Landwirtschaft als Nebenerwerb: Besuch auf dem Hof Große Holling
Ein Arbeitstag, zwei Berufe

Alverskirchen -

„Wachsen oder weichen“ – das ist für den Strukturwandel in der Landwirtschaft, dem dieser Wirtschaftszweig schon seit Jahrzehnten unterworfen ist, zu einem geflügelten Wort geworden. Höfe werden aufgegeben oder zu immer größeren Einheiten verschmolzen. Notwendige Investitionen rechnen sich nur bei einer Expansion der Betriebe. In diesem Umfeld ist die Familie Große Holling in Alverskirchen einen eigenen Weg gegangen.

Freitag, 04.08.2017, 09:08 Uhr

Nach seinem Dienst als Metallbauer im Betrieb Münstermann in Westbevern steigt Bernd Große Holling in den Overall und kümmert sich um die Schweine auf dem heimischen Hof.
Nach seinem Dienst als Metallbauer im Betrieb Münstermann in Westbevern steigt Bernd Große Holling in den Overall und kümmert sich um die Schweine auf dem heimischen Hof. Foto: Günther Wehmeyer

„Wir standen vor vielen Jahren vor der Frage, ob wir den Hof mit umfangreichen Umbauten und Investitionen weiter ausbauen, oder ob wir den Betrieb als Nebenerwerbsbetrieb führen“, erzählt Egon Große Holling in Gespräch mit den WN. „Wir hatten damals 20 Kühe, und das reicht heute für ein Familieneinkommen nicht mehr aus.“ Deshalb sei die Entscheidung gefallen, dass sein Sohn eine andere Ausbildung als Landwirtschaft macht.

„Ich habe im Jahr 1994 habe eine Ausbildung als Metallbauer begonnen, und diesen Beruf übe ich heute noch aus“, beschreibt Egon Große Hollings Sohn Bernd seine derzeitige berufliche Situation. „Wir haben inzwischen die Milchviehhaltung aufgegeben und auf Schweinemast umgestellt, denn Milchviehhaltung ist als Nebenerwerb nicht machbar.“ Derzeit versorgt die Familie Große Holling rund 700 Mastschweine. Die werden mit etwa 25 Kilogramm übernommen und bis auf 120 Kilogramm zur Schlachtreife gebracht. Zur Schweinemast gehört auch noch der Ackerbau mit Weizen, Gerste und Mais als Tierfutter.

Landwirtschaft in Alverskirchen - die Serie

In aller Frühe aufstehen und bis zum Sonnenuntergang arbeiten, um die eigene Existenz zu sichern: Das Leben der Landwirte war über die Jahrhunderte ein schweres. Dazu kamen und kommen die Unwägbarkeiten des Wetters, das – wenn es unglücklich läuft – eine ganze Ernte und damit eine Existenz gefährden kann. Vor rund 100 Jahren arbeitete mehr als jeder dritte Erwerbstätige in der Landwirtschaft, heute sind es keine zwei Prozent mehr, wie man Zahlen des Statistischen Bundesamtes entnehmen kann. Parallel stieg durch den technischen Fortschritt und hoch effiziente Produktionsmittel die Produktivität rasant. Vor 100 Jahren lag der Ertrag beim Weizen pro Hektar bei 1 850 Kilogramm – heute sind es 7 330 Kilogramm. Bei den Kartoffeln stieg der Ertrag von 27 700 auf 62 900 Kilogramm. Ein Landwirt ernährte damals mit seiner Produktion durchschnittlich vier Personen, heute sind es laut Deutschem Bauernverband über 130. Landwirt zu sein, heißt heute viel Verantwortung zu tragen, mit immer neuen Vorgaben, Anforderungen und Herausforderungen klarzukommen, transparent zu arbeiten und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren. Am Beispiel ausgewählter Alverskirchener Höfe wollen die Westfälischen Nachrichten in den nächsten Wochen im Rahmen einer Serie ganz unterschiedliche Facetten rund ums Thema Landwirtschaft beleuchten.

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Und wie sieht ein Arbeitstag eines Landwirtes im Nebenerwerb aus? „Ich stehe um 5 Uhr auf, und meine Arbeitszeit bei der Firma Münstermann in Westbevern beginnt um 6 Uhr“, be-richtet Bernd Große Holling von seinem Tagesablauf. „Mein Vater kümmert sich morgens um die Schweine, und wenn ich gegen 15.30 Uhr zurück bin, übernehme ich die Stallarbeit und die Fütterung.“ Deutlich mehr als zwölf Stunden dauere schon sein Arbeitstag, räumt der Junior ein. „Das ist mir aber schon vor der Entscheidung, den Hof weiterzuführen, klargewesen.

Die Bewirtschaftung der Ackerflächen ist bekanntermaßen stark saison- und witterungsabhängig. Hierfür konnte Bernd Große Holling mit seinem Arbeitgeber eine Vereinbarung treffen, die ihm eine große Flexibilität ermöglicht. „Ich habe einen 75-Prozent-Job, arbeite aber in der Regel 40 Stunden“, verrät der junge Landwirt. „Ich sammle mir so ein Zeitkontingent an, das ich bei größerem Zeitbedarf auf dem Hof, wie beispielsweise in der Erntezeit, nutzen kann.“ In Abstimmung mit der Firma könne er dann auch mal eine oder zwei Wochen zu Hause bleiben.

Eine solche Vereinbarung mit einem Arbeitgeber ist nicht selbstverständlich, aber dafür steht Große Holling bei Engpässen in der Firma auch außerhalb seiner Regelarbeitszeit zur Verfügung. „Es ist ein gegenseitiges Nehmen und Geben, und damit komme ich derzeit gut zurecht“, lautet sein Resümee. Da seine Ehefrau auch berufstätig ist, freut er sich darüber, dass seine Eltern auf dem Hof die Stellung halten. Es sei wichtig, dass immer jemand vor Ort ist, denn so hätte beispielsweise ein Stromausfall wegen der nötigen Temperierung der Ställe fatale Auswirkungen. So lasse sich sein Beruf und die Nebenerwerbs-Landwirtschaft gut miteinander vereinbaren.

Fortsetzung folgt

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