Medienentwicklungsplan für die Schulen
Dickes Paket für die „digital natives“

Everswinkel -

Digitalisierung ist das große Thema dieser Zeit. Was einmal in kleinen Zimmerchen von IT-Spezialisten seinen Ausgang nahm und einen radikalen Umbruch in der Art der Kommunikation und des Datenaustausches einleitete, hat inzwischen auch längst die Schulen erreicht. Hinter dem nüchtern klingenden Namen „Medienentwicklungsplan 2018“ verbirgt sich praktisch eine technische Revolution für die Schullandschaft der Gemeinde.

Freitag, 13.07.2018, 07:50 Uhr

Blick in einen Unterrichtsraum der Verbundschule. Die Gemeinde nimmt nun richtig Geld in die Hand, um bis 2020 alle Klassenräume der drei gemeindlichen Schulen in die digitale Welt zu bringen.
Blick in einen Unterrichtsraum der Verbundschule. Die Gemeinde nimmt nun richtig Geld in die Hand, um bis 2020 alle Klassenräume der drei gemeindlichen Schulen in die digitale Welt zu bringen. Foto: Klaus Meyer

Es gehe darum, „die Medienentwicklung an unseren Schulen auf ganz andere Beine zu stellen – auf digitale Beine“, erklärte Schulamtsleiter Thomas Stohldreier jetzt im Schulausschuss. Nach vielen Gesprächen mit den drei gemeindlichen Schulen, nach Besuchen in Münster und anderen Orten, um sich mit der Digitalisierung von Schulen zu beschäftigen, „wollen wir das jetzt sehr konkret umsetzen“.

Auslöser für den Ausbau der IT-Infrastruktur an den Schulen ist auch das Schulgesetz des Landes. Paragraf 79 regelt, dass Schulträger die Schulen „mit einer am Stand der Technik orientierten IT-Infrastruktur auszustatten“ haben – nicht zum Selbstzweck, sondern unter dem Vorrang der Pädagogik. Beachtliche 70 000 Euro will die Gemeinde in drei Schritten bis 2020 investieren, um die beiden Grundschulen und die Verbundschule auf ein neues technisches Level zu heben. „Fit for the future“ sozusagen. Das Konzept wurde einstimmig vom Ausschuss abgesegnet.

Grundbaustein für dieses Unterfangen ist eine leistungsstarke und zukunftssichere Netzinfrastruktur. WLAN ist dabei das zentrale Stichwort. Mit dem neuen Glasfasernetz in der Gemeinde ist dafür die wesentliche Voraussetzung geschaffen. Alle Unterrichtsräume sollen WLAN-fähig werden. In der Verbundschule ist dazu in jedem Raum ein Accesspoint (Sender/Empfänger für Datenaustausch im Funknetzwerk) vorgesehen, insgesamt 49 an der Zahl. Für die Grundschule in Everswinkel sind zunächst 17 geplant, für die Grundschule Alverskirchen fünf.

Die Unterrichtsräume sollen ferner – soweit noch nicht vorhanden – mit großen Präsentationsmedien ausgestattet werden, sprich interaktiven Smartboards, Beamern, Großbildschirmen. Dazu kommen Dokumentenkameras, insgesamt 40 für die drei Schulen. Solche Kameras verbinden die Vorteile einer Videokamera mit denen einer Webcam und eines Overheadprojektors und machen analoge Medien sowie Objekte sofort digital sichtbar. „Der Tageslichtschreiber hat ausgedient“, verdeutlichte Stohldreier. Als Arbeitsmittel wird eine einheitliche Standard-Software dienen, sprich Microsoft-Produkte wie Windows und Office. „Wir möchten eine Optik haben, die auf allen Rechnern gleich ist“, zudem seien die Kenntnisse mit diesem Betriebssystem und den Anwendungen von Vorteil für die Schüler beim späteren Übergang zu einer weiterführenden Schule oder ins Berufsleben.

Ein weiterer Baustein der Digitalisierung ist die Einrichtung von Web- und Cloud-Lösungen, die es beispielsweise ermöglichen, dass Schüler damit auch zu Hause arbeiten und etwa Präsentationen abspeichern und über die Cloud in der Schule wieder abrufen können. Der Datenverkehr geht einher mit einer verstärkten IT-Sicherheit – gerade auch, wenn Schüler künftig eigene Geräte (Tablet etc.) mit zum Unterricht bringen – sowie einer klar geregelten Nutzungsvereinbarung mit den Schülern bzw. deren Eltern, aber auch mit den Lehrkräften. „Wir sondieren gerade den Markt“, erklärte Stohldreier und zeigte auf, dass man „keine Insellösung in Everswinkel“ wolle. „Wir müssen nicht die Fehler machen, die andere schon gemacht haben.“ Als Berater nehme man die „citeq“, Münsters städtischen IT-Dienstleister für Kommunen, öffentliche Verwaltungen und deren Einrichtungen, mit an Bord. Erforderlich ist selbstverständlich auch eine nachhaltige, fortlaufende Schulung der Lehrkräfte.

Von der Zeitplanung her will die Gemeinde laut Stohldreier „2020 alle Klassenräume in die digitale Welt gebracht haben“. Neben den Investitionskosten von 70 000 Euro werden jährliche laufende Kosten für Lizenzen und Vertragsleistungen in Höhe von 5 000 Euro für die Verbundschule, 2 400 Euro für die Grundschule Everswinkel und knapp 1 000 Euro für die Grundschule Alverskirchen anfallen. „Wir müssen daran. Wir müssen da investieren und den großen Schritt nach vorn machen“, betonte Bürgermeister Sebastian Seidel und verwies auf die „digital natives“ – jene jungen Menschen, die in einer digitalen Welt aufwachsen.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5901232?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Gutachten birgt Sprengstoff in sich
Fischsterben im Aasee: Gutachten birgt Sprengstoff in sich
Nachrichten-Ticker