Bei „Geier live“ geht es mit drei Meistern ihres Fachs um das Handwerk
Ein meisterhafter Abend

Everswinkel -

Wenn man Fleischermeisterin Silvia Kirschke einlädt, holt man sich sicher keine Langeweile ins Haus. Bei „Geier live“ zeigte sich die selbst ernannte „Aufschnittdesignerin“ gewohnt schlagfertig und sorgte für beste Unterhaltung bei Gästen und Gastgeber. Auch, weil Talkmaster Klemens Diepenbrock nicht davor zurückschreckte, seinen Gast ordentlich aus der Reserve zu locken.

Montag, 27.10.2014, 14:10 Uhr

Bei „Geier live“ begrüßte Klemens Diepenbrock diesmal Fleischermeisterin Silvia Kirschke, Sattlermeister Frank Wohlhorn und Orthopädie-Schuhmachermeister Michal Perdun. 
Bei „Geier live“ begrüßte Klemens Diepenbrock diesmal Fleischermeisterin Silvia Kirschke, Sattlermeister Frank Wohlhorn und Orthopädie-Schuhmachermeister Michal Perdun.  Foto: Stoever

So entstanden unterhaltsame Diskussionen mit nicht ganz ernst gemeinten Sticheleien auf beiden Seiten. Über den Brotgehalt in Diepenbrocks hauseigenen Frikadellen und darüber, welcher Teil eines Wurstbrötchens denn der wichtigere sei. Kirschke verriet, dass sie nicht schon immer Fleischerin werden wollte: „Eigentlich wollte ich Prinzessin werden, aber dann hat mein Papa gesagt: Du machst doch immer so gerne was mit Tieren.“ Lautes Gelächter im voll besetzten Thekenzimmer des Gasthofes. Silvia Kirschke sprach über die Liebe zu ihrem Beruf und über die Konkurrenz durch Läden wie Lidl , die sie aber nicht als Fleischerei durchgehen lassen will: „Die verkaufen Tüten.“ Wichtig sei ihr in ihrem Beruf vor allem die Wertschätzung des Tieres als Nahrungsmittel. „Ich hasse den Ausdruck ,ich hätt‘ gern eine einfache Bratwurst‘ – es gibt keine einfache Bratwurst.“ Man müsse Ehrfurcht vor der Fleischgewinnung haben.

Als Diepenbrock sich den Problemen in den Handwerksberufen widmete, bekam das Gespräch noch einmal einen ernsteren Charakter. Die Zahlen der Auszubildenden sind auch in der Fleischereibranche rückläufig, stattdessen bekommen die akademischen Berufe immer größeren Zulauf. Diese Probleme kennt auch Sattlermeister Frank Wohlhorn aus Alverskirchen. Er hatte zuvor als erster Gast den Abend eingeläutet. Auch ihm fühlte Klemens Diepenbrock ordentlich auf den Zahn und stellte gleich eine provokante Behauptung in den Raum: „Das Berufsbild eines Sattlermeister ist: Den Frauen auf den Arsch zu gucken.“ Da konnte der Sattlermeister nicht widersprechen: „Das stimmt auf jeden Fall. Aber lass dir sagen: Es gibt gute und schlechte Tage.“

In seiner Sattlerei stellt Wohlhorn Sättel für den Freizeit- wie auch für den Profi-Bereich her. Jeder Sattel muss individuell gefertigt werden und kostet um die 3000 Euro. Wurde früher vorwiegend Elchleder verwendet, kommt heutzutage hauptsächlich Rindsleder zum Einsatz. Wohlhorn erzählte auch von seinen eigenen Reitversuchen, die er aber irgendwann aufgegeben habe: „Wenn man kein Talent hat, sollte man lieber vom Sattel runterbleiben – für meine Kunden würde ich mir das auch manchmal wünschen.“

Auch Wohlhorn wusste über Probleme in seiner Branche zu berichten. Besonders kritisierte er das Ausbildungssystem, das nicht immer praxisorientiert funktioniere: „Man kann durchgehen bis zum Meister, ohne je ein Pferd angepackt zu haben.“ Wohlhorn arbeitet nicht nur in seiner Sattlerei, sondern auch als Gutachter für Gerichtsstreitigkeiten. In seiner Freizeit widmet er sich der Pferdezucht.

Als letzter Gast betrat Orthopädie-Schuhmachermeister Michal Perdun die Bühne und komplettierte die Runde als dritter Handwerksmeister. Für ihn war der Berufsweg schon von Kindesbeinen an vorgezeichnet: „Als ich auf die Welt kam, hat mein Vater mich sofort im MGV angemeldet. Und es war klar, dass ich Orthopädieschuhmacher werde.“ Großes Gelächter gab es, als Perdun Diepenbrock bat, einen Fußabdruck von ihm nehmen zu dürfen. Der „ Geier “ zog sich Schuh und Strumpf aus, trat auf den Kasten mit der Blaupause – und war sichtlich überrascht, als Perdun kurzerhand den Abdruck einer Kralle hervorholte. „Ich habe eine Bitte“, sagte Perdun. „mach Montag nen Termin bei mir!“ Der „Geier“ konterte: „Eins kann ich dir sagen: Ich geh zu Michael Drees!“ Der war übrigens auch anwesend, als Teil von „Michis Hausband“ sorgte er am Cajón zusammen mit Ralf Peters an der Gitarre und am Mikrofon für die musikalische Unterhaltung zwischen den Gesprächen.

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