Jobcenter des Kreises stellt Everswinkeler Zahlen vor 
Viel Licht und etwas Schatten

Everswinkel -

„Die Welt ist hier fast in Ordnung.“ Bürgermeister Ludger Banken und Sozialamtsleiter Thomas Stohldreier dürften mit dem jüngsten Fazit von Petra Schreier kaum unzufrieden gewesen sein. Die Geschäftsführerin des Jobcenters Kreis Warendorf hatte in ihrem Bericht für die Mitglieder des Familien- und Sozialausschusses die lokalen Zahlen der Bedarfsgemeinschaften und Leistungsberechtigten von Arbeitslosengeld-II-Empfängern (SGB II) aufgeschlüsselt und dabei eine „positive Entwicklung“ analysiert.

Donnerstag, 30.04.2015, 08:04 Uhr

Eine Anlaufstelle für das Jobcenter gibt es auch im Rathaus, wo Beratung und Hilfe angeboten wird.
Eine Anlaufstelle für das Jobcenter gibt es auch im Rathaus, wo Beratung und Hilfe angeboten wird. Foto: Meyer

So ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften – sprich Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben und ihren Lebensunterhaltsbedarf gemeinsam decken – von Februar vergangenen Jahres bis zum Februar diesen Jahres von 158 auf 149 gesunken. Die Zahl der Personen an sich blieb dabei unverändert. „Das ist im Vergleich zum Kreis der drittniedrigste Wert aller Kommunen“, so Schreier . Von den insgesamt 80 40 Bedarfsgemeinschaften entfallen somit lediglich 1,9 Prozent auf die Vitus-Gemeinde.

37 der Bedarfsgemeinschaften (Stand Oktober 2014) entfallen übrigens auf Alleinerziehende mit insgesamt 58 Kindern. „Das ist eigentlich ein sehr guter Schnitt für Everswinkel “, zog Schreier auch hier ein positives Resümee. Im Kreis seien es 1 673 Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften. Der Frauenanteil ist dabei erwartungsgemäß hoch mit rund 96 Prozent. Die Alleinerziehenden, so machte Schreier deutlich, befänden sich „immer in einem Spannungsgefüge. Einerseits möchte man arbeiten und Vorbild sein, andererseits möchte man die Kinder nicht vernachlässigen“. Deshalb werde vom Jobcenter auch gezielt die Teilzeitbeschäftigung und Teilzeitausbildung gefördert.

Leicht über dem Kreisdurchschnitt lag im Oktober mit 83 Personen die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Erwerbstätigkeit („Ergänzer“, „Aufstocker“). Sie stehen zwar in einem Arbeitsverhältnis, benötigen aber zudem Leistungen aus Hartz IV zur Grundsicherung. Die 31 ausländischen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stammten vor allem aus der Türkei und Polen. „Das ganze Bild hat sich aber zum 1. März diesen Jahres geändert“, verwies Schreier auf die Änderung im Asylbewerberleistungsgesetz. Danach sind im Kreis 65 Bedarfsgemeinschaften mit 144 Personen in den Hartz-IV-Bereich gewechselt. Der Vorteil: Sie haben jetzt eine Krankenversicherung. In Everswinkel betraf diese Änderung drei Bedarfsgemeinschaften.

Sehr zufrieden zeigte sich die Jobcenter-Geschäftsführerin mit der Everswinkeler Arbeitsmarkt-Konferenz am 2. Februar, an der 22 Unternehmen unterschiedlicher Branchen teilgenommen haben. „Es war eine gute Sache, dass wir die Verbundschule mit eingebunden haben“, bilanzierte sie eine „tolle Resonanz“ und „sehr engagierte Arbeitgeber“. Dass man in den eineinhalb Stunden 13 Arbeitsstellen – sieben Fachkräfte für die Bereiche Gärtner, Verkäufer, Koch, Altenpfleger und Bauzeichner sowie vier Helfer für GaLa-Bau und Metallverarbeitung – eingeworben habe, „war enorm“. Dazu kamen noch zwei Ausbildungsstellen (Gärtner und Steinmetz).

Wasser in den Wein goss Schreier, als sie das Stimmungsbild der Unternehmen reflektierte. Bei denen gebe es einen großen Bedarf an (mobilen) Fach- und Nachwuchskräften, vor allem im Bereich Handwerk, Pflege sowie Hotel- und Gaststättengewerbe. „Wir stellen aber zunehmend fest: Die jungen Leute wollen es kuschelig warm haben und sich nicht die Hände schmutzig machen. Da sind dicke Bretter zu bohren.“ Gerade im Handwerk seien für junge Menschen noch Perspektiven zu finden. Das Handwerk kranke daran, dass viele Bewerber in die Industrie abwanderten. Weitere Probleme für Unternehmen: Die Ausbildungsstellen-Suchenden hätten öfter Defizite in der Schulbildung, Praktika fehlten, und auch die Motivation und das Sozialverhalten der Bewerber wurde moniert.

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