Freiwilliges Soziales Jahr
Mango macht Appetit auf Mexiko

Everswinkel -

Die fruchtige Mangocreme auf dem Tisch gibt Judith Bergel buchstäblich einen Vorgeschmack auf ihre Heimat auf Zeit. Denn die fruchtige Creme hat die Everswinkelerin nach einem mexikanischen Rezept gemacht. In Mexiko wiederum, genauer gesagt in Progreso im Bistum Tula, wird sie ab Ende Juli ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Träger der Maßnahme ist das Bistum Münster, das eine Partnerschaft zum Bistum Tula unterhält.

Donnerstag, 24.07.2014, 06:07 Uhr

„Ich habe schon mal einen Auslandsaufenthalt erlebt, und der hat mir gut gefallen“, erklärt Judith , „und weil ich nach dem Abitur nicht sofort in Studium oder Beruf gehen wollte, habe ich gedacht, ich erweitere erst mal ein Jahr lang meinen Horizont.“

Aus dieser Überzeugung will Judith Bergel für sich eine Erfahrung machen – und das ganz bewusst nicht als Au-pair oder zum Beispiel in Form von Work and Travel. „Ein freiwilliges soziales Jahr bietet noch mehr Raum für Selbsterfahrung und Begegnung“, glaubt die 18-Jährige. Zudem sei ihr Vorhaben mit einer Institution wie dem Bistum Münster im Hintergrund, die vorbereitet und begleitet, „anders als Work and Travel eine relativ sichere Kiste.“

Relativ sicher war sich Judith ebenfalls, dass sie in einem spanischsprachigen Land arbeiten und leben wollte; schließlich hat sie die Sprache drei Jahre lang in der Schule gelernt und liebt sie. „Außerdem bietet Progreso die Möglichkeit, eigene Projekte oder Gruppen zu starten“, erklärt die Abiturientin ihre Entscheidung für das Mexiko-Projekt.

In Progreso betreibt die katholische Kirchengemeinde Sagrado Corazón de Jesús (Heiliges Herz Jesu), zugleich die Partnergemeinde von St. Josef Kamp-Lintfort, soziale Projekte. In diesen wird Judith mitarbeiten, zum Beispiel in Kinder- und Jugendgruppen, im indigenen Kulturzentrum, beim Bau eines Jugendzentrums, durch Besuche bei kranken oder behinderten Menschen oder – für Judith als aktives Mitglied des Domchors St. Paulus Münster ideal – in der Chorarbeit. Kurzum: Sie wird in Mexiko alles tun, was in einer Pfarrei eben so anliegt, sei sie nun deutsch oder mexikanisch.

Trotz all dieser Aufgaben rechnet Judith damit, dass sie auch das Alleinsein und das Mit-sich-selbst-zurechtkommen wird lernen müssen: „Hier ist ja auch in der Freizeit immer etwas los“, begründet die Everwinkelerin, die unter anderem reitet sowie bei den Dommessdienern und im Domchor des St.-Paulus-Doms Münster aktiv ist. „Dort aber gibt es das alles nicht, und ich kann nicht mal eben jemanden anrufen oder jemanden besuchen“, sagt Judith. Sie schätzt, dass genau das die größte Umstellung sein wird.

Ihre Eltern sehen das genauso. „Sie wird dort immer Ausländerin sein“, beschreibt es Mutter Ursula Bergel . Judith ist das bewusst: „Ich nehme eben nur mich, meine Erfahrungen und 20 Kilogramm Gepäck mit.“ Ebenso bewusst möchte die Everswinkelerin moderne Kontaktmöglichkeiten über soziale Medien nur sparsam nutzen: „Das ist zwar eine Herausforderung, wird aber durch die Menschen dort erleichtert.“

Denn von denen kennt Judith schon heute einige. So hat sie den Bischof des Bistums Tula in Kamp-Lintfort getroffen. Dessen Dolmetscher habe ihr versichert, dass sie ein super Jahr erleben werde. Ihr Vater glaubt das auch: „Wenn die Jugendlichen nicht als Botschafter hingehen, sondern um selbst zu lernen, ist so ein Jahr eine gute Chance, zu erfahren, dass es auch außerhalb Deutschlands Wege zum Glück gibt.“

Wie auch immer das Jahr wird: Judith ist vorbereitet, nicht nur, weil sie ihre Sprachkenntnisse in einem Kurs alltagstauglich ausgebaut hat, sondern auch dank des Referats Weltkirche des Bistums. Dieses macht die Freiwilligen persönlich, kulturell und organisatorisch fit. In mehreren Seminaren „wurde alles abgedeckt“, berichtet Judith. Außerdem wurden Kontakte zum Ehemaligen-Kreis „Animo“ ebenso vermittelt wie ein persönlicher Pate.

Die Vorbereitung bezog auch die Eltern ein. „Das war wichtig“, findet Joachim Bergel, „schließlich machen die Eltern eine Parallelentwicklung durch.“ Wertvoll war die Vorbereitung auch, weil den Eltern Judiths Vorhaben anfangs weit weniger schmeckte als die Mangocreme. „Nach Mexiko fliegt man nicht mal eben so, um sie zu besuchen“, erklärt Ursula Bergel. Außerdem hätten der völlig andere Kulturkreis und die Sicherheitslage zu denken gegeben. „Aber weil das Jahr durch das Bistum sehr gut organisiert ist, fällt das Loslassen leichter“, zeigt die Mutter sich für die Vorbereitung dankbar.

Davor war die Vorbereitung – und was kommt nach dem Auslandsjahr? Judith ist sich über ihre Berufspläne noch nicht abschließend im Klaren. „Aber vielleicht lerne ich auch das im nächsten Jahr: die Gewissheit, dass sich immer irgendwas ergibt“, hofft sie und nimmt sich noch eine Portion von der leckeren Mangocreme – ein kleiner Vorgeschmack auf ein großes Abenteuer.

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