Jazzpoeten spielen vor kleiner Kulisse
Humorvoll und überraschend

Alverskirchen -

Einen stimmungsvoll gestalteten Spielort, adventlich geschmückte Tische mit Kleinigkeiten zum Knabbern, ein ansprechendes Getränkeangebot – all das hatte das Organisationsteam um Hartmut „Happu“ Krenz vorbereitet.

Montag, 11.12.2017, 11:12 Uhr

Die Jazzpoeten (v. l.) Volker Rasch (Jazzpiano), Mano Kösters (Gesang), Jan Kobrzinowski (Kontrabass)
Die Jazzpoeten (v. l.) Volker Rasch (Jazzpiano), Mano Kösters (Gesang), Jan Kobrzinowski (Kontrabass) Foto: Susanne Müller

Bedauerlich, dass nicht mehr Besucher sich am Samstagabend auf den Weg ins Alverskirchener Pfarrheim gemacht hatten. Möglicherweise war der Everswinkler Weihnachtsmarkt mit seinem ebenfalls musikalischen Programm für den einen oder anderen reizvoller. Verdient gehabt hätten es die Organisatoren und vor allem die Künstler allemal, gelang ihnen doch ein rundum gelungenes Konzerterlebnis.

Die Jazzpoeten aus Münster, nicht zum ersten Mal in Alverskirchen und auch bereits zweimal in Everswinkel zu Gast, boten erneut sanften, deutschsprachigen Jazz in angenehmer Lautstärke. Fast alle Texte der Lieder stammen aus der Feder des Pianisten Volker Rasch , viele davon sind ihm im Urlaub beim Wandern auf La Gomera eingefallen: „Stehen bleiben, Notiz machen, weiter gehen.“ Bei etwa der Hälfte der Stücke hat er auch die Musik komponiert; die anderen sind Jazz-Traditionals oder neu arrangierte Pop-Stücke.

Schon der erste Song „Für Frauen ist das kein Problem“, ein von Max Raabe und Annette Humpe geschriebener Ohrwurm, deutete die Richtung an: alles drehte sich um das „ewige“ Thema Mann und Frau. Melancholische Lieder wie das „Ich atme ein, ich atme aus“ von Roger Cicero oder „Der Schleier fiel von meinen Augen“ zur Melodie von „Autumn Leaves“ waren eher die Ausnahme. Zum überwiegenden Teil präsentierte das Trio humorvolle Stücke, die gelegentlich mit einem Überraschungseffekt endeten. Hatte Paul Simon zum Beispiel von „Fifty Ways to Leave your Lover“ gesungen, gab Mano Kösters in der deutschen Version von Volker Rasch „15 Tipps, mich zu behalten“ weiter. Bei „Alarm, die Jacqueline ist jetzt paarungsbereit“ machte sich der Mann am Piano sogar akustisch zum Affen, und später wurde auch das Publikum zum Mitmachen animiert: mit kleinen, zuvor verteilten Schellen konnte es den Refrain des amüsanten Songs „Dich schickt der Himmel“ begleiten.

Aber die Jazzpoeten können auch augenzwinkernd böse sein, wenn sie dem Gegenüber „20 IQ“ anbieten, damit beide auf dem gleichen Niveau sind, oder dessen Humor testen: „Hallo Sie, darf ich Sie mal fotografieren, meine Mutter würd‘ sich für Sie interessieren.“ Das Stück von Beatrice Egli „Zum Teufel mit dir“ leitete das Ensemble mit den Worten ein: „Sie können uns für verschiedene Anlässe buchen, wir sind nicht so teuer, buchen Sie uns für Ihre Scheidungsfeier.“

Die Musiker wurden nicht entlassen ohne eine Zugabe, und die entpuppte sich als ein furioses Finale, bei dem sie nochmals alle Register ihres Könnens zogen – „Ich hab‘ geträumt“ stand am Ende eines äußerst kurzweiligen Wohnzimmerkonzerts in behaglicher Atmosphäre.

Für alle, die die Veranstaltung in Alverskirchen versäumt haben, hier die nächsten Auftrittstermine des Trios: Samstag, 30. Dezember, um 21 Uhr im Hot Jazz Club Münster (Sonderveranstaltung: Die Jazzpoeten XXL) und am Sonntag, 14. Januar, um 18 Uhr im Crêperie du Ciel Münster.

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