Vortrag beleuchtet das Leben und Wirken von Dr. Aenne Gausebeck
Emanzipierte Frau aus Everswinkel

Everswinkel -

Oberlyzeum, Studium und sogar Promotion – zu Beginn des 20. Jahrhunderts ungewöhnliche Stationen für eine junge Frau vom Lande und für ein Mädchen aus Everswinkel. Mit Fotos und Abbildungen informierte Gisbert Strotdrees, Redakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben in Münster, auf Einladung von KFD und Katholischem Bildungswerk sachlich und fundiert, aber zugleich interessant und kurzweilig und über das Leben und Wirken von Dr. Anna Maria Gausebeck.

Mittwoch, 17.05.2017, 07:05 Uhr

Gisbert Strotdrees gab auf Einladung des Katholischen Bildungswerks und der KFD Everswinkel Einblicke in das bedeutsame Wirken der Everswinkelerin Aenne Gausebeck.
Gisbert Strotdrees gab auf Einladung des Katholischen Bildungswerks und der KFD Everswinkel Einblicke in das bedeutsame Wirken der Everswinkelerin Aenne Gausebeck.

Die gebürtige Everswinkelerin von der Nordstraße verfasste nach dem Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Literatur eine Doktorarbeit und arbeitete dann ab 1918 bei der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn. Dort war sie für die Förderung von Wohlfahrtsschulen für Landfrauen zuständig, heute vergleichbar mit den Landvolkshochschulen. Gausebeck engagierte sich auf vielfältige Weise für die Frauen auf dem Lande und setzte sich für die Modernisierung der Haushalte ein, vermittelte praktisches Wissen für Haus, Hof und Familie, engagierte sich aber auch für den gezielten Ausbau von Bildung und Kultur im ländlichen Raum, zeigte der Referent auf.

1921 übernahm sie bei der Landwirtschaftskammer die Zuständigkeit fürs weibliche Schulwesen. Unter den Büchern, die zum Teil antiquarisch noch zu bekommen sind, finden sich Titel wie „Landbau-Bau mit!“ (1949), „Landfrau und Kamerad Maschine“ (1951), „Haus der Landfrau oder landwirtschaftliche Gemeinschaftsanlagen“ (1955), oder das Büchlein über die nötigen Aussteuerartikel in „Meine Brautkiste“, die beim Publikum so manches Schmunzeln, aber auch viele Erinnerungen hervorrief. Auch international machte Gausebeck von sich reden. Bei der Tagung des internationalen Landfrauenverbandes in London 1939 referierte sie an zwei Tagen über eine Fülle von Themen.

Als Leiterin des Schul- und Kulturdezernats bei der Landschaftskammer verfolgte Aenne Gausebeck nachhaltig ihr Ziel, nämlich die Stärkung der Position der Landfrau, ihre Bildung sowie zugleich die Vermittlung von Kunst und Kultur für diese Frauen, erläuterte Strotdrees. Neben ihren Büchern setzte sie dabei auch auf fortschrittliche Kommunikationsmittel wie das seinerzeit „neumodische“ Radio, wo sie eine Sendung „Talk for women“ anbot. Ihr bedeutendstes Werk ist das 1955 nach ihrer Pensionierung erschienene Lesebuch „Denen, die das Land lieben“, zu dem namhafte Persönlichkeiten, etwa Hermann Hesse und Karl Jaspers, Beiträge lieferten, zu denen sie persönlich Kontakt pflegte. Aenne Gausebeck starb schließlich 1969 im Alter von 79 Jahren in Hagen am Teutoburger Wald.

Etwa zwei Dutzend Zuhörer waren der Vortrags-Einladung gefolgt, wobei einige von ihnen diese außergewöhnliche Frau bzw. ihre Familienmitglieder noch persönlich kannten, so dass sich ein lebhafter Gedankenaustausch mit Informationen und so mancher Anekdote ergab. Die Frage, warum nur ihrem Bruder Ludwig Gausebeck die Ehre eines Straßennamens in Everswinkel zuteil wurde, konnte nicht geklärt werden.

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