Kulturkreis besucht Annette-Gedenkstätten
Auf Tuchfühlung mit der Droste

Everswinkel -

Zum Abschluss der dreiteiligen Würdigung der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff stand für den Kulturkreis Everswinkel nun eine Halbtagesfahrt mit dem Bus zu zwei Annette-Gedenkstätten auf dem Programm.

Dienstag, 29.08.2017, 12:08 Uhr

Beeindruckende Einblicke in das Leben der Droste gewannen die Kulturkreis-Mitglieder auf Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus.
Beeindruckende Einblicke in das Leben der Droste gewannen die Kulturkreis-Mitglieder auf Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus. Foto: MGV

Aller guten Dinge sind drei – ein alter Spruch, dem Gerichtswesen entlehnt, heutzutage in vielen Lebenslagen benutzt, so auch in diesem Jahr vom Arbeitskreis Literatur im Kulturkreis Everswinkel. Es galt daran zu erinnern, dass die große Dichterin des Münsterlandes vor 220 Jahren auf Burg Hülshoff geboren wurde – aber auch daran, dass ihre Vorfahren vor 600 Jahren dem Vitusdorf den Rücken gekehrt hatten und ins westliche Münsterland umgesiedelt waren.

Dem doppelten Jubiläum hatte der Arbeitskreis Literatur bereits mit zwei erfolgreichen Veranstaltungen Rechnung getragen. Gleich zum Start im April gab es mit dem literarisch-musikalischen Dinner „Ein Abend mit Annette “ im Gasthof Arning ein echtes Schmankerl. Im Juni hielt Prof. Dr. Dr. h. c. Herbert Kraft, ein ausgewiesener Kenner der Literatur der Droste, einen sehr informativen Vortrag im Heimathaus. Zum Abschluss der dreiteiligen Würdigung der Dichterin stand nun eine Halbtagesfahrt mit dem Bus zu zwei Annette-Gedenkstätten auf dem Programm.

Zunächst besuchte die Gruppe Haus Rüschhaus, Mitte des 18. Jahrhunderts von dem berühmten westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun als Sommersitz für sich und seine Familie erbaut. Knapp einhundert Jahre später erwarb der Vater der Dichterin das Anwesen mit dem Gedanken, es als Altersruhesitz zu nutzen. 1826, nur ein Jahr später, starb er überraschend, und – der Familientradition entsprechend – verließen seine Witwe sowie die beiden Töchter Jenny und Annette die heimatliche Burg und zogen ins nahe gelegene Rüschhaus.

Obwohl das Haupthaus zur Gartenseite hin derzeit renoviert wird, konnten die meisten Räumlichkeiten unter der kenntnisreichen Führung durch Claudia Holze-Thier aus Everswinkel (für beide Seiten ein überraschendes Zusammentreffen) besichtigt werden. So lernten die Besucher in den Stallungen und in der Küche allerlei über das Alltagsleben der drei Droste-Damen und ihrer Bediensteten, warfen einen Blick in das so genannte „Italienische Zimmer“ und natürlich auch Annettes Refugium, von ihr liebevoll „Schneckenhäuschen“ tituliert.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer von dem im Gartensaal verborgenen Klappaltar, den bereits Schlaun eingebaut hatte.

Nach einem Bummel durch den Garten und einem Blick auf Jennys Gewächshaus verabschiedete sich die Gruppe von dem Ort, an dem Annette etwa zwei Jahrzehnte lang, unterbrochen durch mehrere längere Reisen, gewohnt und unter anderem „Die Judenbuche“ geschrieben hatte.

Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken im Burgkeller wurden die Besucher von Margit Dohrenbusch in einem Biedermeierkostüm in Burg Hülshoff, dem Geburtsort der Dichterin, begrüßt und während der versierten Führung durch die derzeit öffentlich zugänglichen Räume mit der durchaus komplexen Familiengeschichte der Droste-Hülshoffs vertraut gemacht. Launige Erläuterungen einiger Teilaspekte der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner wechselten mit Zitaten aus Briefen und Gedichten der Dichterin, so dass am Ende des Nachmittages ein großer Bogen gespannt worden war von der Umsiedlung eines Zweigs der Deckenbrocks aus Everswinkel Anfang des 15. Jahrhunderts bis hin zu den aktuellen Renovierungsmaßnahmen am und im Geburtshaus von einer der bedeutendsten Dichterinnen Deutschlands.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5109230?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Nachrichten-Ticker