Bühne frei! in Everswinkel
Verse sind unverzichtbar

Everswinkel -

Einen so langen Bühne-Frei!-Abend hat es wohl noch nie gegeben. Es war lange nach 23 Uhr, als der letzte Protagonist erschöpft und glücklich die Bühne verließ.

Montag, 01.12.2014, 06:12 Uhr

Die Gruppe „BlueSwing“
Die Gruppe „BlueSwing“ Foto: Stoever

„Wir haben eine gute Beziehung zum Publikum“, hatte Burkhard Nierhaus, seines Zeichens Sänger der Münsteraner Band blueSwing, etwa eine halbe Stunde zuvor festgestellt, und dann wohl beschlossen, den eigenen Auftritt noch etwas auszudehnen. Als Zuschauer nimmt man Überlänge gern in Kauf, wenn das Niveau so hoch ist wie am Donnerstag. „Danke, dass ihr euren Probenabend zu uns verlagert habt“, hatte auch Susanne Müller im Nachhinein nichts gegen eine lange Nacht der Jazzmusik einzuwenden. Einige Zeit vorher hatte sie noch das eine oder andere Mal auf die Uhr schauen müssen. Besonders Kabarettist Manne Spitzer hatte ihre Geduld auf die Probe gestellt: Er erzählte unterhaltsame und pointenreiche Geschichten über seinen Kumpel Matthias Kleine-Bardenhorst, der von seinem Großvater bei Bier und Korn das Rechnen gelernt hat, und dessen Mundwerk seinem Gehirn immer eine Spur voraus ist. Spitzer kam dann aber so sehr in Plauderlaune, dass er glatt vergaß, dass noch andere Namen auf dem Programmzettel standen und er seine inoffiziellen 15 Minuten, die jeder Künstler hatte, deutlich überschritt, so dass Susanne Müller ihn schließlich förmlich von der Bühne jagen musste.

Auch der Auftritt von Swing-Sänger Bastian Lennart hatte Überlänge, jedoch in abgesprochenen Grenzen, denn die Musik kam vom Band. Ihm gönnte man die zusätzlichen Minuten im Rampenlicht, denn er war extra aus Dortmund angereist und gab alles.

Ganz artig an Regeln hielten sich „Die 3 lustigen 2“, ein Gesangs- und Gitarrenduo, das sprachlich gefühlvoll und humorvoll gleichermaßen im Gepäck hatte und sich auch musikalisch die ganze Bandbreite von Rock, Folk, Blues und Country zu Nutzen machte. Als besondere Überraschung war dann auch noch Metall mit dabei: „Susanne hat uns gesagt, dass hier in Everswinkel ein sehr Metall-lastiges Publikum ist“, behaupteten sie und sangen dann über die Freundin des lyrischen Ichs, die im Gegensatz zu den Everswinkeler Zuschauern kein Metall mag.

Den zweiten der bei Bühne Frei! so seltenen Wortbeiträge lieferte der Beelener Dieter Laumann, der sich die Frage stellte, warum Verse in Everswinkel so gut ankommen, und stellte fest, dass in Everswinkel das Wort Vers ja schon drinsteckt. „Auch Alverskirchen kann mitnichten/auf das Wörtchen ,Vers‘ verzichten“, dichtete er weiter. „Und Versmar heißt die Bauerschaft/die es ohne Vers nicht schafft.“ Nicht nur wegen der Einleitung war der Auftritt von Dieter Lohmann ein absoluter Höhepunkt am Donnerstagabend. Für seine Vortragsart eines Jürgen von der Lippe und einer sprachlichen Finesse, die fast an Heinz Erhardt erinnerte, erhielt er vom Publikum tosenden Beifall.

Den Schlusspunkt bildete BlueSwing, die Band ließ sich treiben – es hätte keinen Unterschied gemacht, wenn sie zu Hause im Proberaum gespielt hätten. Ein Glück, dass sie dort nicht waren, sondern in Everswinkel bei Bühne Frei!

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