Schatzkammerverein besichtigt Dom-Uhr
Ursprüngliches sichtbar gemacht

Alverskirchen/Münster -

Treten zwölf Uhr mittags die Figuren der Heiligen Drei Könige aus ihrem Türchen hervor und verneigen sich bei ihrem Rundgang vor Maria und dem Jesuskind, dann fasziniert das nicht nur Kinder. Auch viele Erwachsene zieht das Figurenspiel, das sich täglich im Giebel-Stockwerk der Astronomischen Uhr im Dom zu Münster abspielt, in ihren Bann. Über ein Jahr lang konnten Besucher des Paulus-Doms dieses Spektakel nur auf einem Video im südlichen Chorumgang betrachten. Der Grund: Restaurierungsarbeiten an dem fast 30 Quadratmeter großen Kunstobjekt, das knapp 480 Jahre alt ist.

Donnerstag, 21.06.2018, 16:34 Uhr

Den Ausklang fand die Veranstaltung in einer Besichtigung der Astronomischen Uhr im Dom selbst, vor der Marita Schlüter und Wolfgang Hack weitere Fragen der interessierten Zuhörerschaft beantworteten.
Den Ausklang fand die Veranstaltung in einer Besichtigung der Astronomischen Uhr im Dom selbst, vor der Marita Schlüter und Wolfgang Hack weitere Fragen der interessierten Zuhörerschaft beantworteten.

Maßgeblich an diesen Arbeiten beteiligt war die Diplom-Restauratorin Marita Schlüter aus Everswinkel. Auf Einladung des Fördervereins der Schatzkammer St. Agatha Alverskirchen berichtete sie jüngst über ihre spannende Restaurierungsarbeit an der außergewöhnlichen Uhr. Zuvor brachte Uhren-Kenner Wolfgang Hack aus Alverskirchen den knapp 30 Teilnehmern der Veranstaltung die Funktionen des Uhrwerks näher. Und das war durchaus keine leichte Kost. Denn die Astronomische Uhr ist nicht nur ein künstlerisches, sondern bis heute ein technisches Meisterwerk.

Die 7,8 Meter hohe Uhr besteht aus drei Teilen und soll 1540 bis 1542 von Dietrich Tzwyvel, einem Buchdrucker mit guten mathematischen Kenntnissen, einem Dom-Prediger und einem Schlosser erbaut worden sein. Ludger tom Ring bemalte das Uhrgehäuse aus Eichenholz mit Hilfe seines Sohnes Hermann. Ein Porträt von sich und einem Sohn verewigte er im oberen Teil des Giebels. Der untere Teil besteht aus einem Kalendarium hinter einem gotischen Gitter und war bislang nicht Bestandteil der Restaurierungsarbeiten. Das Kalendarium ist eine Scheibe, die sich im Laufe des Jahres einmal um ihre Mitte dreht. An ihr lassen sich für 532 Jahre Datum, Namenstag, Tagesspruch und Festtage ablesen. Und das bis zum Jahr 2071. Für die Berechnung der Wochentage und des Ostertermins, der stets am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert wird, ist das allerdings nur noch mit zusätzlichen Berechnungen möglich, erklärte Hack. Der Grund liegt in der Kalenderreform von Papst Gregor XIII, die 1582 die Regelung der Schaltjahre änderte.

Bild aus der intensiven Zeit der Restaurierung. Rechts im Bild Restauratorin Marita Schlüter.

Bild aus der intensiven Zeit der Restaurierung. Rechts im Bild Restauratorin Marita Schlüter. Foto: Oliver Werner

Über dem Kalendarium hängt die eigentliche Uhr. Ihr Zifferblatt hat einen Durchmesser von rund drei Metern und war viele Monate der Arbeitsplatz von Restauratorin Marita Schlüter und ihrem Team. Auffällig ist nicht nur ein 24-Stunden-Zifferblatt, es zählt auch entgegen dem heutigen Uhrzeigersinn links herum. Vor dem Ziffernblatt laufen sieben Zeiger für fünf Planeten sowie Mond und Sonne. Der Sonnenzeiger gibt die aktuelle Zeit an und weist auf das für das Datum geltende Tierkreiszeichen.

Damit Marita Schlüter und ihr Team aktiv werden konnten, mussten die Zeiger abmontiert werden ebenso wie die 110 Kilogramm schwere Scheibe im Zentrum der Uhr, auf der die Tierkreiszeichen und einige Fixsterne zu sehen sind und die sich vor einer Weltkarte dreht. Erst dann konnten die Restauratoren beginnen, mit dem Wattestäbchen und dem Skalpell alte vergilbte Firnisse vorsichtig abzunehmen. Im Zentrum des Zifferblattes entdeckten die Experten mit Hilfe von Röntgenaufnahmen eine kleine Sensation: „Wir konnten unter der Weltkarte von 1670 tatsächlich noch die Originalbemalung von 1542 finden, die einen Sternenhimmel darstellt“, berichtete Schlüter. Diese Tatsache ist für Kunsthistoriker und Uhrenkenner von großer Bedeutung.

Pünktlich zum Katholikentag im Mai waren auch die Retuschierarbeiten mit feinsten Pinseln an den Malereien aus der Renaissance und die Arbeiten an den insgesamt zehn zugehörigen Skulpturen beendet. Wer denkt, die Astronomische Uhr sei dabei lediglich „nur wieder schön angemalt“ worden, der irrt jedoch. „Bei unserer Arbeit geht es stets darum, die ursprüngliche Qualität wieder sichtbar zu machen“, sagte Expertin Schlüter. Bereiche, die rekonstruiert werden mussten, seien als solche vom Fachmann leicht zu erkennen und auch jederzeit gefahrlos fürs Original wieder abzunehmen.

Die Besuchergruppe an der restaurierten Dom-Uhr.

Die Besuchergruppe an der restaurierten Dom-Uhr.

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