Gemeindeschiff  nicht kentert, und um negativen Bevölkerungsprognosen entgegen zu wirken, müsse man, so der Stadtplaner, mit vorhandenen Pfunden wie dem Vitusbad wuchern, aber auch auf neue Trends und Nischenangebote, wie zum Beispiel klimaneutrales oder generationenübergreifendes Wohnen,setzen. Foto: Stoever

Anerkennenden Applaus gab es am Donnerstagabend von den Ratsmitgliedern für einen äußerst informativen Vortrag vom Stadtforscher und Raumplaner Frank Osterhage. Sein Versuch, die Bevölkerungsentwicklung Everswinkels in 30 Minuten zusammen zu fassen, Berechnungsgrundlagen zu erläutern und eine Prognose bis ins Jahr 2030 aufzustellen, dauerte allerdings gut 50 Minuten. Die konzentriert zuhörenden Politiker hatten dabei viele Zahlen und Grafiken zu verdauen und erhielten eine Menge Informationen über Zuzüge und Abwanderungen, Altersstrukturen und Erhebungszeiträume.

Aber auch Konkretes wurde aufgezeigt. So sah Osterhage in einem riesigen Baugebiet im Osten Wolbecks mit rund 580 Wohneinheiten einen möglichen Grund für den Rückgang von Zuwanderern aus Münster in den letzten vier bis fünf Jahren. In konkreten Zahlen heißt das, dass von einst rund 175 Zuzügen pro Jahr aus Münster heute nur noch 100 Personen ins Vitusdorf ziehen.

Diese Wanderungsverluste sind für Everswinkel ein eher neues Problem, das erstmals 2005 so signifikant auftrat. Daher seien frühere Bevölkerungsprognosen, denen ein anderer Berechnungszeitraum zu Grunde lag, auch davon ausgegangen, dass die Bevölkerung Everswinkels deutlich stärker ansteige.

Allerdings seien Wanderungsverluste aus dem ländlichen Bereich in die Großstädte ein bundesweiter Trend, hier vor Ort allerdings ausgeprägt in den vergangenen Jahren, was auch mit so genannten Bildungswanderungen begründet werden kann. Junge Leute ziehe es zum Studium oder zu Ausbildungen in Ballungszentren. Als Gründe für den Wegzug in die Stadt führte der Stadtplaner auch die hohen Mobilitätskosten und interessante urbane Wohnangebote an. Außerdem sei bei zunehmender Finanzierungsunsicherheit durch befristete Arbeitsverhältnisse und vom Arbeitgeber erwartete Flexibilität ein Eigenheim auf dem Land nicht mehr so bedeutsam in der Lebensplanung.

Schließlich kam Osterhage in der von der Gemeinde beim Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Auftrag gegebenen Studie mit dem, wie er selbst einräumte, etwas sperrigen Titel „Entwicklungstrends und -perspektiven im suburbanen Raum: eine Untersuchung am Beispiel der Gemeinde Everswinkel“ zu dem Schluss, dass die Bevölkerung in der Gemeinde bis zum Jahr 2030 um rund drei Prozent abnehme.

Außerdem werde der Anteil der älteren Bürger stark ansteigen und damit nach Meinung des Stadtplaners auch die Infrastrukturnachfragen. Die Haushalte würden immer kleiner und barrierefreies Wohnen immer wichtiger. Nicht nur darin, sich darauf einzustellen, läge ein Weg dem Trend entgegen zu steuern, betonte Osterhage. Everswinkel müsse sein Profil noch mehr schärfen und Berührungspunkte für Auswärtige, wie zum Beispiel mit dem Vitusbad schaffen. Wichtig sei es auch den Feel-Good-Faktor zu stärken. Dazu gehörten neben ansprechenden Plätzen auch die Möglichkeit den Alltag stressfrei organisieren zu können – will heißen: kurze Wege für Besorgungen, Freizeitmöglichkeiten und natürlich einen gute Einkaufssituation.

Denn irgendwann, so der Stadtplaner, kehre sich der Trend vom bevorzugten Wohnen in der Großstadt sicher wieder um. Dann müsse man gerüstet sein mit einem guten Preis- Leistungsverhältnis und Nischen-Angeboten wie altengerechtem Wohnen, klimaneutralem Wohnen oder auch gemeinschaftlichen generationenübergreifenden Wohnformen.

Wichtig sei es, den Spagat zwischen Naturbezug und bester Nahversorgung hinzubekommen. Denn, der Bürger möchte es so schön wie möglich, aber auch so bequem wie möglich haben, unterstrich Osterhage.

Das riesige Infopaket, sprich die komplette Studie des Institutes sollen die Ratsmitglieder nun für ein Studium innerhalb der Fraktionen bekommen. Angedacht wurde auch, Daten und Zahlenmaterial auf die Homepage der Gemeinde zu stellen, damit sich die Bürger dort informieren können.

Der demografische Wandel und was er konkret für Everswinkel bedeutet, beschäftigt die Gemeindevertreter schon seit mehr als zehn Jahren intensiv, daher werden sie hier am Ball bleiben , versprach Bürgermeister Ludger Banken.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1529466?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F1792460%2F1792472%2F
Nachrichten-Ticker