Everswinkeler Verbundschule beeindruckt in Düsseldorf
Lebensnah auf Zukunft vorbereiten

Everswinkel -

Die Schule ist bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Positiv, wohlgemerkt. Bis nach Düsseldorf reicht der gute Ruf der Everswinkeler Verbundschule, die unter der alten rot-grünen Landesregierung eigentlich gemäß Schulkonsens von 2011 nach dem Schuljahr 2019/2020 jahrgangsweise ausgelaufen und durch eine Sekundarschule ersetzt worden wäre. Inzwischen ist die Landesregierung aber schwarz-gelb, und der bildungspolitische Wind hat sich gedreht. Die Verbundschule hat offenbar eine Zukunft.

Donnerstag, 19.07.2018, 15:52 Uhr

Die Verbundschule Everswinkel ist eine Erfolgsgeschichte, die bis zur Landesregierung in Düsseldorf ausstrahlt. Zum Start vor neun Jahren zog man nicht nur symbolisch an einem Strang und freute sich über die gemeisterte erste Anmeldephase.
Die Verbundschule Everswinkel ist eine Erfolgsgeschichte, die bis zur Landesregierung in Düsseldorf ausstrahlt. Zum Start vor neun Jahren zog man nicht nur symbolisch an einem Strang und freute sich über die gemeisterte erste Anmeldephase. Foto: Klaus Meyer

„Es zeichnet sich ab, dass wir eine Bestandsgarantie für die Verbundschule haben“, fasste Bürgermeister Sebastian Seidel am Montagabend im Schulausschuss die derzeitigen Aktivitäten in der Landesregierung sowie das jüngste Gespräch mit Schulministerin Yvonne Gebauer zusammen. „Wir haben maßgeblich an den richtigen Türen geklopft.“

In einem gemeinsamen Antrag haben CDU- und FDP-Fraktion Anfang Juni unter anderem beantragt, „die Möglichkeiten eines Hauptschulbildungsgangs an Realschulen dort dauerhaft zu sichern, wo es für die Aufrechterhaltung eines leistungsfähigen Hauptschulangebots erforderlich ist“ – und dies bereits ab dem 5. Jahrgang und mit der notwendigen personellen Ausstattung. Ministerin Gebauer habe der Gemeindeverwaltung signalisiert, dass es ihr wichtig sei, dass erfolgreiche und akzeptierte Systeme auch in Zukunft Bestand hätten – und die Verbundschule Everswinkel gehöre dazu. „Wir haben hier ein sehr gut funktionierendes System, und das wollen wir erhalten“, betonte Schulamtsleiter Thomas Stohldreier im Ausschuss.

Die Verbundschule geht nach den Ferien ins zehnte Jahr. Es ist die letzte öffentliche Realschule im Kreis Warendorf und die einzige Hauptschule in der Nähe. 208 Hauptschüler – davon 120 aus vier Nachbargemeinden – und 348 Realschüler – davon 146 aus fünf Nachbarkommunen – füllen das Verbundsystem zusammen mit dem engagierten Lehrkörper mit Leben. „Wir haben zwei Schulformen und eine Schule“, so Stohldreier, der auf den Elternwillen hinsichtlich eindeutiger Bildungsgänge verwies, die bewährte Durchlässigkeit im System und die Kooperationen mit den Gymnasien in Warendorf hervorhob und auf die besondere Vernetzung der Schule mit der heimischen Wirtschaft und nun auch mit der Kreishandwerkerschaft (die WN berichteten) abhob.

Unter dem Slogan „fair.bunt.praxis“ soll die ohnehin schon traditionell gute Verbindung zu Betrieben weiter intensiviert werden. Plastisch und lebensnah würden die Schüler künftig schon ab der 5. Klasse ans Thema Beruf im Allgemeinen und an das Handwerk im Besonderen herangeführt, wie Schulleiter Hubertus Kneilmann erläuterte. Sechs verschiedene Module – „Holz und Co“, „Haushalt und Ernährung“, Natur und Erleben“, „Gestaltung und mehr“, „Metall und Elektro“ sowie „Soziales Miteinander“ – mit jeweils 16 Doppelstunden, verteilt auf vier Blöcke in einem Halbjahr und mit Gruppen in der Größe einer halben Klasse böten lebensnahe Orientierung. Das Konzept soll laut Kneilmann nun in die intensive Planungsphase kommen.

Die Schüler sollen ab der 10 Klasse „einen Plan davon haben, wie es weitergehen kann“, fasste Stohldreier das Oberziel zusammen. Von den 94 Schulabgängern dieses Jahres „machen nur 22 eine Ausbildung“, die anderen gehen weiter zur Schule und sind sich über die weitere Zukunft noch nicht im Klaren, zeigte Kneilmann auf. „Das ist ein Riesenproblem“, hakte Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf ein. Viele Absolventen wüssten nicht, was sie machen sollen, gingen erst mal weiter zur Schule – und warten. Das könne in einer „bösen Warteschleife“ münden. Tischner freut sich auf die Kooperation mit der Verbundschule, die über besondere Strukturen und viel Substanz verfüge. Hier gebe es „Leidenschaft gepaart mit viel Engagement“. Ziel sei es, „dass die Jugendlichen ihr Talent entwickeln“. Es gehe darum, Berührungsängste abzubauen, Handwerk erlebbar zu machen und um den „Startschuss für ein spannendes späteres Berufsleben“.

Schulministerin Gebauer hat dieses Konzept überzeugt. In einem Schreiben vom 6. Juli, in dem sie sich für das offene, informative Gespräch bedankt, resümiert sie: „Nach Prüfung der vorliegenden Unterlagen in unserem Haus und einer Nachfrage in der Schule halten wir das Projekt zur Berufsorientierung für zielführend und sehr lebensnah.“ Sie habe die Bezirksregierung Münster gebeten, „dieses interessante Projekt zu begleiten“.

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