Landwirtschaft ohne eigenen Hof: Laurenz Eismann verdient sich bei Kreikenberg die ersten Sporen
Am Anfang des eigenen Weges

Alverskirchen -

„Einfach so hereingewachsen“, ist der 16-jährige Laurenz Eismann in den Wunsch, eine Ausbildung zum Landwirt zu machen. Schon als Kind war er von Treckern fasziniert und ist angefangen, mit ihnen zu fahren. Dass der Familien-Hof nicht mehr existiert, ist für ihn kein Problem.

Samstag, 12.08.2017, 13:08 Uhr

Computer gehören heute auf einem Hof dazu. Der angehende Landwirt Laurenz Eismann weiß damit umzugehen. Die Kühe auf dem Hof Kreikenberg liegen ihm am Herzen.
Computer gehören heute auf einem Hof dazu. Der angehende Landwirt Laurenz Eismann weiß damit umzugehen. Die Kühe auf dem Hof Kreikenberg liegen ihm am Herzen. Foto: Jana Stumpe

Zu Hause hat er zwei Ziegen und mehrere Hühner. Zudem freut er sich auf die familiäre Atmosphäre, die ihm auf einem Hof in Nienberge voraussichtlich begegnen wird. Denn dort fährt er für ein einjähriges Praktikum hin, um sein Fach-Abitur im Bereich Agrarwirtschaft zu machen. Nur jedes zweite Wochenende plant er in die Heimat zu fahren. Um die Fachoberschulreife abzuschließen, geht er dann noch ein Jahr zur Schule. Die anschließende Ausbildung, die er plant, wird er deshalb um zwei Jahre verkürzen können.

Insgesamt kommen 30 bis 40 Prozent der Auszubildenden nicht aus Haushalten mit eigenem Hof, die meisten haben ihre ferneren Wurzeln jedoch, wie auch Laurenz Eismann, in diesem Bereich. Momentan arbeitet der 16-Jährige auf dem Hof Kreikenberg in Alverskirchen. Dort dreht sich alles um die Milchviehwirtschaft und das Melken von Kühen. Von zwei vertraut zahmen Kühen schwärmt der Auszubildende und streichelt sie. Ganz offensichtlich liegen ihm die Tiere besonders am Herzen. „Man sieht, wie ein Kalb langsam größer wird und wie es selbst zum ersten Mal Mutter wird.“

Landwirtschaft in Alverskirchen - die Serie

In aller Frühe aufstehen und bis zum Sonnenuntergang arbeiten, um die eigene Existenz zu sichern: Das Leben der Landwirte war über die Jahrhunderte ein schweres. Dazu kamen und kommen die Unwägbarkeiten des Wetters, das – wenn es unglücklich läuft – eine ganze Ernte und damit eine Existenz gefährden kann. Vor rund 100 Jahren arbeitete mehr als jeder dritte Erwerbstätige in der Landwirtschaft, heute sind es keine zwei Prozent mehr, wie man Zahlen des Statistischen Bundesamtes entnehmen kann. Parallel stieg durch den technischen Fortschritt und hoch effiziente Produktionsmittel die Produktivität rasant. Vor 100 Jahren lag der Ertrag beim Weizen pro Hektar bei 1 850 Kilogramm – heute sind es 7 330 Kilogramm. Bei den Kartoffeln stieg der Ertrag von 27 700 auf 62 900 Kilogramm. Ein Landwirt ernährte damals mit seiner Produktion durchschnittlich vier Personen, heute sind es laut Deutschem Bauernverband über 130. Landwirt zu sein, heißt heute viel Verantwortung zu tragen, mit immer neuen Vorgaben, Anforderungen und Herausforderungen klarzukommen, transparent zu arbeiten und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren. Am Beispiel ausgewählter Alverskirchener Höfe wollen die Westfälischen Nachrichten in den nächsten Wochen im Rahmen einer Serie ganz unterschiedliche Facetten rund ums Thema Landwirtschaft beleuchten.

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Aber auch die anderen Tätigkeiten seiner Arbeit genießt der angehende Auszubildende. „Man hat seine Ruhe, wenn man auf dem Acker fährt“, betont Laurenz Eismann. Ihm gefällt die Verbindung zur Natur. Als Landwirt sei man jedoch nicht nur Tier-Wirt und Treckerfahrer, auch um den Pflanzenschutz müsse man sich kümmern, was in den Bereich der Chemie hineingeht. Und im 21. Jahrhundert werden auch in der Landwirtschaft viele Dinge mit Hilfe von Computern gesteuert. Da ist technisches Verständnis gefragt. In manchen Fällen lerne man auch die Arbeit eines Tierarztes kennen. Die Landwirte müssen wissen, welche Tiere vielleicht krank sind. BUnd sie seien bemüht,bessere Bedingungen für die Tiere zu schaffen. Der Azubi möchte mit seiner Arbeit gleichermaßen den Menschen wie auch den Tieren dienen.

Der Tagesablauf während der Ausbildung und als Landwirt ist zwar klar strukturiert, jedoch niemals langweilig. „Mittags kann was dazwischenkommen, das ist nicht planbar“, erklärt der angehende Landwirt. Und so ist für ihn jeder Tag eine neue Herausforderung. Nicht ganz so gut gefallen ihm natürlich die frühen Arbeitszeiten. Dazu kommt, dass ein Landwirt nicht mal so einfach in den Urlaub fahren und alles stehen und liegenlassen könne. „Das Leben ist den Tieren verpflichtet“, und der eigene Hof liegt den Landwirten am Herzen. „Generationen haben ja einen Hof aufgebaut.“

Landwirte sind gezwungen, mit den Marktpreisen mitzuhalten. „Wenn man nicht mitzieht bleibt man auf der Strecke.“ Auch deshalb hat er eine klare Meinung dazu: Kein Tier sollte im Sonderangebot verkauft werden. Über positives Feedback, das Lorenz Eismann oft dafür bekommt, dass er für die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sorgt, ist er dankbar. Noch ist er sich nicht sicher, ob er später mal einen eigenen Hof haben oder vielleicht Teilhaber werden möchte. Er kann sich aber auch vorstellen, in der Futtermittelbranche zu arbeiten oder einen anderen Beruf zu erlernen, der mit der Landwirtschaft in Verbindung steht. Der Weg ist frei für Laurenz Eismann und seine Ideen für die eigene Zukunft.

Fortsetzung folgt

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