Vor Gericht
Sich keiner Schuld bewusst

EVERSWINKEL -

Ein Albaner, der derzeit in einem Übergangswohnheim in Everswinkel wohnt, steht in Warendorf vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, einem anderen Flüchtling das Handy gestohlen und ihn geschlagen zu haben, sowie beim Diebstahl von 13 Fahrrädern, die zu einem Hehler in Essen gebracht werden sollten, tatkräftig dabei gewesen zu sein.

Montag, 10.04.2017, 22:04 Uhr

Bei einem gemeinschaftlichen Raub von Fahrrädern (hier: Symbolbild) soll der Angeklagte aus Everswinkel ebenfalls seine Finger im spiel gehabt haben.
Bei einem gemeinschaftlichen Raub von Fahrrädern (hier: Symbolbild) soll der Angeklagte aus Everswinkel ebenfalls seine Finger im spiel gehabt haben. Foto: Felix Strohbach

Tatort Flüchtlingsübergangsheim an der Bergstraße 26. Hier soll Elson R. am 4. November gegen 19.45 Uhr einem andern Flüchtling das Handy geklaut haben. Und ihm dabei auch noch ein Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht verpasst haben. So der erste Anklagepunkt im Prozess gegen den Mann aus Albanien, der am Montag im Amtsgericht Warendorf eröffnet wurde. Der zweite Punkt trägt schwerer: Der Angeklagte aus der Flüchtlingsunterkunft in Everswinkel soll am 18. Mai an einem gemeinschaftlichen Diebstahl von Fahrrädern im großen Stil beteiligt gewesen sein. Begangen in Münster.

Zwei Vertreter des Gerichts und der Polizei bewachen den Angeklagten, der bereits in der JVA einsitzt. Elson R. trägt ein Kapuzenshirt in Camouflage-Militärfarbe, eine Kurzhaarfrisur und einen Vollbart. Deutsch kann der 27-Jährige nicht, deshalb werden seine Aussagen von einer Dolmetscherin übersetzt.

Die Richterin will zunächst von ihm ein paar Angabe zur Person wissen. Der Angeklagte antwortet ruhig: Er ist verlobt und von Beruf Kfz-Mechaniker. „Und sie haben eine Tochter in Albanien?“ fragt die Richterin. Elson R. bejaht.

Auf den ersten Tatvorwurf, er habe einem anderen Flüchtlinge, das Handy geklaut und ihn dabei geschlagen, reagiert der Angeklagte über seinen Anwalt, und dieser sagt: „Er möchte eine Aussage machen.“ So berichtet Elson R., dass er nicht das Handy des vermeintlichen Opfers geraubt habe, sondern sich von dem anderen Mann nur sein eigenes Handy zurückgeholt habe, was er ihm zuvor geliehen hätte. Der Grund: Das vermeintliche Opfer haben seinen Vater am Telefon beschimpft, und er habe dieses Verhalten dann gerügt und daraufhin das ausgeliehene Smartphone wieder an sich genommen. „Ich habe ihn auf keinen Fall geschlagen, weil er ein Freund ist“, beteuerte der Angeklagte. Er habe ihm sein eigenes Handy abgenommen und sei auf sein Zimmer ins Asylbewerberheim Münsterstraße gegangen. „Wer war dabei?, fragte die Richterin. „Dragan P.“ die Antwort. Der soll dann im weiteren Prozessverlauf vernommen werden.

Laut Richterin und Staatsanwalt hatte das Opfer des vermeintlichen Handydiebstahls hätte zur Tatzeit einige Promille Alkohol im Blut.

Das Gericht interessierte sich nunmehr für die andere vorgeworfene Straftat. Auf der Staufenstraße in Münster sollen der Angeklagte Elson R. und ein anderer Mann 13 Fahrräder gestohlen und auf einem Transporter verstaut haben, um sie zu einem Hehler nach Essen zu bringen, der am dortigen Autokino seinen Geschäfte nachgehe. Die Richter konfrontiert den Angeklagten damit, dass man an einem der geklauten Fahrräder DNA-Spuren von ihm gefunden habe.“ Darauf antwortet Elson R.: „Bei uns im Heim stehen viele Räder, die man schon einmal berührt hat.“

Nach einer 15-minütigen Beratung mit seinem Anwalt, gab der Angeklagte nur zu, in der fraglichen Tatnacht mit dem Mitangeklagten B. unterwegs gewesen zu sein und ihm beim Verladen der Räder geholfen zu haben. Dabei habe er an nichts Strafbares gedacht. Er habe nur einem Freund helfen wollen. Erst als plötzlich in der Nachbarschaft Licht anging, habe er sich beobachtet gefühlt und gemerkt dass ihm die Sache zu weit gegangen sei“.

Obwohl zwei Stunden für die erste Verhandlung des Raub-Prozesses gegen Elson R. anberaumt worden waren, war nach einer Dreiviertelstunde bereits Schluss. Die Richterin vertage. Auch weil ein wichtiger Zeuge nicht erschien, für den das Gericht extra einen Dolmetscher bestellt hatte. Bis zum nächsten Verhandlungstermin können bis zu vier Monate verstreichen. Der Grund: Die Richterin will zunächst einen anderen Prozess gegen den Mittäter B. in Osnabrück abwarten und das Ergebnis eines richtigen DNA-Gutachtens zum Fingerabdruck am Fahrrad, da der bisherige Beweis nicht „förmlich genug“ sei.

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