Theken-Talk „Geier Live“
Kuhhaltung ist betreutes Wohnen

Everswinkel -

In den Fernsehprogrammen gibt es derzeit so etwas wie eine Inflation an Talk-Shows. Lässt sich über deren Inhalte oft trefflich streiten, haben sie doch alle eins gemeinsam: Es geht meist bierernst zu, und die Zuschauer sitzen gemütlich im häuslichen Wohnzimmer.

Montag, 13.06.2016, 10:06 Uhr

Sie bestritten die Veranstaltung „Geier Live“ zum Thema Landwirtschaft (v. l.): Gastwirt Clemens Diepenbrock, Norbert Kreikenberg, Burkhard Schulze Zumhülsen und Klemens Heitmann.
Sie bestritten die Veranstaltung „Geier Live“ zum Thema Landwirtschaft (v. l.): Gastwirt Clemens Diepenbrock, Norbert Kreikenberg, Burkhard Schulze Zumhülsen und Klemens Heitmann. Foto: Wehmeyer

Ganz anders ist das beim Theken-Talk „ Geier Live“ im Gasthof Diepenbrock . „Runter von Sofa, und rein in die Kneipe“, lautete das Motto, mit dem Gastwirt Clemens Diepenbrock seine Gäste am Freitagabend zur 13. Ausgabe der Veranstaltung im Wirtsgarten begrüßte. Effektvoll illuminiert bot der Platz unter den lauschigen Blätterkronen den zahlreichen Besuchern einen unterhaltsamen aber auch informativen Abend in einem wunderschönen Ambiente. Dazu trugen sicher auch die professionellen und originellen Fragestellungen des Gastgebers bei. Aber auch die Talkgäste wussten immer wieder mit schlagfertigen Antworten das Publikum zu überraschen.

Zum Thema Landwirtschaft hatte Diepenbrock die Talkgäste Norbert Kreikenberg, Milchviehalter in Alverskirchen , Klemens Heitmann vom gleichnamigen Biomassehof in Everswinkel und Burkhard Schulze Zumhülsen als Schweinebauer eingeladen. Und damit hatte er einen echten Glücksgriff getan. Norbert Kreikenberg zeigte sich zwar ein wenig wortkarg, aber mit seinen trockenen Antworten sorgte er immer wieder für Heiterkeit im Publikum. Selbst bei dem brisanten Thema Milchpreise blieb Kreikenberg „cool“ und stellte nüchtern fest. „Wenn das so weitergeht, muss ich mir wohl was anderes suchen.“ Die Schilderung von Diepenbrocks Besuch auf dem Hof über die Fütterung und über die Art der Haltung kommentierte der Milchbauer lapidar: „Das ist wie betreutes Wohnen.“ Auch Diepenbrocks betont naive Vorstellung von der künstlichen Besamung einer Kuh: „Schwanz hoch, rein und Schwanz runter“ konnte Kreikenberg kompetent aber auch originell zurechtrücken.

Klemens Heitmann hatte gleich einen Teil seiner Produkte zur Anschauung mitgebracht. „Biomasse ist alles was wächst, bei uns auf dem Hof erzeugen wir in erster Linie Holz-Hackschnitzel zum Heizen in unterschiedlichen Sortierungen“, klärte er die Geier-Live-Besucher auf. Die von Klemens Heitmann betriebe Biogasanlage bezeichnete Diepenbrock respektlos als Beton-Kuh, weil die chemischen Vorgänge in etwa der Verdauung in einer Kuh entsprechen. „Was hinten rauskommt wird verbrannt und damit erzeugen wir Strom“, war Heitmanns verständliche Erklärung, „und die entstehende Wärme nutzen wir zur Trocknung unseres Holzes“.

Burkhard Schulze Zumhülsen gab sich auf dem Podium als Landwirt für Babyferkel zu erkennen. „Wenn wir die Ferkel vom Erzeuger bekommen, müssen wir denen erst mal das Fressen beibringen“, klärte er auf. Denn bis dahin seien sie von der Mutter gesäugt worden. „In etwa 50 Tagen legen die Ferkel von 7,5 Kilogramm auf 25 bis 28 Kilogramm zu und werden dann wieder verkauft“. Der regelmäßige Bestand betrage etwa 9000 Tiere. „Die Preise sind gut und ich kann gut davon leben“, stellte er zufrieden fest.

Bemerkenswerte musikalische Akzente setzte wieder einmal „Michis Hausband“ mit Michael Dress und Ralf Peters. Erstmals wurden die Beiden gesanglich verstärkt von Miriam Greshake und Kim-Joline Neyer, die mit ihren wohlklingenden Stimmen nicht unerheblich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

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