Landwirt Vincke plant Schweinemaststall jenseits der Hofstelle
Würstchen zum Sitzungsauftakt

Alverskirchen -

In Alverskirchen „geht es um die Wurst“. Das zumindest legte eine Aktion nahe, mit der die SPD im Bezirksausschuss die Diskussion um das Stallprojekt von Landwirt Vincke einleitete. Ein Projekt, das 1 499 Mastschweine vorsieht. Warum nicht 1 500 oder mehr? Dass Landwirt Christian Vincke genau diese Zahl an Plätzen in seinem geplanten Betrieb rund 250 Meter südöstlich des Hofes Vincke wählte, hat natürlich seinen Grund. Ab 1 500 Tieren sieht die gesetzliche Regelung eine standortbezogene Vorprüfung (Umweltverträglichkeitsprüfung) vor.

Dienstag, 04.11.2014, 11:11 Uhr

Blick auf den Hof Vincke. Das neue Stallprojekt ist rund 250 Meter hinter dem Hof als separater Betrieb geplant. Wie die Zufahrt über die vorhandene Hofstelle vor dem Hintergrund der Betriebstrennung zu beurteilen ist, wird derzeit geprüft.
Blick auf den Hof Vincke. Das neue Stallprojekt ist rund 250 Meter hinter dem Hof als separater Betrieb geplant. Wie die Zufahrt über die vorhandene Hofstelle vor dem Hintergrund der Betriebstrennung zu beurteilen ist, wird derzeit geprüft. Foto: Meyer

Und auch die Frage der Kumulation – sprich die Anhäufung von möglicherweise belastenden Projekten in einem Bereich – die das Baugesetzbuch in Paragraf 35 regelt, wird mit der vorliegenden Planung umgangen, wie die Gemeindeverwaltung in einer ersten politischen Beratung in der jüngsten Bezirksausschusssitzung aufzeigte. Denn: Durch die Gründung der „Mast GbR“ von Landwirt Christian Vincke und die Platzierung des Objektes jenseits des elterlichen Hofes wird von einem getrennten Betrieb ausgegangen. Der Hof Vincke umfasst bereits laut Gemeinde derzeit 2 957 Schweinemastplätze. „Die Gretchenfrage ist hier, ob es ein getrennter Betrieb ist“, machte Planungsamtsleiter Norbert Reher deutlich. Gleichwohl: „Die Genehmigung wird vom Kreis erteilt. Wir dürfen planerisch dazu Stellung nehmen“, sprich über das „gemeindliche Einvernehmen“ befinden.

Mehr als kurios hatte der Tagesordnungspunkt zuvor begonnen: Uwe Wolf ( SPD ) erhob sich, nahm einen Karton in die Hand und verteilte verpackte Würstchen aus Schweinefleisch. Die seien vom heimischen Fleischer und von Tieren aus heimischer Haltung. „Ich wollte auch das Bewusstsein schaffen, dass es auch Fleisch gibt, dass nicht aus Massentierhaltung stammt“, erklärte Wolf beim Verteilen. Das war dann der Zeitpunkt, wo sich der neue Ausschussvorsitzende André Gerbermann (CDU) zum Eingreifen veranlasst sah, um das ungewöhnliche Statement zu bremsen. Vielleicht etwas spät.

„Ein Betrieb mit der dritten Generation will sich weiterentwickeln“, leitete Gerbermann den sachlichen Teil der Debatte ein. Reher stellte das gewerbliche Projekt (weil ohne nachgewiesene eigene Futtergrundlage für die Masttiere) gemäß der vorliegenden Unterlagen zur Bauvoranfrage vor. Demnach ist der vorhandene Feldweg als Zuwegung vom Hof zum geplanten Stall vorgesehen und müsste dazu ausgebaut werden. Ein vom Landwirt in Auftrag gegebenes Geruchs- und Ammoniakgutachten liegt bereits vor. Alle relevanten Immissionswerte in dem berechneten Radius würden demnach eingehalten. Der Abstand des Maststalls würde zur Ecke des Baugebietes Vinckenbusch 500 Meter, zum nächsten Hof 320 Meter, zum Rand des Sportparks Wester 700 Meter und zur Waldorfschule 800 Meter betragen.

Die Vorgaben, ab wann ein Projekt als getrennter Betrieb zu sehen ist, sind klar festgeschrieben und umfassen eine eigene Zufahrt, eigene Maschinen, eigene Strom-, Wasser und Futterversorgung, die Güllelagerung, getrennte Hygieneschleusen und – natürlich – unterschiedliche Betriebsinhaber sowie eine wirtschaftliche und steuerliche Trennung. „Man wird das alles hinbekommen“, glaubt Reher, gleichwohl bleibe die Zufahrt über die vorhandene Hofstelle Vincke. Eine explizite Erklärung zur Betriebstrennung liege noch nicht vor. Somit fasste der Bezirksausschuss den Beschluss, das gemeindliche Einvernehmen noch nicht erteilen zu können.

„Es war ein sehr angenehmes und konstruktives Gespräch“, fasste Bürgermeister Ludger Banken das Treffen mit dem Antragsteller und dem Geschäftsführer des WLV-Kreisverbandes, Dr. Matthias Quas, zusammen. „Wir werden irgendwann mit dem Thema wiederkommen“, kommentierte Banken die noch fehlenden Unterlagen des Antragstellers. Bereits in der morgigen Sitzung des Planungsausschusses steht es wieder auf der Tagesordnung. Ob erneut mit Würstchen, bleibt abzuwarten . . .

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2851328?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F2592642%2F4852420%2F
Nachrichten-Ticker