Über 50 Bürger verfolgen Ausschuss-Diskussion um geplantes Übergangswohnheim
Gutes Projekt, schlechter Standort?

Everswinkel -

Das Thema „Flüchtlinge“ bewegt die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes. Zu dem nicht versiegenden Strom an Menschen, die sich in Deutschland ein neues, sicheres Zuhause erhoffen, kommt eine stetig wachsende Zahl an Bürgern, die sich intensiver mit der Problematik beschäftigen. Das ist in Everswinkel nicht anders. Noch nie rief eine öffentliche Sitzung des Bauausschusses oder des Familien- und Sozialausschusses ein so reges Interesse hervor wie am Dienstagabend der gemeinsame Termin beider Gremien.

Donnerstag, 29.10.2015, 07:10 Uhr

Volles Haus bei der Sitzung des Bau- sowie des Familien- und Sozialausschusses am Dienstagabend. Das geplante Übergangswohnheim für Flüchtlinge interessiert viele Bürger. An der Wahl des Standortes wurde Kritik laut.
Volles Haus bei der Sitzung des Bau- sowie des Familien- und Sozialausschusses am Dienstagabend. Das geplante Übergangswohnheim für Flüchtlinge interessiert viele Bürger. An der Wahl des Standortes wurde Kritik laut. Foto: Meyer

Einziger Beratungspunkt: Das für die Wiese neben der Kleingartenanlage am Pattkamp geplante Übergangswohnheim für Asylbewerber. Mehr als 50 Bürger saßen den Kommunalpolitikern im Ratssaal förmlich „im Nacken“.

Dabei zeigte sich, dass das von der Gemeindeverwaltung angepeilte Projekt für mindestens 50 Flüchtlinge in seiner Form und vor allem seiner Lage nicht auf reine Gegenliebe trifft. Unter den verschiedenen Wortmeldungen tat sich ein bestens informiertes und vorbereitetes Ehepaar hervor, das mit reichlich Sachkenntnis und nachvollziehbaren Argumenten für nachdenkliche Gesichter in den Reihen der Kommunalpolitiker sorgte. Am Ende war es so viel Nachdenklichkeit, dass die beiden Ausschüsse nicht den geplanten Beschluss für das Übergangswohnheim an jener Stelle fassten, sondern die Entscheidung dem Planungsausschuss überließen. Bis dahin wollen die Fraktionen die vorgetragenen Argumente erst einmal verdauen.

Bau- und Planungsamtsleiter Norbert Reher hatte aufgezeigt, warum man auf das Grundstück am Pattkamp für ein neues Übergangswohnheim gekommen sei. Ausschlaggebend seien die Verfügbarkeit, die ortsnahe Lage, die Größe und die Erschließung gewesen. Das von Architekt Ansgar Woermann vorgestellte Gebäude hätte eine Bauzeit von sechs bis neun Monaten. Bürgermeister Sebastian Seidel bezifferte das Finanzvolumen auf etwa eine Million Euro mit allen Nebenkosten; man sei derzeit in Gesprächen mit der NRW-Bank bezüglich Fördermitteln.

Gerade an der gesicherten Erschließung schieden sich die Geister. Der teilweise nur vier Meter breite, schlecht beleuchtete Weg zur Kleingartenanlage sei als Erschließungsstraße gar nicht geeignet, machte jenes Ehepaar deutlich. Schon jetzt rolle der Verkehr geduldet teilweise über private Grundflächen, Begegnungsverkehr sei schon jetzt eine Gefahr, und das Müllfahrzeug komme erst gar nicht hinein. Wie sollten da ein Baustellenverkehr oder später Anliefer- und Besuchsverkehr zum Übergangswohnheim möglich sein? Warum versuche die Gemeinde nicht eine Erschließung von Norden? Zudem füge sich der große Baukörper städtebaulich kaum in die Umgebung ein. Warum verfolge die Gemeinde nicht eher das Konzept eines kleinteiligen Bauens – „das ist kostenintensiver, aber langfristig auch wohnverträglicher für alle Beteiligten“. Andere Zuhörer kritisierten die Zuwegung „mitten durch die Kleingartenanlage“ rechts und links davon, brachten die Sicherheitslage der Flüchtlinge am Ende einer dunklen Sackgasse ins Spiel oder fragten nach möglichen Kosten für die Anwohner durch einen Ausbau der Straße.

Natürlich wurde auch die Frage laut, ob es nicht geeignetere Standorte gebe, beispielsweise an der Alverskirchener Straße nahe des Aldi-Marktes oder am Vitus-Saunadorf; eine Alverskirchenerin nannte die Baugebiete Königskamp und Möllenkamp III. „Für Alverskirchen wäre das sicher eine Nummer zu groß“ und zu weit weg vom Rathaus, entgegnete Seidel, und beim Möllenkamp III sei man bereits in der Vermarktung mit reservierten Grundstücken und in Erarbeitung befindlichen Verträgen. Was die anderen Sorgen anbelangt, so zeigte sich Amtsleiter Reher entspannt. Hinsichtlich der Erschließung sei es „nicht so eine außergewöhnliche Situation, dass sich das nicht lösen ließe“, und um die Beleuchtung und Sicherheit werde man sich kümmern. Erschließungskosten für die Anlieger zu erheben „ist nicht unser Ansinnen“. Und was das Kleingartenvereinsleben angeht, „so sehe ich das nicht ganz so dramatisch. Ich glaube nicht, dass es so tragisch wird, dass man keinen Garten mehr betreiben und nicht mehr im Vereinsheim sitzen kann“.

► Der Planungsausschuss diskutiert und entscheidet das Thema öffentlich am kommenden Dienstag (3. November, Rathaus, 18 Uhr). Am 23. November ist für 18 Uhr eine Bürgerversammlung im Rathaus geplant.

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