Interview: Veränderte Lebenssituationen machen dem Verein zu schaffen / Werben um Nachwuchs und Ehemalige
Spagat beim Spielmannszug

Alverskirchen -

Der Spielmannszug Alverskirchen besteht seit mittlerweile 53 Jahren. Eine Zeit, in der es immer wieder mal Höhen und Tiefen gibt, und der Verein muss sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Aktuell besteht die Herausforderung darin, die unterschiedlichen Lebenssituationen der Mitglieder mit den Interessen des Vereins in Einklang zu bringen.

Freitag, 12.05.2017, 09:05 Uhr

Ludger Kemker (l.) und Christian Averbeck schildern im WN-Gespräch die Situation des Spielmannszuges und werben dafür, mitzumachen.
Ludger Kemker (l.) und Christian Averbeck schildern im WN-Gespräch die Situation des Spielmannszuges und werben dafür, mitzumachen.

Viele Mitglieder können derzeit nicht regelmäßig an den Proben und Auftritten teilnehmen. Woran das liegt und wie der Verein die Herausforderung meistern möchte erklären der Vorsitzende Ludger Kemker und Tambourmajor Christian Averbeck im Interview mit den WN.

Der Spielmannszug Alverskirchen ist aus dem musikalischen Leben der Gemeinde nicht wegzudenken und gibt immer eine gute Figur ab. Wie stark ist das Ensemble derzeit?

Averbeck: Wir haben derzeit 36 aktive Mitglieder und drei Jungs in der Trommel-Ausbildung.

Das klingt doch eigentlich ganz gut. Dennoch gibt es Probleme – welche?

Kemker: Fast die Hälfte unserer Mitglieder ist mittwochs zur Probe nicht verfügbar. Das hat unterschiedliche Gründe wie etwa Schichtdienst, Studium oder Ausbildung außerhalb von Alverskirchen, Schwangerschaft, Kinderbetreuung, oder Fußballtraining. Drei unserer aktuell fünf Trommelspieler spielen in den DJK-Nachwuchsmannschaften, und deren Trainingszeiten kollidieren mit unseren Proben.

Welche Auswirkungen hat das auf den Spielmannszug?

Averbeck: Im letzten Jahr lag die durchschnittliche Beteiligung bei unseren Proben und an den Auftritten bei etwa 18 bis 20 Personen, teilweise waren wir sogar nur mit 12 bis 15 Leuten unterwegs. Dann können wir leider nicht unser ganzes Potenzial abrufen und müssen uns auf einfache Musikstücke beschränken. Auch erschwert es unsere Probenarbeit, denn so brauchen wir länger, um neue Lieder einzustudieren.

Das klingt nach einem Problem, mit dem sich der Verein offenbar intensiver beschäftigen muss.

Averbeck: Das ist richtig. Einige unserer Mitglieder werden in Kürze ein Studium oder eine Ausbildung beginnen oder beenden und wissen noch nicht, wohin es sie verschlägt und ob sie uns erhalten bleiben.

Kemker: Der Spielmannszug ist wichtig für Alverskirchen und Alverskirchen ist wichtig für den Spielmannszug. Deshalb ist es wichtig, dass er weiter existieren kann. Uns liegt die Zukunft Alverskirchens am Herzen, also tun wir alles dafür, damit der Spielmannszug weiter lebt.

Hat der Vorstand denn ein Rezept vor Augen, wie es besser werden kann?

Kemker: Auch im Vorstand hat es in diesem Jahr einige Veränderungen gegeben, der komplette geschäftsführende Vorstand wurde neu besetzt. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, kommissarisch den Vorsitz zu übernehmen. Ich war vor einiger Zeit bereits einige Jahre im Vorstand aktiv als Jugendwart und Kassierer und habe in den letzten Jahren eine Vorstandspause eingelegt. Nach kurzer Bedenkzeit habe ich zugesagt, da mir der Verein viel bedeutet. Uns ist klar, dass wir an verschiedenen Stellen ansetzen müssen, um den Spielmannszug ,am Leben zu erhalten‘. Der neu formierte Vorstand geht diese Aufgabe sehr motiviert und mit hohem Engagement an. Auch die Mitglieder wirken derzeit sehr motiviert, ein Beispiel ist die Renovierung unseres Probenraumes in Eigenleistung im März.

Der Spielmannszug hat bislang über Instrumentenkurse immer wieder Mitglieder gefunden. Bleibt das auch künftig eine Strategie?

Averbeck: Absolut, das halten wir für unsere wichtigste Aufgabe. Nur wenn wir regelmäßig musikalischen Nachwuchs ausbilden, hat der Spielmannszug eine Zukunft. Leider haben sich für den letzten Flötenkursus nur zwei Teilnehmer gemeldet, die dann vorzeitig aufgegeben haben. Wir bieten in diesem Jahr erneut einen Flötenkursus an. Er soll im Juni beginnen und wird von unseren aktiven Flötistinnen Leonie Hegemann und Ute Lütke Holling ehrenamtlich geleitet. Unterstützt werden sie durch unseren externen Ausbilder Henner Schumann. Der ist Berufsmusiker und hat bis zu seiner Pensionierung im Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr Querflöte gespielt. Heute lehrt er an der Landsmusikakademie in Heek und ist als stellvertretender Landesmusikdirektor des Volksmusikerbundes NRW für den Bereich der Spielmannsmusik engagiert. Durch diese Kombination können wir unseren interessierten Neumitgliedern eine fachlich qualifizierte Ausbildung anbieten, die mit dem bronzenen Abzeichen des Volksmusikerbundes NRW abschließen soll.

Kemker: Wir haben jüngst die Grundschule hier besucht und alle Kinder zu zwei offenen Proben eingeladen, die am 17. und am 24. Mai jeweils um 19 Uhr im Übungsraum stattfinden. Dort werden wir den Verein und die Kurse vorstellen. Wir werden den interessierten Besuchern auch ein paar Lieder vorspielen. Aber nicht nur die Grundschulkinder sind eingeladen, wir freuen uns auch über Jugendliche und Erwachsene, die Interesse haben. Schließlich sind unsere aktiven Mitglieder zwischen neun und 56 Jahre alt. Wir setzen beim Alter nach oben keine Grenze.

Wie läuft so ein neuer Flötenkursus ab?

Averbeck: Der Kursus wird einmal wöchentlich für eine Stunde stattfinden. Und um eins vorwegzunehmen: Musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, jeder kann bei uns ein Instrument erlernen. Unverzichtbar ist aber, dass die Teilnehmer die Bereitschaft mitbringen, das Instrument regelmäßig zu Hause zu üben. Henner Schumann sagt uns immer mit einem Augenzwinkern: ,Üben hilft in den aussichtslosesten Fällen!‘

Kemker: Die ersten vier Wochen werden als Schnupperphase kostenfrei sein, damit jeder die Möglichkeit bekommt, das Instrument erst einmal auszuprobieren. Danach wird die Teilnahme am Flötenkursus voraussichtlich zehn Euro im Monat kosten, wobei die Sommerferien nicht berechnet werden.

Gibt es sonst noch Ideen, um den Spielmannszug wieder auf eine breitere Basis zu stellen?

Averbeck: Wir veranstalten einmal im Jahr ein Probenwochenende, um unsere Musikstücke intensiv zu proben und die Gemeinschaft der Truppe zu stärken. Am vergangenen Wochenende waren wir dazu in Xanten und hatten sehr viel Spaß und Erfolg. Wir haben ein schönes neues Lied einstudiert, das wir beim diesjährigen Schützenfest präsentieren möchten. Bei der Auswahl unserer Musikstücke achten wir darauf, nicht nur spielmannszugtypische Musik zu spielen. Hier sind wir dankbar, mit Henner Schumann einen Profi an unserer Seite zu haben, der es immer wieder mit viel Engagement schafft, unsere außergewöhnlichen Musikwünsche zu Papier zu bringen und diese mit uns einstudiert.

Kemker: In der Vergangenheit haben wir festgestellt, dass uns die Mitglieder verlassen haben, wenn sie eine Familie gegründet haben. In anderen Vereinen jedoch sieht man, dass dort die Familien der Mitglieder mit zu den Auftritten fahren. Wir möchten gemeinsam mit unseren Mitgliedern herausfinden, wie man Familie und Spielmannszug unter einen Hut bekommen kann. Am wichtigsten ist uns, dass unsere aktuellen Mitglieder dem Verein treu bleiben. Neben der Bindung der aktiven Mitglieder und der Ausbildung neuer Mitglieder möchten wir darüber hinaus ehemalige Mitglieder wieder reaktivieren. Unsere Probenzeiten haben sich nicht geändert. Wer sein ,Comeback‘ feiern möchte, kann jederzeit gern mittwochs um 19 Uhr in den Übungsraum kommen. Wir freuen uns.

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