Everswinkeler Hungertuch wird 400 Jahre alt
Schatz für die Fastenzeit

Everswinkel -

„Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, über welche Kunstschätze wir in unserer Kirchengemeinde verfügen“, vermutet Pfarrer Heinrich Hagedorn anlässlich der Verhüllung des Altars in der St. Magnus-Kirche zu Beginn der Fastenzeit. Schon aus dem Jahr 1614 stammt das so genannte „Hungertuch“, das den Blick der Gemeinde auf den Altar verwehren soll. Es ist damit jetzt 400 Jahre alt, und zudem ist es das älteste Tuch im Bistum Münster – älter als die bekannten Exemplare in Telgte (von 1623) und Freckenhorst (von 1628).

Samstag, 08.03.2014, 18:03 Uhr

Hungertücher – auch plattdeutsch „Schmachtlappen“ genannt – haben eine bis in das Mittelalter zurück reichende Tradition. „Die Gläubigen sollen durch das Verhüllen der prächtigen Hochaltäre während der Fastenzeit zur Anteilnahmen am Leiden Christi bewegt werden“, erläutert Pfarrer Hagedorn . Das sei so etwas wie „Fasten für die Augen“. Die eingestickte Jahreszahl dokumentiert: Vier Jahre vor Beginn des 30-jährigen Krieges wurde das Tuch erstellt. „Wir sind darauf sehr stolz und freuen uns darüber, dass sich das Tuch in einem so guten Zustand befindet“, unterstreicht Hagedorn dessen Bedeutung.

Mit Hilfe von Untersuchungen des Everswinkeler Heimatforschers Vincenz Buntenkötter wurde die Herkunft des Everswinkeler Tuches eindeutig belegt. „Der Stifter und wohl auch der Hersteller haben sich mit ihren Familien in der Arbeit ein Denkmal gesetzt“, heißt es in einem Beitrag von Buntenkötter für den Heimatkalender des Kreises Warendorf aus dem Jahr 1986. Die Namen der Stifterfamilie Vos seien in den Inschriften festgehalten worden. „Der im Zentralfeld genannte Henrich Vos war 1613 Besitzer des adeligen und landtagsfähigen Gutes Köbbing, seine Ehefrau war eine geborene Anna Katharina von Droste. Die unter den anderen Bildern erwähnten Namen Anne, Sophie, Rotger und Johann Voß waren deren Kinder“, heißt es in der Schrift von Buntenkötter.

„Die fünf Bilder des Hungertuches zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte nach den Gesetzen des schmerzhaften Rosenkranzes. Dies sind ‚Der für uns Blut ge-schwitzt hat‘, ‚Der für uns ist mit Dornen gekrönt worden‘, ‚Der für uns ist gegeißelt worden‘, ‚Der für uns das schwere Kreuz getragen hat‘ und ‚Der für uns ist gekreuzigt worden‘.“ Die Bilder seien in einer so genannten Filet-Arbeit erstellt, bei dem – ähnlich dem Knüpfen eines Netzes – ein Grund erstellt wird, in den Figuren und Ornamente eingestickt sind. „Im 19. Jahrhundert waren Restaurierungsversuche unsachgemäß durchgeführt worden, so dass Beschädigungen der Kanten und der Filet-Felder durch Überdehnung entstanden sind“, hatte Buntenkötter in Erfahrung gebracht. „Nach einer von Pfarrer Osthold-Wipperfeld in Auftrag gegebenen sachgerechten Restaurierung konnte die Kirchengemeinde sich wieder des Besitzes dieser wertvollen volkskundlichen Arbeit von großem Seltenheits- und Alterswert erfreuen.“

Von der Textilrestauratorin Sabine Heitmeier-Löns in Havixbeck wurde vor zwei Jahren eine Reinigung durchgeführt. „Dabei wird mit Hilfe von Mikro-Faser-Tüchern der Staub sorgfältig entfernt“, erklärt Pfarrer Hagedorn das pflegliche Vorgehen. Damit bei der Aufbewahrung keine Falten entstehen, werde das Tuch in einer speziellen Rolle in einem verschlossenen Behältnis aufbewahrt. Thomas Kraß, Bernd Henrichs und Heinz Stumpe haben im Beisein von Pfarrer Hagedorn das Tuch am Dienstagnachmittag aufgehangen. Am Mittwoch nach der Karwoche wird es wieder abgenommen.

„Die Fastenpredigten werden in diesem Jahr im Zeichen des Jubiläums des Hungertuches stehen“, so Hagedorn. „Hungertücher gestern, heute und morgen“ lautet das Gesamtthema der Predigten am 16., 23. und 30. März um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Magnus.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2287385?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F2592642%2F2592650%2F
1100 vertrauliche Mails mitgelesen
Das Auslesen des Passwortes machte es möglich, sich Zugriff auf das Mailkonto des Greveners zu verschaffen. Der Täter soll pikanterweise ein Familienmitglied sein.
Nachrichten-Ticker