Gauner-Zeichen an Häusern in Alverskirchen sorgen für Verunsicherung bei Anwohnern
Vorboten der Einbrecher?

Alverskirchen -

Willi Schlüter musste zwei Mal hinschauen, als er nach einem Hinweis seine Hausfassade genauer in Augenschein nahm. Nein, von den Sternsingern waren die kreideartigen Zeichen auf dem Mauerwerk garantiert nicht. Mit dem üblichen Bild des Segensspruchs hatten die nichts zu tun. Scheinbar ohne jegliche Bedeutung, aber merkwürdigerweise weit hinten an der Hausmauer, schon im Gartenbereich. Schlüter war nicht der einzige Betroffene im Baugebiet Ernst-Tertilt-Straße.

Donnerstag, 24.09.2015, 08:45 Uhr
Vermeintliches Gaunerzeichen versteckt hinten an einem Einfamilienhaus in der Ernst-Tertilt-Straße. Gleich mehrere Häuser waren in dem Wohngebiet betroffen.
Vermeintliches Gaunerzeichen versteckt hinten an einem Einfamilienhaus in der Ernst-Tertilt-Straße. Gleich mehrere Häuser waren in dem Wohngebiet betroffen. Foto: Meyer

Ein Anwohner, der nicht genannt werden möchte, spricht von „bestimmt 20 Häusern“ in jenem Bereich, wo mysteriöse Zeichen an Häusern, Treppenabgängen oder Garagen- und Gartenzugängen entdeckt wurden. Sind es die so genannten „Gaunerzeichen“? Symbole, die Kundschafter an Häusern auftragen, um nachfolgenden Einbrechern oder Betrügern einen schnellen Überblick zu verschaffen. Die Palette der Zeichen ist breit und reicht von „Hier gibt es was zu holen“, „hier gibt es Geld“, „günstig für Diebstahl“, „alleinstehende Person“, „alte Leute“, „nur Frauen im Haus“ über „krank spielen“, „aufdringlich werden“ bis zu „bissiger Hund“ und „gefährlich, Hände weg“. Über Google lassen sich diverse Symbolverzeichnisse finden.

X-Zeichen an einem Haus an der Ernst-Tertilt-Straße. Bedeutung: „Gutes Objekt für Diebstahl“ – hier geht‘s rein.

X-Zeichen an einem Haus an der Ernst-Tertilt-Straße. Bedeutung: „Gutes Objekt für Diebstahl“ – hier geht‘s rein.

Jener Anwohner hat an seinem eigenen Haus gleich mehrere Zeichen entdeckt, darunter Pfeile, die Richtung Keller und zum Fenster zeigen und ein Fragezeichen an der Kellertür. „Das ist schon recht heftig und beängstigend“, sagt er gegenüber den WN. Er sorgte auch dafür, dass sich die Polizei vor Ort ein Bild machte. Nachdem Bewohner der Ernst-Tertilt-Straße bereits sorgenvoll angerufen hätten und sich „die Polizei erst bedeckt gehalten hat“, fing er einen Streifenwagen ab, der wegen des Oktoberfestes unterwegs war.

Zu dem Zeitpunkt seien die Zeichen teilweise schon weggewischt gewesen. „Es tritt hin und wieder auf, aber ob es sich wirklich um Gaunerzinken handelt, lässt sich nicht nachvollziehen“, erklärt Hauptkommissar Peter Spahn von der Kreispolizei auf WN-Anfrage zu der Thematik. „Ob Einbrüche damit zu tun haben, ist reine Spekulation. Gesicherte Erkenntnisse darüber gibt es nicht“, sagt er.

Das Phänomen dieser Zeichen reicht bis ins Mittelalter zurück. In den vergangenen Jahren scheint diese Geheimsprache unter Komplizen einen neuen Schub zu erleben, vor allem während der Urlaubszeiten. Eine andere Form des Ausspähens sind kleine Papier- oder Kunststoffschnipsel, die in Haustürspalte geklemmt werden. Stecken die auch noch nach Tagen, weiß der Einbrecher, dass die Tür nicht geöffnet wurde und niemand zu Hause ist.

Hauptkommissar Spahn empfiehlt – wie auch verschiedene Beratungsportale – die Zeichen für die Polizei per Foto zu dokumentieren und dann „auf jeden Fall wegzuwischen“. So leicht abwischbar sind die Zeichen aber mitunter gar nicht, wie Schlüter feststellen musste. Nach dem nassen Abwischen tauchte das Zeichen wieder auf. Es wirke wie Kreide, sei aber eine feste Masse, berichtet der andere Anwohner, der schließlich zur Drahtbürste griff. Mittlerweile ist auch ein Flugblatt unter den Anwohnern verteilt worden, das sensibilisieren und für mehr Wachsamkeit sorgen soll. Bei Verdachtsfällen solle die Polizei-Notrufnummer 110 gewählt werden. Für Willi Schlüter gibt‘s vielleicht Entwarnung. Nach landläufiger Gaunerzeichen-Sprache signalisiert das Quadrat, an dem an der oberen linken Ecke die Linien hinausgehen, „hier ist nichts zu holen“. Aber so richtig sicher sein kann man da wohl nicht.

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