Autoren-Quartett zieht Publikum bei der 6. Everswinkeler Kriminacht in den Bann
Besser als ein Fernsehkrimi

Everswinkel -

Was verbindet Schokolade und gute Krimis? Man kann sehr schnell süchtig nach ihnen werden. Und erst recht, wenn Arnold Küsters, Regina Schleheck, Klaus Stickelbroeck und Jutta Wilbertz, ebenso versiert wie charmant, aus ihren bitterbösen Kurzgeschichten rund um das verführerisch süße Naschwerk vorlesen. Über zwei Stunden ziehen sie am Freitagabend im Rahmen der 6. Everswinkeler Kriminacht das Publikum im gut besetzten und mit Süßigkeitentellern ausgestatteten Rathaussaal in ihren Bann.

Montag, 11.11.2013, 11:11 Uhr

Gabi Kirsch vom Arbeitskreis Literatur des Kulturkreises hat ein sehr gutes Händchen gehabt, das Autorenquartett vom Niederrhein passend zur aktuellen Kunstausstellung rund um Schokolade einzuladen. Krimi-Autorin Regina Schleheck erzählt von einer Frau, die sich auf kreative Weise ihres Alltagsstresses erledigt: Erst „knackt“ sie in einer Schokoladenfabrik wie in einem Rausch Weihnachtsmänner und macht sie zur unfreiwilligen Ausschussware. Später rächt sie sich bitterlich an ihrem notgeilen Postboten, der sie mit seinem chauvinistischen Gehabe und doppeldeutigem Gerede nervt. Mit fein akzentuierter Stimme fasziniert Schleheck, indem sie die morbiden Rachegelüste ihrer Protagonistin mit umwerfender Erotik kombiniert, so dass nicht nur das Staniolpapier der Weihnachtsmänner aufgeregt knistert.

Sehr humoristisch und mit abwechselnden Stimmen sehr hautnah vorgetragen, erzählt Klaus Stickelbroeck in wenigen, aber packenden Worten, wie sich der unscheinbare Heinz im Büro seinem Ärger Luft macht. Er bietet Pralinen an, aus Vollmilch, Nougat und Pflanzengift. Für seinen verhassten Abteilungsleiter ist die Dosis sicher – todsicher.

Aus dem Zickenalarm zweier Freundinnen entwirft Jutta Wilbertz mit weicher und herzhafter Stimme einen eiskalten Krimi mit Tempo, Witz und falschen Fährten. Für den absoluten Clou sorgt Arnold Küsters. Zunächst mit sanfter und ruhiger Stimme, dann mit einem Orkan aus kleinen und großen Buchstaben, begleitet er ein Ehepaar beim Nachtisch. In bester Loriot-Manier entwickelt sich aus dem Nichts ein Streit. Nicht über einen Gugelhupf, sondern um einen Schokoladenpudding. Küsters sorgt in seiner vergleichsweise langen Geschichte für überraschende Spannungsbögen, jede Menge erschreckender Déjà-vus und für eine ständige Bedrohung, die sich auch im Rathaussaal allmählich ausbreitet. Manche Lacher bleiben im Halse stecken, es ist mucksmäuschenstill, bis das makaber-morbide Ende erst für Erstaunen und dann donnernden Schlussapplaus sorgt.

Mit mörderischen Gute-Nacht-Liedern beendet das Krimi-Quartett, allen voran die famose Jutta Wilbertz mit ihrer facettenreichen Chanson-Stimme, den erstklassigen Abend, der so manchen Fernsehkrimi weit in den Schatten stellt. Unbedingt wiederkommen!

► Literaturtipp: „Bitterböse“ – Schokoladenkrimis vom Niederrhein mit Rezepten für Genießer, herausgegeben von Ina Cooelen und Brigitte Glaser, Leporello Krimi , Krefeld 2009, 288 Seiten (9,90 Euro). ISBN 978-3-936783-34-6

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