Die Erfolgsgeschichte der Kölschen Cover Band
Kölsche Boy-Group vom Kehlbach                       

Everswinkel -

Ihr gemeinsames Wohnzimmer ist ziemlich weit außerhalb. Im Norden der Bauerschaft Müssingen. Von außen gar nicht zu erkennen, innen ein Raum-Traum mit Teppichboden, Mobiliar, Lampen, Instrumenten und der entsprechenden Technik sowie einem nicht zu übersehenden roten Kühlschrank. Der ist unverzichtbar. Denn der hält das wichtigste Erfrischungsmittel für die fünf Jungs bereit, wenn wieder ein Probenabend ansteht: Kölsch. Und an der gegenüberliegenden Wand hängt das beleuchtete Band-Schild in den gleichen Farben wie die begehrten Flaschen: Rot, Weiß und Schwarz. Die Farben von „Früh Kölsch“, die Farben des Gemeindewappens, und die Farben der „Kölschen Cover Band“. Vorbei ist die Zeit, als im Winter in einer eiskalten Halle mit Gasstrahlern geprobt wurde. Jetzt ist dort ein Studio eingebaut. Ein Raum im Raum. Die Shooting-Stars der Everswinkeler Musikszene haben sich eingerichtet.

Samstag, 24.09.2016, 11:09 Uhr

Probenabend im „Wohnzimmer“: Steffen Serries, Christian Korte, Christoph Görges, Andreas Meier und Fabian Hestermann (v.l.) haben sich ihren Raum-Traum verwirklicht. Und natürlich spielt Kölsch dabei eine große Rolle.
Probenabend im „Wohnzimmer“: Steffen Serries, Christian Korte, Christoph Görges, Andreas Meier und Fabian Hestermann (v.l.) haben sich ihren Raum-Traum verwirklicht. Und natürlich spielt Kölsch dabei eine große Rolle. Foto: Klaus Meyer

Die kometenhafte Aufstieg mit kölschen Kultsongs lässt die Jungs auch selbst immer noch ungläubig staunen. Entstanden aus einer Bierlaune heraus. Genauer gesagt aus einer Art Wette zwischen Christoph Görges und Sven Dirksen. Das war im März 2014. Eine musikalische Nummer für die BSHV-Karnevalsparade 2015 war gefragt. Die Idee: Eine Höhner-Brings-Nummer. Auslöser für fünf Leute, sich zu finden und Weichenstellung, etwas in kölscher Mundart zu machen. Christian Korte, der Schlagzeug spielen kann. Steffen Serries , der zunächst seine Akustik-Gitarre anschleppt und dem schnell klar gemacht wird, dass eine E-Gitarre her muss. Dazu Andreas Meier und Fabian Hestermann, die beiden einzigen, die zu dem Zeitpunkt Musik machen. Im BOE. Bass und Keybord. Görges hat schon das komplette Konzept im Kopf für die Band. Korte erinnert sich: „Und dann habe ich ihn gefragt, ,Christoph, was kannst Du denn?‘“ „Ja, eventuell singen . . .“ „Aha . . .“ Die Probenarbeit beginnt.

„Wir waren ja engagiert, bevor wir überhaupt mal was geprobt haben. Das war das Problem . . .“, lacht Korte, der von einer „zusammengecasteten Boy-Group“ spricht. Der Elferrat hat die Jungs blind gebucht. „Die haben beim BSHV wirklich gedacht, wir machen da eine Mini-Playback-Show oder so was. Die haben im Endeffekt nicht damit gerechnet, dass wir da wirklich live spielen.“ Sie sollten sich gewaltig täuschen. Schon bald steht die Premiere an. Das erste Konzert vor Publikum. In der kalten Halle. Mit Eltern, Freunden – und den Elferratsleuten. Denen fällt die sprichwörtliche Kinnlade herunter, als die neue „Kölsche Cover Band“ (KCB) loslegt. Die Titelliste ist noch überschaubar. „Wir konnten einen Song, haben aber sieben gespielt“, erzählt Serries mit einem Augenzwinkern. Die erste Karnevalssession wird zum kurzen intensiven Rausch. Ein Auftritt in Emsdetten – vermittelt durch Serries Vater – dann der umjubelte Bühnenkracher beim BSHV und schließlich die kurzfristig vereinbarte Altweiber-Zugabe bei Diepenbrock.

Immer mit im Mittelpunkt: Kölsch, offizielles Erfrischungsgetränk der Kölschen Cover Band.

Immer mit im Mittelpunkt: Kölsch, offizielles Erfrischungsgetränk der Kölschen Cover Band. Foto: Meyer

Die Premiere wird zur Sternstunde, die KCB startet gleich im ersten Anlauf voll durch. Christian Korte gibt an den Drums das Zwölf-Zylinder-Rhythmus-Triebwerk, Fabian Hestermann setzt am Keyboard als Melodien-Meister die Akzente und Steffen Serries an der Gitarre sowie Andreas Meier am Bass verlegen den rheinischen Sound-Teppich. Und mittendrin Christoph Görges als „Rampensau“. Eine Stimmung wie beim Pop-Konzert, vor der Bühne eine brodelnde Masse, die glückselig auf Party-Programm geschaltet hat. Der Wahnsinn.

Danach war es Zeit für die Joker-Frage: „Machen wir weiter oder machen wir nicht weiter“, so Görges. Das war beim Kegelabend, da hatte die Band noch kein „Vereinsheim“ mit Kölsch-Kühlschrank. Die Entscheidung ist bekannt. „Wir haben gemerkt, dass das gut angekommen ist. Und dann haben wir so ein bisschen weitergedacht und uns mal die ganzen Sitzungen und das Programm so im Umkreis angeschaut“ – viele Sketche, immer wieder Tanzgruppen und Büttredner, „aber was wirklich fehlt, ist Live-Musik. Und das ist in Köln gang und gäbe“, bilanziert Gitarrist Serries. „Wir haben eine Marktlücke gefunden. In Münster holen sie sich die Leute für teures Geld aus dem Rheinland“, schmunzelt Drummer Korte.

Stimmungsmacher am Mikro: Christoph Görges.

Stimmungsmacher am Mikro: Christoph Görges. Foto: Meyer

Die fünf Everswinkeler haben den Willen, weiterzumachen, und sie haben die Ideen, es besser zu machen. Der Song-Katalog wird kontinuierlich erweitert, es wird in Technik investiert und die Auftrittsvorbereitung professionalisiert. Das zentrale Technik-Rack ist „unser Herzstück, darüber läuft alles, da ist unser Mischpult drin“, erklärt Görges. Dazu das Schlagzeug auf einer rollbaren, nach Maß gefertigten Mini-Bühne und einem dicken Stecker, ferner Keyboard auf Rollbrett und Ständer mit drei Steckern, „und der Rest läuft eigentlich alles schon über Funk“. Die Shooting-Stars sind jetzt binnen drei Minuten startklar und auf der Bühne. „Das ist wichtig, das setzen die Veranstalter in einigen Hallen auch voraus. Man kann ja nicht das Programm 20 Minuten unterbrechen, nur weil eine Band aufbaut“, weiß Serries.

Im Januar haben sie das nach vorherigen Proben erstmalig richtig ausprobiert mit dem Schnellaufbau. Vom Auspacken des Anhängers bis zum Tragen auf die Festhallen-Bühne. Drei Auftritte innerhalb von drei Stunden haben sie an jenem Abend – Festhalle, dann Mövenpick in Münster und schließlich Wolbeck. „Alle haben immer gesagt, das passt nicht, und ich habe immer gesagt, das kriegen wir schon hin. Aber an dem Abend selbst hatte ich auch Zweifel, und ich war auch echt froh, als wir das letzte Mal von der Bühne waren“, atmet Görges noch heute durch.

Andreas Meier am Bass und Fabian Hestermann am Keyboard

Andreas Meier am Bass und Fabian Hestermann am Keyboard Foto: Klaus Meyer

Stress? „Es war auch positiver Stress. Man hat da Spaß dran gehabt, man war voll geflasht von dem, was man gerade hinter sich hatte. Adrenalin voll bis oben hin. Dann saß man im Auto, kam so etwas zur Ruhe und dachte, hoffentlich klappt das jetzt“, erinnert sich Meier. „Ich habe nur gedacht, was machen wir hier eigentlich“, schüttelt Korte den Kopf. Auch bei der Erinnerung an den Auftritt bei den Bösen Geistern in Hiltrup. „Wir wollten uns das auch angucken, das war unser erster Auftritt in der Session. Und dann siehst du die Set-Liste. De Vajabunde und die Altreucher aus Köln, Olaf Henning und dazwischen die Bauernjungs vom Dorf. Das war der Moment, wo ich richtig nervös wurde.“ „Und dann wurden wir mit den Worten angekündigt, ,in Harsewinkel werden die Mähdrescher gebaut, und in Everswinkel werden sie gefahren‘ – da hatten wir unseren Bauern-Status schon weg“, lacht Serries laut los.

Bei den Bösen Geistern ist man nach dem Auftritt von den kölschen „Bauernjungs“ begeistert, und im Mövenpick werden sie bereits „als Neuentdeckung im Karneval“ angekündigt, bevor sie überhaupt einen Ton gespielt haben. Es läuft. Auch bei der Gage, die mal eben vom Veranstalter selbst großzügig aufgestockt wird. Der Ruf eilt der Band inzwischen voraus, die Nachfrage steigt. Dorf Münsterland Legden, Saerbeck, Rheda-Wiedenbrück, Emsdetten, Warendorf, Münster, sogar vom Niederrhein. „Da kommt dann so eine Anfrage, ob wir Karnevalssonntag können. Dann sagst Du ab, weil wir ja arbeiten müssen, und dann kommt sofort die nächste Frage, wie sieht es denn 2018, 2019 aus“, staunt Korte beinahe ungläubig. „Wir haben uns eigentlich so ein Ziel gesetzt, dass wir nicht mehr als zehn bis 15 Termine machen in der Karnevalszeit, wir haben ja auch alle noch was anderes zu tun“, macht Görges deutlich.

Steffen Serries an der Gitarre und Drummer Christian Korte.

Steffen Serries an der Gitarre und Drummer Christian Korte. Foto: Meyer

Im normalen Leben sind Görges, Korte, Serries, Hestermann und Meier Veranstaltungstechniker beziehungsweise Veranstaltungsleiter bei Strohbücker, Student, Einkäufer bei Sanitop und Bankkaufmann bei der WL-Bank. Über 20 Songs haben sie jetzt im Repertoire. Songs, die Spaß machen, das ist ihnen wichtig. Und Songs, die bekannt sind, so dass die die Leute mitsingen und mitmachen können. „Im Grunde sind wir damals angefangen und haben erst mal geguckt, welche Lieder kennen die Leute hier. Viva Colonia, Verdammt lang her, Et jitt kei Wood – das sind ja so Gassenhauer, die kennt jeder, die kann jeder mitgröhlen“, skizziert Serries die Song-Auswahl. „Wenn in Köln ein Lied neu herauskommt und das ist ein klasse Song, dann braucht der bestimmt ein bis zwei Sessionen, bis der hier oben angekommen ist und ihn die Leute auch mitsingen können.“

Zu den meisten Stücken gibt es nicht das Material zu der Besetzung, in der die KCB spielt. „Das kennen wir vom BOE, dass es da große Arrangements zu kaufen gibt, aber das ist nicht das, was wir hier so brauchen“, erklärt Meier. So suche man sich das Material meist aus dem Internet zusammen, lege die Akkorde fest und schaut, wie passt das dann zu welcher Tonart. „Das muss ja auch hauptsächlich vom Gesang her passen bei Christoph.“ „Und dann setzen wir uns mal einen Abend zusammen und machen Sounds am Bass und am Keyboard. Das muss ja alles zusammenpassen“, ergänzt Hestermann. „Bevor wir mit allen hier anfangen und Christoph dabei ist, ist eigentlich vorher schon einiges gelaufen. Momentan ist ja so die Phase, man hört nur Kölsch. Auch um die Texte zu lernen und auch um die Texte zu verstehen, das ist wichtig“, betont Korte.

Im selbst gebauten Probenraum kann neues kölsches Liedgut mit modernster Technik aufbereitet und für die Auftritte geprobt werden.

Im selbst gebauten Probenraum kann neues kölsches Liedgut mit modernster Technik aufbereitet und für die Auftritte geprobt werden. Foto: Meyer

Görges ist die Stimmungsmaschine auf der Bühne. „Wir versuchen die Leute mit jedem Lied irgendwann mal mitzunehmen. Die Hände hoch, mitklatschen, mitgröhlen. Ablenken von den Patzern, die wir da auch machen . . .“ Die KCB-Jungs haben Spaß daran, wenn die Post abgeht. Wenn 650 Leute vor der Bühne außer Rand und Band sind und die Halle bebt. Eine Stunde lang, gerne auch eineinhalb. Nicht mehr. Nicht einen ganzen Abend lang. „Das ist dann schnell so ein Tanzband-Charakter, und das wollen wir nicht“, zieht Görges die Grenze.

Sie wollen auch nicht, dass sich ihre Band zu schnell verschleißt. Deshalb lassen die Senkrechtstarter in der kommenden Session Everswinkel komplett aus der „Tour“. Ein Jahr kein Heimspiel nach den zwei Auftritten in diesem und denen im vergangenen Jahr. Prophylaktisch. „Wir haben Angst, dass die Leute irgendwann sagen, ,jetzt kommen die schon wieder‘“, begründet Görges die Pause im Dorf. In ihrem zweiten Jahr haben die fünf Köschen Cover Boys schon viel erreicht. „Groupies und der Tour-Bus, das fehlt noch“, ruft Serries, und alle lachen laut los. Eine reine Karnevalsband wollen sie nicht sein. „Wir sind eine Kölsch-Band“, bekräftigt Meier. Und bevor die fünf Jungs wieder an ihre Instrumente gehen, ziehen sie wie zum Beweis fünf Fläschchen Kölsch aus dem feuerroten Kühlschrank. Das zischt.

Trockenübung Klatschen: Wenn später das Publikum mitgeht, bebt die Halle.

Trockenübung Klatschen: Wenn später das Publikum mitgeht, bebt die Halle. Foto: Meyer

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