Integrationspreis des Bundesinnenministeriums für die Gemeinde Everswinkel
Ein preiswürdiger Integrationsweg

Everswinkel -

Der Bürgermeister und der Amtsleiter für Ordnung, Schule, Kultur und Soziales in Berlin im Bundes-Innenministerium. Das klingt fast nach Notfall-Einsatz im Asyl-Streit zwischen CDU und CSU. Möglicherweise hätten Sebastian Seidel und Thomas Stohldreier da sogar wichtige Erkenntnisse beisteuern können, doch der Ausflug an die Spree hatte einen anderen Anlass. Die Gemeinde Everswinkel ist nämlich preiswürdig in Sachen Integrationsarbeit – und zwar bundesweit gesehen.

Donnerstag, 05.07.2018, 07:42 Uhr

Preisverleihung im Berliner Innenministerium: Staatssekretär Dr. Markus Kerber überreichte Bürgermeister Sebastian Seidel und Sozialamtsleiter Thomas Stohldreier (v.l.) die Auszeichnung im Rahmen einer zentralen Feierstunde. Am Freitag wird mit allen Unterstützern der Integrationsarbeit aus der Vitus-Gemeinde im Haus der Generationen gefeiert.
Preisverleihung im Berliner Innenministerium: Staatssekretär Dr. Markus Kerber überreichte Bürgermeister Sebastian Seidel und Sozialamtsleiter Thomas Stohldreier (v.l.) die Auszeichnung im Rahmen einer zentralen Feierstunde. Am Freitag wird mit allen Unterstützern der Integrationsarbeit aus der Vitus-Gemeinde im Haus der Generationen gefeiert. Foto: Foto Credit

In jenem Ministerium, in dem Horst Seehofer derzeit für so viel Aufsehen sorgt, hat Everswinkel für eine positive Schlagzeile gesorgt und ist mit dem Integrationspreis des Ministeriums ausgezeichnet worden. Und da Seehofer mit bekannten anderen Dingen beschäftigt war, nahmen Seidel und Stohldreier die Auszeichnung aus den Händen von Staatssekretär Dr. Markus Kerber entgegen. Neben reichlich Ehre für eine vorbildliche Integrationsarbeit in der Vitus-Gemeinde gibt es auch eine zählbare Würdigung: 25 000 Euro.

„Es ist ein toller Erfolg, den wir nur aufgrund des Engagements der zahllosen ehrenamtlich Tätigen sowie der hervorragenden Arbeit der gemeindlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weit über das Normalmaß hinaus erreicht haben“, freut sich Bürgermeister Seidel über die Auszeichnung. „Bei der Flüchtlingsintegration haben alle an einem Strang gezogen und damit bewiesen, wie weltoffen unsere Gemeinde ist und was wir zu leisten im Stande sind.“

Die Begründung der Jury für die Auszeichnung Everswinkels

Das Bundesinnenministerium würdigt das Engagement der am Wettbewerb beteiligten Kommunen auf dem Gebiet der Integrationsarbeit. Die Wettbewerbsbeiträge zeigten eine beeindruckende Bandbreite an Konzepten, Projekten und Maßnahmen, mit der sich Kommunen „innovativ und kreativ für gutes Zusammenleben und eine nachhaltige Integration engagieren“. Dabei würden viele verschiedene Partner zusammenarbeiten. Partizipation und ehrenamtliches Engagement seien fester Bestandteil nahezu aller Beiträge. In der Begründung der Prämierung der Gemeinde Everswinkel heißt es seitens der Jury: „Everswinkel zeigt ein umfassendes Verständnis von Integration als Aufgabe aller (des ganzen Dorfes). Mit breiter politischer Unterstützung durch den Bürgermeister und alle politischen Fraktionen werden die Vorteile einer kleinen Kommune genutzt – nämlich kurze und schnelle Informationswege und dass sich die Akteure vor Ort kennen, um so die Integration der geflüchteten Menschen zu unterstützen. Darüber hinaus gibt es einen großen Kreis an Ehrenamtlichen, die in einer Vielzahl von Aktivitäten mitwirken. Hinter den Integrationsanstrengungen stehen klar formulierte Ziele, damit ,die geflohenen Menschen bei uns in der Gesellschaft ankommen, um ein ‚normales‘ Leben führen zu können‘ (aus dem Wettbewerbsbeitrag). Zugleich wird die ortsansässige Bevölkerung ,mitgenommen‘, um die Situation der Flüchtlinge zu verstehen und sie bestenfalls zu motivieren, bei der Flüchtlingsarbeit mitzuhelfen. Es wird ein beachtliches und breites Angebot an Maßnahmen vorgelegt, das von Kinderbetreuung, über Sprachkurse, Nähkurse mit Kinderbetreuung, Fahrradwerkstatt, Angebote der Vereine bis zur Aufnahme in die Feuerwehr und die Mitwirkung im Blasorchester reicht. Die Angebote werden vielfach von Ehrenamtlichen verantwortet, in der Breite sprechen sie alle Altersgruppen und Geschlechter an. Offensichtlich gut funktionieren auch Vernetzung und Transfer von Aktivitäten. Der Austausch mit dem Kreis Warendorf, die Übernahme von Projekten anderer Kommunen, die Fortbildung der Beteiligten sowie die Information anderer Gemeinden über die eigenen Aktivitäten belegen das Interesse, die Integration gelingen zu lassen, Kräfte zu bündeln, sich weiter zu entwickeln und die eingeschlagenen Wege auch immer wieder zu überprüfen und zu verbessern.“

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Der Bundeswettbewerb „Zusammenleben Hand in Hand – Kommunen gestalten“ wurde zum 12. Juni vergangenen Jahres gestartet. Insgesamt gingen142 Wettbewerbsbeiträge ein. Everswinkel beteiligte sich unter dem Titel „Gelingende Integration braucht ein ganzes Dorf – Wir leben Integration“. Dieser Titel spiegele nicht nur Ideen und Ziele wider, sondern sei „spätestens seit dem Herbst 2015 gelebte wechselseitige Integration“, machte Amtsleiter Stohldreier seinerzeit im Anschreiben an das Wettbewerbsbüro deutlich. „Wir sind stolz auf das, was wir hier im Ort in den letzten zwei Jahren geschaffen haben und gespannt auf das, was noch kommen wird.“ Das Engagement auf diesem Feld in der Gemeinde basiere auf einem „gut gelingenden Zusammenspiel von ehrenamtlichen Kräften und hauptamtlichem Personal“.

In dem Dokumentations- und Konzeptpapier wird die Ausgangslage seinerzeit in Everswinkel beim Einsetzen des Flüchtlingsstroms aufgezeigt, und es werden die Ziele, Maßnahmen und das Erreichte der Integrationsbemühungen in den Bereichen Wohnen, Leben, Arbeit, Sprache und Bildung bilanziert, die mit zahlreichen Beteiligten angegangen wurden und werden. Dazu zählen neben der Gemeindeverwaltung selbst natürlich die Flüchtlings-Initiative Everswinkel und zahlreiche Bürger, die die KiTas und Schulen, die Kirchen, örtliche Vereine und Verbände sowie ferner Ausländeramt, Gesundheitsamt, Jugendamt, die Agentur für Arbeit, Migrationsberatungsstellen und politische Gremien.

„Als die Flüchtlingszuweisungen auch in die Gemeinde Everswinkel deutlich stiegen, war allen Beteiligten sofort klar, dass nicht allein die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen darf. Die Integration in die Gesellschaft, das Erlernen der deutschen Sprache, die Betreuung der Kinder in den KiTas, die Beschulung der Kinder in den örtlichen Grundschulen und der Verbundschule, die Begegnung bei Veranstaltungen, Aktivitäten in den Vereinen und vieles mehr gehört für uns in Everswinkel zu einer guten Integration dazu“, heißt es einleitend in dem Wettbewerbsbeitrag. Zur Bündelung der Kräfte und für die nötige Transparenz von Haupt- und Ehrenamt beschloss der Familien- und Sozialausschuss im September 2015 die Bildung einer Arbeitsgruppe mit Vertretern aller gesellschaftlichen Gruppen. So sollten die Vorteile einer überschaubaren Kommune mit kurzen Wegen und guter kommunikativer Vernetzung genutzt werden. „Gute Integration benötigt also ein ganzes Dorf. So entstand der ,Everswinkler Integrationsweg‘“. Ein Wettbewerbsbeitrag, der nun in der Kategorie „Hervorragende strategische Aktivitäten“ zu den Preisträgern zählt.

Das Preisgeld von 25 000 Euro will die Gemeinde passend einsetzen. „Für das Haus der Generationen, Dreh- und Angelpunkt der Integrationsarbeit, soll eine Küche beschafft werden. Des Weiteren wird es eine Fortsetzung der Informationsbroschüre geben, die die Gemeinde im vergangenen Jahr an alle Haushalte verteilt hat“, erklärt Amtsleiter Stohldreier.

Für den Bürgermeister ist klar, dass man dieses Integrations-Engagement nicht mit Geld aufwiegen könne. „Aber wir wollen diese Auszeichnung feiern.“ Alle, die in irgendeiner Weise die Integration von Geflüchteten unterstützen oder unterstützt haben, sind daher zu einem Dankeschön-Nachmittag am Freitag, 6. Juli, um 15 Uhr ins Haus der Generationen eingeladen.

Infos zum Wettbewerb und zum Beitrag Everswinkels unter:

 

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