Marktleute plaudern aus dem Nähkästchen
Von Kartoffelhelden und Blumenmännern

Everswinkel -

Viel gelernt, lustige Gespräche, tolle Atmosphäre – ein guter Abend: „Heute ist nichts hipper und trendiger, als auf den Markt zu gehen“, resümierte Diepenbrock beim „Geier!Live“.

Montag, 22.04.2013, 07:04 Uhr

Gastwirt und Showmaster  Klemens Diepenbrock mit seinen Talk-Gästen Walter Kemker, Heinz Kemker, Josef Vienenkötter, Verena Röer und Michael Röer (v. l.).
Gastwirt und Showmaster  Klemens Diepenbrock mit seinen Talk-Gästen Walter Kemker, Heinz Kemker, Josef Vienenkötter, Verena Röer und Michael Röer (v. l.). Foto: Niesmann

Zur echten Institution hat sich „ Geier !Live“ in der Vitusgemeinde entwickelt: So beliebt ist Klemens Diepenbrocks Theken-Talk nach nur fünf Veranstaltungen im Premierenjahr 2012. So voll war der Gasthof am Freitagabend, dass der „Geier“ schon per Video in das Nebenzimmer seines Schankraumes übertrug.

„Der Winter war grausig kalt. Es gibt eine Spezies von Menschen, die Winter, Regen und Schnee trotzen. Sie stehen auf. Das ist ihr Job. Das ist ihr Brot“, eröffnete Klemens Diepenbrock die erste „Geier!Live“-Veranstaltung in diesem Jahr, bei der „einheimische Marktleute“ zu Wort kamen. Aus ihrem Leben zwischen Blumen und Obst, Auf- und Abbau, Klatsch und Tratsch und den Widrigkeiten des Wetters hatten sie viel zu erzählen.

Einer von ihnen war Gemüsebauer Michael Röer, der mit Tochter Verena kam. Zwei Mal in der Woche sind sie auf Münsters kleinstem Markt zu finden und führen damit die Familientradition weiter. Auf die Frage, warum man überhaupt noch zum Markt und nicht zum Discounter gehen sollte, betonte Röer: „Bei uns ist die Kommunikation mit den Kunden ganz wichtig. Darüber hinaus gibt es regionale Produkte, denn wir sind reine Selbsterzeuger.“ Ratlos sei die 17-jährige Verena nur, wenn die Kunden anfingen, im Dialekt Masematte zu reden und aus Kartoffeln Matrelen würden.

Gewohnt unterhaltsam und einfallsreich untermalte „Michis Hausband“, bestehend aus Michael Drees und Ralf Peters, das Geschehen im Gasthof. Den nächsten Talk-Gast begrüßten sie mit Jürgen von der Lippes lustigem „Blumenmann“: Gärtner Bernhard Kemker war an der Reihe. Leider verhindert, ließ er sich durch Onkel Walter und Bruder Heinz Kemker vertreten.

Marktverrückt sei ohnehin die ganze Familie Kemker und die Gärtnerei Kemker ein echter Familienbetrieb, der natürlich auch unter dem langen Winter gelitten habe. „Die Leute holen sich den Frühling dann eben mit Schnittblumen ins Haus“, so Heinz Kemker. Drei Mal in der Woche ist die Gärtnerei auf Münsters Märkten unterwegs: „Wir müssen aufpassen, dass der Markt nicht zum Kaffeetrinken mit Blumendekoration wird, sondern, dass das Angebot weit gefächert bleibt“, unterstrich er. So einige witzige Dinge habe er schon auf dem Markt erlebt. Obwohl eigentlich Ort der Kommunikation kann dieser auch schnell zum Ort der misslungenen Verständigung werden. „Eine alte Dame wollte einmal den Namen einer Blume wissen. Diese hieß ,Red Naomi‘. Etwas genuschelt wurde daraus ,Rentner-Omi‘, worauf sich die Dame empört abwendete.“

„Celina, Belana oder Greta“: Josef Vienenkötter hat viele Freundinnen und viele Leidenschaften. Ein „Vollblut-Bauer“ und „Vollblut-Marktmann“, freute sich Diepenbrock auf den letzten Gast des Abends. Bei Celina und Co handelt es nicht um weibliche Bekanntschaften, sondern Kartoffelsorten. „Er ist kein Pantoffel-, sondern ein Kartoffelheld “. Nach ein bisschen Kartoffelkunde (festkochende sind länglich, weichkochende rund) erzählte Vienenkötter von seinem Verkaufswagen.

Damit ist der Landwirt vorwiegend im Ruhrgebiet unterwegs und verkauft auch die Eier seiner 6000 Hennen. „Zwei Millionen Eier essen die Everswinkeler im Jahr“, so Diepenbrock. „Das ist immer noch zu wenig“, fand Vienenkötter lachend und stellte klar: „Die Haltungsform sagt nichts über Qualität aus, sondern die Fütterung entscheidet.“

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