WN-Serie „Kunst im öffentlichen Raum“
Hier geht es rund

Alverskirchen -

Es ist die neue Mitte Alverskirchens, hier geht es rund. Mit dem Kreisverkehr bekommt das Dorf 2003 ein völlig neues Gesicht. Vorbei ist die Zeit der Mega-Kreuzung, die nicht nur völlig überdimensioniert aus einer „anderen Zeit“ stammte und städtebaulich mehr als fragwürdig erschien, sondern zudem auch nicht ungefährlich war.

Freitag, 17.10.2014, 12:40 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 17.10.2014, 12:40 Uhr
Als Gesamtkunstwerk präsentiert sich der Alverskirchener Kreisverkehr. Mit der großen Sandstein-Stele und den vier Bauerschaftssteinen hat Bildhauer Stefan Lutterbeck 2004 einen gelungenen dörflichen Bezug geschaffen.
Als Gesamtkunstwerk präsentiert sich der Alverskirchener Kreisverkehr. Mit der großen Sandstein-Stele und den vier Bauerschaftssteinen hat Bildhauer Stefan Lutterbeck 2004 einen gelungenen dörflichen Bezug geschaffen. Foto: Meyer

20 Jahre lang hat man sich in Alverskirchen bemüht, dies zu ändern. Sogar Minister und Staatssekretäre waren vor Ort, doch eine runde Sache wurde daraus nicht. Das ändert sich im April 2002, als die Gemeindeverwaltung in einer gemeinsamen Sitzung von Bezirks- und im Planungsausschuss eine schon recht detailreiche Planung für einen Kreisverkehr präsentiert.

Es ist ein Projekt, das durch den förderfähigen Radwegebau an der Everswinkeler Straße und den Griff in den Topf des Gemeindefinanzierungsgesetzes in finanzierbarer Reichweite ist. CDU , SPD und Grüne sind begeistert, die FDP segelt auf anderem Kurs und hält den Bau eines Kreisverkehrs für verzichtbar. Bei einer intakten Kreuzung, die kein Unfallschwerpunkt sei, müsse nach der Notwendigkeit eines Kreisverkehrs gefragt werden – „welche Not muss denn hier gewendet werden“, fragt FDP-Chef Ulrich Hoyer.

Eineinhalb Jahre später feiert das ganze Dorf die Eröffnung des Kreisels mit einem Volksfest mit Sekt, Luftballons und Kreisel-Donuts. Eineinhalb Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung bedeuten ein rasantes Tempo. 660 000 Euro kostet die verkehrstechnische Gesamtmaßnahme inklusive Radweg letztendlich, rund 330 000 Euro entfallen auf den Kreisverkehr.

Zum Wahrzeichen wird der Kreisel aber erst durch die Gestaltung der Mitte. Nach der „pflanzlichen Überbrückungszeit“ durch das Bürger-Team wird 222 Tage nach der Eröffnungsfeier auch die Mittelinsel eingeweiht. Die künstlerische Gestaltungsaufgabe hatte Bildhauer Stefan Lutterbeck übernommen.

Seine Arbeit wird am 24. April 2004 feierlich enthüllt: In der zentralen Mitte eine Stele aus Ibbenbürener Sandstein, die von einer Dorfsilhouette mit Kirche, Gut Brückhausen, Grundschule und weiteren Gebäuden gekrönt wird. Dazu kommen vier Steine aus dem gleichen Material, die mit vier verschiedenen eingearbeiteten – von der dörflichen Gemeinschaft entschiedenen – Motiven für die vier Alverskirchener Bauerschaften Püning, Evener, Holling und Wettendorf stehen. Sie gruppieren sich auf der Mittelinsel rund um die große Stele und sind mit ihr durch Sandsteinbänder auf dem Boden verbunden.

Der Ibbenbürener Sandstein ist ein spannendes Material, das in verschiedenen Farbschattierungen rund 300 Millionen Jahre Erdgeschichte widerspiegelt und deutlich witterungsbeständiger und haltbarer ist als etwa der Baumberger Sandstein. Der höhere Quarzanteil verleiht ihm eine Druckfestigkeit, die fast an Werte grobkörniger Granite heranreicht, wie Lutterbeck bei der Aufstellung erläutert.

Die Kreisel-Kunst in der Mitte Alverskirchens ist eine symbolträchtige Darstellung für die Einheit von Dorf und Bauerschaften und somit überaus gelungene Gestaltung. Ein Kunstwerk mit Wiedererkennungseffekt. Die vier Bäume und die Bepflanzung runden einen der wohl schönsten Kreisverkehre des Münsterlandes ab. Bürgermeister Ludger Banken bezeichnet das Werk bei der Eröffnung als „Kristallisationspunkt bürgerschaftlichen Engagements.“

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