Landwirtschaft im Generationswechsel: Besuch bei den Familien Lütke Holling und Rüping
Wenn die Zeit reif ist

Alverskirchen -

Eine Nachfolge für einen Familienbetrieb zu finden, ist bekanntlich manchmal nicht ganz einfach. Das dürfte sicher auch für Bauernhöfe gelten. Unter dem Aspekt „Landwirtschaft und Generationenwechsel“ haben sich die Westfälischen Nachrichten unter den Alverskirchener Bauerhöfen einmal umgeschaut und mit den Familien Lütke Holling und Rüping zwei Beispiele gefunden, bei denen die die ersten Weichen für eine Hofnachfolge gestellt worden sind.

Samstag, 02.09.2017, 19:09 Uhr

Zwei Generationen der Bauernhöfe Lütke Holling und Rüping (v.l): Beate, Norbert und Andre Lütke Holling und Christoph, Josef und Elke Rüping (v.l.).
Zwei Generationen der Bauernhöfe Lütke Holling und Rüping (v.l): Beate, Norbert und Andre Lütke Holling und Christoph, Josef und Elke Rüping (v.l.). Foto: Günther Wehmeyer

„Wir freuen uns riesig darüber, dass unsere Söhne sich für den Beruf des Landwirts entschieden haben“, betonen unisono die Eheleute Lütke Holling und Rüping gleich zu Beginn. „Es werden zwar noch einige Jahre ins Land gehen, aber für uns ist es schon mal eine Beruhigung, zu wissen, wie es weiter gehen kann.“ Beate Lütke Holling ist auf dem Hof Wiglinghoff in Telgte groß geworden, bevor sie mit Norbert Lütke Holling den Bund fürs Leben schloss. Das Ehepaar bewirtschaftet derzeit sowohl den Hof in Alverskirchen als auch den in Telgte.

Mit Milchwirtschaft, Schweinemast und Ackerbau mit Getreide und Grünland wird der Alverskirchener Hof bewirtschaftet. Auf dem Hof Rüping stehen die Milchwirtschaft und der Ackerbau im Vordergrund. Auf beiden Höfen bereiten sich die Söhne Andre Lütke Holling und Christoph Rüping auf eine mögliche spätere Hof-Übernahme vor. Christoph Rüping besucht derzeit die 10. Schulklasse. „Wenn ich in einem Jahr fertig bin, beginne ich eine Lehrstelle auf einem Hof in Hoetmar“, hat er sein Berufsziel fest im Blick.

Landwirtschaft in Alverskirchen - die Serie

In aller Frühe aufstehen und bis zum Sonnenuntergang arbeiten, um die eigene Existenz zu sichern: Das Leben der Landwirte war über die Jahrhunderte ein schweres. Dazu kamen und kommen die Unwägbarkeiten des Wetters, das – wenn es unglücklich läuft – eine ganze Ernte und damit eine Existenz gefährden kann. Vor rund 100 Jahren arbeitete mehr als jeder dritte Erwerbstätige in der Landwirtschaft, heute sind es keine zwei Prozent mehr, wie man Zahlen des Statistischen Bundesamtes entnehmen kann. Parallel stieg durch den technischen Fortschritt und hoch effiziente Produktionsmittel die Produktivität rasant. Vor 100 Jahren lag der Ertrag beim Weizen pro Hektar bei 1 850 Kilogramm – heute sind es 7 330 Kilogramm. Bei den Kartoffeln stieg der Ertrag von 27 700 auf 62 900 Kilogramm. Ein Landwirt ernährte damals mit seiner Produktion durchschnittlich vier Personen, heute sind es laut Deutschem Bauernverband über 130. Landwirt zu sein, heißt heute viel Verantwortung zu tragen, mit immer neuen Vorgaben, Anforderungen und Herausforderungen klarzukommen, transparent zu arbeiten und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren. Am Beispiel ausgewählter Alverskirchener Höfe wollen die Westfälischen Nachrichten in den nächsten Wochen im Rahmen einer Serie ganz unterschiedliche Facetten rund ums Thema Landwirtschaft beleuchten.

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Diesen Schritt hat Andre Lütke Holling bereits vollzogen. Jetzt zum 1. August hat der junge Mann seine Ausbildung auf einem Hof in Wolbeck begonnen. Andre Lütke Holling und Christoph Rüping bekunden beide, dass die „Arbeit“ als Kind auf den elterlichen Hof ihnen richtig Spaß gemacht habe, und dass sie deshalb diesen Beruf gerne gewählt hätten. Das gelte für die Kontakte mit den Tieren, aber auch für die Stallarbeit und die Arbeit auf den Feldern. „Nachdem ich anfangs auf dem Trecker nur mitfahren durfte, darf ich inzwischen schon mal selbst fahren“, erzählt Rüping junior nicht ohne Stolz.

Für beide jungen Leute gilt: Jeweils nach einem Jahr wird die dreijährige Ausbildung auf einem anderen Hof weitergeführt. Auch für die Zeit nach der Lehre haben die beiden die gleichen konkreten Vorstellungen. „Nach einem weiteren Praktikumsjahr möchten wir die Landwirtschaftsschule in Wolbeck besuchen und die mit der Berufsbezeichnung ,Staatlich geprüfter Landwirt‘ abschließen.“ Dieser Abschluss sei mit einer Meisterprüfung vergleichbar und befähige auch dazu, Betriebe zu führen und Landwirte auszubilden. Was in der Zeit nach der sechsjährigen Ausbildung geschieht, haben sich die Familien noch nicht festgelegt. „Wenn unsere Eltern noch fit sind, sammeln wir vielleicht noch ein paar Jahre Erfahrungen auf anderen Höfen“, beschreiben beide eine mögliche Option. „Eventuell gehe ich auch für eine Zeit ins Ausland“, kann sich Christoph Rüping vorstellen.

„Wenn die Zeit dafür reif ist, werden wir die Verantwortung in die Hände unserer Söhne legen“, bekunden Beate und Norbert Lütke Holling sowie Elke und Josef Rüping. „Aber auch danach werden wie wir, so lange wie wir es noch können, unsere Söhne bei der Führung des Hofes unterstützen.“ Auch für den Hof Wiglinghoff in Telgte sehen Beate und Norbert Lütke Holling eine mögliche Nachfolge: „Vielleicht übernimmt unsere Tochter Ute einmal den Hof“, haben sie auch dort einen Generationenwechsel im Blick.

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