Bürgerversammlung Wohnprojekt Windthorststraße: Ruf nach Spielplatzerhalt und eine beherzte Investorin
Neue Pläne und alte Liebe

Everswinkel -

Es ist schon bemerkenswert, wie stark die Liebe zum längst aufgegebenen und nun vor der Überplanung stehenden ehemaligen Spielplatz an der Windthorststraße noch einmal aufflammte. Jetzt, wo die Fläche in neue Hände geht und mit einem Vier-Familienhaus für Flüchtlinge bebaut werden soll. Die von drei Dutzend Bürgern besuchte Info-Veranstaltung der Gemeinde am Mittwochabend im Rathaus offenbarte, dass sich ein Teil der Nachbarschaft mit der neuen Situation erst noch anfreunden muss.

Freitag, 28.10.2016, 07:10 Uhr

Auf dieser ehemaligen Spielplatzfläche an der Windthorststraße, die seit rund drei Jahren brach liegt, soll das Wohngebäude mit vier Sozialwohnungen entstehen. Einige Anwohner hätten lieber den Spielplatz zurück.
Auf dieser ehemaligen Spielplatzfläche an der Windthorststraße, die seit rund drei Jahren brach liegt, soll das Wohngebäude mit vier Sozialwohnungen entstehen. Einige Anwohner hätten lieber den Spielplatz zurück. Foto: Meyer

Am Anfang der Veranstaltung stand ein ausführlicher Info-Block. Bürgermeister Sebastian Seidel und Planungsamtsleiter Norbert Reher stellten den bisherigen politischen Weg vor, der zu der Entscheidung geführt hatte, den Spielplatz aus Gründen einer Überversorgung mit Spielflächen in der Gemeinde aufzugeben und die Fläche für eine Wohnbebauung mit Sozialbindung zu verkaufen. Sozialamtsleiter Thomas Stohldreier reflektierte die Flüchtlingssituation sowie die Bemühungen um Wohnraum und Integration, und Planerin Maren Dinter erläuterte die angepeilte Bebauungsplanänderung mit der Kernaussage, „das ist ein klassischer Fall, um eine Restfläche im Innenbereich zu mobilisieren“. Oder mit anderen Worten: Nachverdichtung auf einer brachliegenden Fläche.

Das geplante Objekt selbst skizzierte Architekt Markus Schöfbeck . Ein Wohnhaus mit Pultdach, vier Wohneinheiten mit bis zu 78 Quadratmetern, Terrassenbereich und Balkonen, das von Osten erschlossen wird. Auf dem Grundstück zudem eine Aufstell- und Wendefläche für Pkw sowie im nordwestlichen Bereich einen Spielbereich für Kinder. Zwei Bäume müssen wohl weichen, der Rest soll für die Eingrünung erhalten werden. „Wir sind den Bestimmungen des sozialen Wohnungsbaus gefolgt“, so dass eine Folgenutzung als Sozialwohnungen möglich sei, wenn der Wohnraum nicht mehr für Flüchtlinge benötigt werde, so Schöfbeck.

Einem Teil der Zuhörer geht der Wegfall des Spielplatzes offenbar schwer ab. Obwohl der bereits seit drei Jahren zurückgebaut ist. So plädierte Anwohner Hubert Witte vehement für einen Erhalt der Spielfläche, weil in dem Wohngebiet aus den 60er-Jahren mittlerweile ein Generationenwechsel stattfinde und junge Leute zuzögen. Dem schloss sich Günter Glose an, der beklagte, dass nun der vierte Spielplatz entfernt werde. „Ich möchte wissen, welche Grundlagen dazu geführt haben, dass dieser Spielplatz aufgegeben werden soll.“ Die Ausführungen Rehers zum Spielplatz-Konzept überzeugten ihn nicht. 500 Meter bis zum nächsten Spielplatz seien zu viel, „der Generationenwandel findet doch jetzt statt“, so Glose. Eine jüngere Frau, die in den nächsten Jahren „definitiv Kinder bekommen“ will und wegen des grünen Umfeldes zugezogen sei, will die Kinder „definitiv nicht 500 Meter allein bis zum nächsten Spielplatz über die Straße laufen lassen“.

Zwischenzeitlich drohte die Diskussion auch in ein ungewolltes Fahrwasser zu driften, als jene Anwohnerin von Ängsten sprach, abends noch Wege in dem Bereich zu benutzen, wenn Flüchtlinge in das Gebäude einzögen. „Man weiß ja nicht, welche Familien dahinziehen.“ Bürgermeister Seidel nahm schnell Wind aus dem Segel. „Sie schauen auch bei deutschen Nachbarn nur vor den Kopf. Es sind Menschen wie Sie und ich, und da gibt es wie bei uns solche und solche.“ Herbert Schulze von der Flüchtlings-Initiative schloss sich mit positiven Erfahrungen aus der Begleitung von Flüchtlingsfamilien an. „Ich kann nur sagen, die Erfahrungen sind genauso wie in der deutschen Bevölkerung. Angst zu haben – den Grund habe ich bislang nie gefunden, auch nicht ansatzweise.“

Investorin Regina Fleck, die sich im Laufe der Veranstaltung zu erkennen gab, sorgte mit einem persönlichen Statement für einen nachklingenden Abschluss: Sie habe sich zusammen mit dem Architekten um eine Planung bemüht, die auch die Nachbarschaft berücksichtige. Sie selbst habe ihr Wohnzimmer, ihre Küche, ihr Bad, „die Menschen, die dorthin ziehen, haben alles zurückgelassen“. Sie und die Nachbarschaft lebe ja auch in gewisser Weise in einer Flüchtlingssiedlung, der Bauernsiedlung. Die Investition, der Hausbau „wird auch für mich ein großer Einschnitt sein“, aber es sei die Chance, anderen Menschen zu helfen und etwas zurückzugeben von dem Glück, das man selbst einmal gehabt habe.

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