„Bühne frei!“ meldet sich mit Lyrik, Tanz und Musik aus der Sommerpause zurück
Bunte Wundertüte

Everswinkel -

Nach vier Monaten Kleinkunst-Abstinenz war es am Donnerstagabend endlich wieder soweit: Das vom Kulturkreis organisierte und von vielen Everswinklern ungeduldig erwartete Festival „Bühne frei!“ meldete sich mit einer bunten Wundertüte aus der Sommerpause zurück – ausnahmsweise im Ratssaal.

Samstag, 26.09.2015, 08:09 Uhr

Tanzgruppen gab es schon öfter bei „Bühne frei!“, doch mit „Mumjib“ präsentierte erstmals eine Formation orientalische Tänze. Die Bühne für den Kultur-Cocktail war diesmal nicht der Gasthof, sondern das Rathaus.
Tanzgruppen gab es schon öfter bei „Bühne frei!“, doch mit „Mumjib“ präsentierte erstmals eine Formation orientalische Tänze. Die Bühne für den Kultur-Cocktail war diesmal nicht der Gasthof, sondern das Rathaus. Foto: Niesmann

Den Anfang machten die drei Musiker von „Frankie and the Nice Musik Makers“ mit einem kurzen aber klangvollen Streifzug durch 50 Jahre Pop- und Rockmusik. Der Kopf der Gruppe, Frank Meierhenrich (Gesang, Gitarre), tritt seit 40 Jahren semi-professionell mit verschiedenen Bands auf und war zusammen mit seiner Frau Tina (Keyboard/Hintergrundgesang) und Frank Griessbach (Schlagzeug) angereist. Ihre „Rolle rückwärts in der Musikgeschichte“, so Meierhenrich, begann das dynamische Trio mit „Losing my religion“ von R.E.M., einem immerhin schon 25 Jahre alten Klassiker. Weiter in die Vergangenheit ging es mit „Far far away“ von Slade und „When you walk in the room“ in der Version von Status Quo.

Tief geprägt von der emsländischen Heidelandschaft, in der er geboren wurde, war der nächste Gast. „Der ehemalige Textilweber, Kraft- und Taxifahrer ist vielseitig künstlerisch unterwegs und ein sehr kreativer Mensch“, kündigte Moderatorin Susanne Müller an. Inspiriert von der Dichtung Annette von Droste-Hülshoffs und Theodor Storms, präsentierte Franz Wagner eine große Bandbreite an Gedichten, hauptsächlich über Naturbeobachtungen. In illustrativer Sprache mit detaillierten Beschreibungen und Beobachtungen zeichnete er das Bild der Heidelandschaft im Lauf der Jahreszeiten. Von „Holunderduft“ und „Heideheimat“ und von „Dünen in feinem Sand“ sowie der Liebe zu seinem Land erzählte der nun in Hoetmar lebende Rentner. Wagner zeigte sich aber auch von anderen Seiten, düster oder komisch. Etwa dann, wenn er über Tratsch, die Handtaschen der Frauen oder das Sofa schrieb, das ihm „zur Erbauung und Verdauung nach dem Sonntagsbraten“ diene.

Ein Mann, eine Frau, ein Knopfakkordeon, eine Django-Gitarre und zwei Stimmen – französische Lebensart. Genau das macht „ Peugeot Noir“, bestehend aus Anja Kreysing und Matthias Muer aus Wolbeck , aus. Die beiden präsentierten Musette – einen französischen Walzer, der auch heute noch im französischen Sprachraum weit verbreitet ist. Einen weiteren Schwerpunkt bildete Jazz Manouche. Als „Manouches“ bezeichnet sich die Gruppe der unter anderem in Frankreich lebenden Sinti. Die beiden virtuosen Musiker luden zum Träumen ein und versetzen die Zuhörer schon mit ihrem ersten Stück ins Paris der 1940er Jahre. Ein etwas jüngeres Lied bildete „For Sephora“ vom niederländischen Sinto Stochelo Rosenberg. Muer sang unter anderem in Russisch, so wie bei der russischen Version des in Deutschland durch Peter Alexander bekannt gewordenen Ohrwurms „Ausgerechnet heute Abend“. Völlig vertieft und konzentriert, rhythmisch beschwingt und harmonisch im Zusammenspiel beeindruckte das Duo.

Erstmals präsentierte eine Gruppe bei „Bühne frei!“ orientalische Tänze. „Gefunden haben sich die sehr sportlichen Damen bereits vor Jahren im Kursus ‚orientalischer Tanz‘ im Haus der Familie in Warendorf“, erzählte Müller. Eindrucksvolle Ausschnitte aus ihrem vielfältigen Repertoire boten die zehn Frauen – von lateinamerikanischen Rhythmen über Pop bis zu Fantasy. In aufwändigen, farbenfrohen, selbst gefertigten Kostümen gaben sie auch Lustiges zum Besten. Die Gruppe nennt sich „Mumjib“, für sie bedeutet der Name Freude an schöner Bewegung. Und die übertrugen sie durch Spaß und die Leichtigkeit am Tanz aufs Publikum.

Der letzte Programmpunkt des Abends, die „Monday Night Jazz Band“, war zum zweiten Mal zu Gast. Wie vor zwei Jahren begeisterten sie das Publikum mit exzellenter Swingmusik der 1930er und 1940er Jahre. Alle Musiker verfügen über langjährige Erfahrung in unterschiedlichen Formationen, gemeinsam treten sie in der Besetzung seit Mitte 2013 auf. Sie wechselten zwischen instrumentalen und Stücken mit Gesang, wie etwa bei „Satin doll“ von Duke Ellington und „Freddie freeloader“ von Miles Davis. Toll dargeboten und jahreszeitlich passend auch „Autumn leaves“. Voller Spielfreude und Schwung präsentierten die versierten Musiker zudem den Jazzklassiker „All of me“. Klar, dass sie um eine Zugabe nicht herum kamen, so dass der Abend erst nach 23 Uhr endete.

Kulturveranstaltung „Bühne frei!“

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  • Wie gewohnt erlebten die Zuschauer bei „Bühne frei!“ wieder eine bunte Wundertüte der Kleinkunst mit einer kurzweiligen Mischung aus Lyrik, Tanz und Musik. Foto: Niesmann
  • Wie gewohnt erlebten die Zuschauer bei „Bühne frei!“ wieder eine bunte Wundertüte der Kleinkunst mit einer kurzweiligen Mischung aus Lyrik, Tanz und Musik. Foto: Niesmann
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