Interview: Die Everswinkelerin Amelie Haupt bringt Ratgeber „Abi – und dann?“ heraus
„Du hast alle Zeit der Welt!“

Everswinkel -

Die Frage beschäftigt jedes Jahr eine neue Gruppe von Jugendlichen. Rund 400 000 sind es geschätzt bundesweit. Sie machen ihr Abitur und haken damit ihre Schullaufbahn endgültig ab. Und was dann? Die Frage beantwortet der eine Abiturient leichter für sich, der andere tut sich schwerer. Die heute 22-jährige Amelie Haupt hat 2013 ihr Abitur am Gymnasium Laurentianum in Warendorf gemacht und sich intensiv mit der Frage beschäftigt. Herausgekommen ist jetzt ein E-Book mit dem Titel „Abi – und dann?“, ein Ratgeber zur Orientierung für die Zeit nach dem Abitur.

Samstag, 25.11.2017, 12:20 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 25.11.2017, 12:12 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 25.11.2017, 12:20 Uhr
Amelie Haupt, hier auf dem Gelände der Everswinkeler Verbundschule, hat festgestellt, dass es für junge Leute keinen kompakten Ratgeber für die Zeit nach dem Abitur gibt. Also hat sie selbst einen erarbeitet und jetzt veröffentlicht.
Amelie Haupt, hier auf dem Gelände der Everswinkeler Verbundschule, hat festgestellt, dass es für junge Leute keinen kompakten Ratgeber für die Zeit nach dem Abitur gibt. Also hat sie selbst einen erarbeitet und jetzt veröffentlicht.

Es ist ein Komplettpaket, das die verschiedenen Möglichkeiten thematisiert, die sich nach dem Abitur eröffnen. WN-Redakteur Klaus Meyer befragte Amelie Haupt zu ihrem E-Book, das Schülern helfen soll, den Druck aus der schwierigen Entscheidungsphase nach dem Schulabschluss zu nehmen, und über ihren eigenen Weg.

Wie und wann ist die Idee für „Abi und was dann?“ seinerzeit entstanden?

Amelie Haupt: Ich bin seit einigen Jahren Redakteurin beim Online-Magazin seitenwaelzer.de. Das Magazin richtet sich an Studierende und alle, die es werden wollen. Wir schreiben zwar über alles, was uns interessant erscheint, aber ein Schwerpunkt lag stets auf die Frage ,Abi – und dann?‘. Auch wenn wir es damals noch nicht so genannt haben: Wir haben schon früh Artikel über unsere Studiengänge oder Auslandserfahrungen geschrieben, um Schülern einen Einblick ins Leben nach dem Abitur zu geben. Der Wunsch, ein E-Book zu schreiben entstand bei mir während eines Praktikums im Marketingsektor. Da habe ich gemerkt, dass es einen solchen Kompakt-Ratgeber noch nicht gibt und ich das Wissen aus meinem Psychologiestudium perfekt nutzen konnte.

Basiert dieser Leitfaden auf eigenen Erfahrungen bzw. was war für Sie die Grundlage?

Haupt: Ich persönlich hatte ziemlich schnell einen Plan, was ich nach dem Abitur machen wollte. Bei vielen meiner Freunde und Freundinnen sah das anders aus: Nicht wenige haben ihr Studium anschließend abgebrochen, weil es einfach nicht zu ihnen passte. Also habe ich mich gefragt, wie findet man heraus, was man nach dem Abi wirklich machen will, um künftigen Schülern zu helfen.

Angeblich lesen junge Leute heute kaum noch Bücher. Welches Rezept haben Sie, dass das bei Ihrem Werk anders ist?

Haupt: Bücher sind teuer, analog und umständlich in der Beschaffung. Junge Menschen sind da einfach pragmatisch! Viel wichtiger ist die Frage, ob junge Leute lesen. Und ja, das tun sie! Blogs, Instagram-Posts oder Whatsapp-Nachrichten sind schließlich auch Schriftmedien. Da lag die Idee mit einem E-Book nahe. Außerdem habe ich mich knapp gehalten: Das Buch umfasst 15 000 Wörter, und man fliegt nur so durch die Kapitel. In der Kürze liegt die Würze. Ich schätze, diese Lebensweisheit passt gut zum Medienkonsum unserer Generation.

Welche Hilfestellungen bieten Sie denn konkret dem jugendlichen Leser?

Haupt: Der Ratgeber soll einen Überblick verschaffen und Ängste nehmen. Bei 350 Ausbildungsberufen, 9 000 Studiengängen und zahllosen Möglichkeiten für ein Gap-Year muss erst einmal Ordnung in das Chaos gebracht werden. Dabei kommt auch schnell ein Gefühl des Verpassens auf: Wenn ich mich für eine Option entscheide, entscheide ich mich automatisch gegen tausend andere Optionen. Das macht Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Diese Angst vor der ,falschen Entscheidung‘ möchte ich nehmen.

Wie lange haben Sie daran gearbeitet, wie aufwendig war die Recherche?

Haupt: Alles in allem hat der Prozess acht Monate gedauert. Ich habe Inhalte aus meinem Studium mit einfließen lassen, die natürlich noch sehr frisch waren. Das ging mir recht leicht von der Hand. Zu meiner eigenen Überraschung musste ich sehr tief in die Recherche gehen, um auf den Punkt zu bringen, was eigentlich der Unterschied zwischen Studium, Ausbildung und dualem Studium ist und wo die genauen Vor- und Nachteile liegen.

Sie haben das Abitur hinter sich und Everswinkel verlassen. Wie erging es Ihnen denn damals, und wie sah Ihr weiterer Weg aus?

Haupt: Ich habe 2013 mein Abitur am Laurentianum in Warendorf gemacht und bin im Anschluss für ein paar Monate nach Madrid gegangen, um dort als Au Pair zu arbeiten, eine Sprachschule zu besuchen und zu reisen. Ich bin jetzt 22 Jahre alt und frische Bachelor-Absolventin. Mein Studienfach nannte sich ,Psychology und Management‘, besser bekannt unter dem Begriff Wirtschaftspsychologie. Studiert habe ich in Köln. Derzeit befinde ich mich auf Reisen in Mittelamerika. Am 7. Oktober bin ich nach Kuba geflogen, jetzt bin ich in Mexiko unterwegs und dann geht es durch Zentralamerika in Richtung Südamerika. Der Rückflug ist noch nicht gebucht – mal schauen, wann ich wiederkomme.

Wenn Sie einer Abiturientin oder einem Abiturienten des nächsten Jahres 2018 heute drei wesentliche Tipps mit auf den Weg geben würden - welche wären das?

Haupt: Erstens: Mach ein Jahr Pause. Egal ob als Bufdi in der Volkshochschule oder Brunnen bauen in Guatemala: Du wirst so viele wertvolle Erfahrungen machen, die Du später nicht missen möchtest, wenn du sie erst gemacht hast! Zweitens: Keine Eile. Du bist gerade mal 17, 18, 19 Jahre alt, wenn Du Dein Abitur machst und musst nicht schon mit spätestens 23 ins Berufsleben einsteigen. Du verlierst keine Zeit, wenn Du mal eine längere Reise machst, ein Gap-Year oder das Studium wechselst. Du hast alle Zeit der Welt! Drittens: Informiere Dich: Gehe auf Messen, besuche Hochschulen, lese Blogs. Angst vor der Ungewissheit zu haben, ist ganz normal. Aber je mehr Du Dich informierst, desto besser kannst Du Dir dein Leben nach der Schule vorstellen und desto weniger gruselig und groß erscheint die Zukunft.

► Das E-Book „Abi - und dann?“ ist bei Amazon für 5,99 Euro erhältlich.

Infos unter: https://seitenwaelzer.de/abi/#buy

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