Nesteldecken für Demenzkranke: Studentinnen leiteten Kreativprojekt im St. Magnus-Haus an
Ruhender Pol für rastlose Hände

Everswinkel -

Geschafft! Anni Huck, Lieselotte Boschke und Hildegard Trowe sind sichtlich stolz auf ihr Werk. Kunterbunte Nesteldecken liegen vor ihnen auf dem Tisch ausgebreitet. Das Ergebnis vieler Nachmittage, an denen die aktiven Frauen mit anderen konzentriert im Café des St. Magnus-Hauses beisammen saßen, über Stoffe, Muster und Farben diskutierten, beim Handarbeiten die Gedanken schweifen ließen und sich viel zu erzählen hatten. Ein besonderes Projekt.

Donnerstag, 27.02.2014, 07:02 Uhr

Den „Roten Faden“ webten Sarah Neier und Svetlana Herrmann in die muntere Runde: Die beiden studieren Soziale Arbeit an der Fachhochschule Münster und leiteten im Rahmen ihres Praxissemesters die „Projektarbeit Nesteldecken “.

Nesteldecken? Was ist denn das? Die kuscheligen Stoffvierecke sind liebevoll verziert, flauschig dick und angenehm wärmend, wenn sie auf dem Schoß liegen. Demenziell erkrankten Menschen bieten die handlichen Decken buchstäblich Halt für die nimmer ruhenden Hände. „Menschen mit Demenz, die mit ihren Händen und Fingern immer in Bewegung sind, beschäftigen sich intensiv mit den Nesteldecken“, weiß Hausleiter Markus Giesbers. Als Dozent und Mentor der beiden Studentinnen gab er den Anstoß für die Nesteldecken, die mit ihren Bommeln, Knöpfen, Perlen und Ringen, gefüllten Beutelchen, Spitzen und Bordüren ein Quell sinnlicher Erfahrungen sind und den rastlos suchenden Händen einen ruhenden Pol geben.

„Wir haben unsere Nähkästchen geplündert und hier in das Projekt eingebracht“, erzählt Anni Huck . Die Mieterin im Betreuten Wohnen am St. Magnus-Haus erinnert sich mit leuchtenden Augen, dass sie „schon immer für Handarbeiten zu haben war“. So entspinnen sich Gespräche rund ums Stricken, Häkeln, Nähen. „Ich habe früher meine eigenen Kinder von oben bis unten bestrickt“, sagt Lieselotte Boschke und schmunzelt: „Und das, obwohl ich in der Schule in Handarbeiten eine Fünf hatte.“

Die kreative Projektrunde war ein Magnet im Café. Wer sich nicht aktiv am kreativen Tun beteiligen konnte oder wollte, saß einfach dabei, genoss die Geselligkeit oder testete die fertigen Nesteldecken. „Das war so eine Art Stiftung Warentest für unsere Decken“, erzählen die Frauen augenzwinkernd.

Auch die Studentinnen sind am Ende zufrieden mit dem Ergebnis ihres Projekts, bei dem sie auch selbst viel gelernt haben. „Zu Anfang haben wir sehr viel Material mitgebracht. Aber diese Fülle ist für demenziell erkrankte Menschen eine Überforderung“, erzählt Svetlana Herrmann. Wie so oft im Leben, galt auch hier: Weniger ist mehr.

Gefreut hat Sarah Neier, dass es gelungen sei, auch die dementen Bewohner in die Arbeit mit einzubeziehen durch Stoffausschneiden und andere Tätigkeiten. Dass am Ende ein so schönes Ergebnis herauskam, verdanken die Studentinnen ihrem Perspektivenwechsel. „Zu Beginn haben wir den Fokus auf die Decken und das schnelle Fertigwerden gelegt. Den Bewohnerinnen war aber das Erzählen und das Zusammensein wichtig. Im Endeffekt ist etwas Gutes dabei herausgekommen“, freut sich Neier.

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