Autorenlesung mit Eleonore Dehnerdt über Luthers Frau Katharina von Bora
Pointiert und unterhaltsam

Everswinkel -

Am Montagabend wurde im Pfarrheim das Rad der Zeit um rund 500 Jahre zurückgedreht. Es ging in eine Zeit, in der Pest, Bauernkriege und der Ablasshandel vorherrschten. Im historischen Gewand mit hoch geschlossener weißer Bluse und schwarzem Kleid hatte Eleonore Dehnerdt am Lesetisch Platz genommen.

Mittwoch, 05.04.2017, 08:04 Uhr

Einen kurzweiligen Blick in die Zeit der Reformation ermöglichte die Autorin Eleonore Dehnerdt mit ihrer Lesung aus ihrem Buch über Luthers Frau Katharina von Bora.
Einen kurzweiligen Blick in die Zeit der Reformation ermöglichte die Autorin Eleonore Dehnerdt mit ihrer Lesung aus ihrem Buch über Luthers Frau Katharina von Bora. Foto: Marion Bulla

„Ich freue mich. Denn das Besondere: Eine katholische Einrichtung lädt mich ein. Das finde ich schön. Wir kommen ja alle aus einem Topf. Es gibt keine Unterschiede“, sagte die Autorin in Richtung der gut zwei Dutzend Zuhörer.

Das Katholische Bildungswerk hatte in Kooperation mit der KFD Everswinkel und der Katholischen Bücherei im Rahmen des Luther-Jahres den Fokus an diesem Tag nicht auf den Reformator selbst, sondern auf dessen Gattin Katharina von Bora gelegt. „Die starke Frau an Luthers Seite“, so lautet der Titel des Buches, in dem die freie Autorin Eleonore Dehnerdt die spannende Biografie dieser selbstbewussten und gläubigen Frau erzählt. Nein, ein Heimchen am Herd, das war Katharina von Bora ganz und gar nicht, wie sich in den nächsten zwei Stunden zeigte.

Mit pointierten Betonungen und ihrem leicht schwäbischen Zungenschlag traf Eleonore Dehnerdt immer den richtigen Ton. Sie las aber nicht nur, zwischen den Passagen klärte die Schriftstellerin in lebendigen Sprachbildern über gewisse Situationen jener Zeit auf. Der Kirchengang etwa, sei nicht mit der heutigen Zeit zu vergleichen. „Es gab keine Wortgottesdienste und auch keine Sitzgelegenheiten“, erläuterte Dehnerdt. Auch band sie immer wieder Ausschnitte aus Briefen der Eheleute ein, um deren innige Beziehung deutlich zu machen.

Katharina von Bora führte ein bewegtes Leben. Mit gerade einmal sechs Jahren schickte der Vater Katharina ins Kloster. Das war damals nicht unüblich. Doch sie war sehr unglücklich hinter den dicken Mauern. Die freiheitlichen, reformatorischen Gedanken Martin Luthers durchdrangen die Klostermauern, und schließlich floh sie in der Nacht des Karfreitags im Jahr 1523 mit sieben weiteren Nonnen. Mit 24 Jahren. Jedoch war das Leben in der Freiheit nicht leicht, denn Nonnen, die überdies noch heimlich den Orden verlassen hatten, galten als höchst suspekt. Katharina verliebte sich, wurde verlassen und schließlich ging ihr Bestreben dahin, den Reformator selbst zu ehelichen. „Und der war nicht jedermanns Sache“, warf Dehnerdt ein.

Zunächst belächelte Luther das Ansinnen, aber schon bald wurde aus Katharina sein „Morgenstern“, und er wurde „in ihre Zöpfe geflochten“, was bedeutet, dass er in Katharina verliebt war. Trotzdem – ihr Lebensweg war bedingt durch die Pest, vor der sie mehrfach mit ihren sechs Kindern fliehen musste, mit Steinen überhäuft.

Nach damaligem Recht sollte ihr, obwohl sie Alleinerbin war, nach dem Tod Luthers 1546 nichts weiter bleiben als ein Webstuhl und ein Schemel. Sie kämpfte und bekam Recht. Bei ihrer letzten Flucht im Jahr 1552 starb Katharina Luther bei einem Unfall mit einem Karren.

Das gut unterhaltene Publikum zollte der Autorin den wohlverdienten Applaus für ein interessantes Bild aus der Reformationszeit.

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