Nach dem Abi in die Ferne: 4. Teil des Reiseberichts der Everswinkelerin Sophia Perdun aus Indien
Die tollsten Spiele auf der Straße

Everswinkel -

Die Everswinkelerin Sophia Perdun zog es nach ihrem Abitur im Juni vergangenen Jahres in die Ferne, um vor dem Studium einige faszinierende Regionen der Welt kennenzulernen. Sie nahm die WN-Leser bereits mit nach Australien, Osttimor und Neuseeland. Jüngste Station ist nun Indien. Die Everswinkelerin absolviert dort ein Praktikum in einem Kinderheim. Hier nun der letzte Teil ihres Erfahrungsberichts von dort.

Samstag, 06.05.2017, 10:33 Uhr aktualisiert: 06.05.2017, 10:40 Uhr
Sophia Perdun mit Bewohnern des Kinderheims beim Spielen. Dazu ist am Samstag- und Sonntagnachmittag mal Zeit, wenn keine Schule ist und die Arbeiten im Haus erledigt sind.Kein iPad, keine Playstation - die Mädchen spielen einfach auf der Straße, und selbst Steine können fürs gemeinsame Spiel dienen.
Sophia Perdun mit Bewohnern des Kinderheims beim Spielen. Dazu ist am Samstag- und Sonntagnachmittag mal Zeit, wenn keine Schule ist und die Arbeiten im Haus erledigt sind.Kein iPad, keine Playstation - die Mädchen spielen einfach auf der Straße, und selbst Steine können fürs gemeinsame Spiel dienen. Foto: Sophia Perdun

„An den wenigen Samstagen, an denen die jüngeren Kinder frei haben, stehen sie nicht – wie von einigen Lesern vielleicht vermutet – etwas später auf, sondern auch dann beginnt der Tag spätestens um 6.30 Uhr. Dann wird die Kleidung gewaschen, das Haus geputzt, in der Küche geholfen und Hausaufgaben erledigt. Nach dem Mittagessen ist endlich Zeit zum Spielen, Lesen oder Ausruhen.

Dann wird genau wie am Sonntagnachmittag auch Völkerball, Hüpfkästchen oder Uno gespielt, Seilchenspringen geübt, gemalt oder einfach in Ruhe ,gequatscht‘ und Späße gemacht. Was in Deutschland schon lange von den Straßen verschwunden ist und durch iPads, Playstations oder einfach einer zu großen Auswahl an Spielzeug verdrängt wurde, ist im ,Großen Haus’ und der Nachbarschaft toll zu beobachten. Überall spielen Kinder auf der Straße, und obwohl sie oft nicht viele Spielsachen besitzen – oder vielleicht genau deswegen – enstehen die tollsten Spiele, und der Nachmittag vergeht wie im Fluge.

Kein iPad, keine Playstation - die Mädchen spielen einfach auf der Straße, und selbst Steine können fürs gemeinsame Spiel dienen.

Kein iPad, keine Playstation - die Mädchen spielen einfach auf der Straße, und selbst Steine können fürs gemeinsame Spiel dienen. Foto: Sophia Perdun

Nach dem Abendessen sind die meisten Kinder erschöpft und gehen ins Bett, beziehungsweise sie legen sich auf ihre Bastmatten, denn der nächste Tag beginnt früh, und die Schule startet in eine neue Woche. Auch ich bin abends müde und freue mich auf meinen Schlaf. Vorbei an den schon schlafenden Kühen am Straßenrand, den bellenden Straßenhunden, den Lichtern, die aus dem Inneren der Häuser leuchten, und den vorbeifahrenden Motorrädern gehe ich zu meinem Zimmer.

Hilfe durch den Verein conAct e.V.

Der gemeinnützige Verein conAct e.V., der Sophia Perdun das Praktikum in dem Kinderheim ermöglichte, wurde im Mai 2000 in Göttingen gegründet. Mittlerweile hat der Verein mehr als 1 000 Mitglieder und viele Förderer. Dadurch, dass alle Vorstandsmitglieder ehrenamtlich arbeiten, betragen die Verwaltungskosten maximal zwei Prozent. Das bedeutet, dass mindestens 98 Prozent der Spenden direkt bei den Projekten landen. Alle zwei Jahre gibt es eine öffentliche Mitgliederversammlung, um über die Projekte zu informieren und anschließend wird ein multikulturelles Fest gefeiert. Wer Interesse an dem Verein und den Praktikumsmöglichkeiten hat: Infos gibt es auf www.conact-ev.de. Alternativ können sich Interessierte auch direkt an die Ansprechpartner Thiru und Kerstin Subramaniam, Telefon  0 52 31/21 57 1; E-Mail: info@conact-ev.de

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Wie überall auf der Welt, so gibt es auch hier in Indien für mich eine abendliche Routine. Bevor es die Treppen hinauf zu meinem Raum geht, begrüße ich die Familie meines Vermieters. Oft bekomme ich dort einen kleinen Snack, sogar manchmal ein zweites Abendessen, und immer haben sie ein offense Ohr für mich, gibt es eine kleine Unterhaltung und ein freundliches Lächeln. Danach geht es ins Bett, denn auch mich wird am folgenden Tag morgens früh der Wecker wieder aus dem Schlaf aufschrecken lassen. Dann beginnt ein neuer Tag mit tollen Erfahrungen, neuen Eindrücken und schönen Erlebnissen.

Eines steht schon jetzt fest: Durch das Praktikum im Kinderheim konnte ich erleben, wie der Alltag der indischen Menschen aussieht und abläuft. Ich konnte die Kultur erfahren. Das ,Große Haus‘ und seine Bewohner, die mir die Zeit so angenehm gemacht haben und mit denen ich viel Spaß hatte und tolle Erfahrungen gesammelt habe, werde ich vermissen.“

Ende des Kapitels

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