Dorfmaler-Projekt eröffnet
„Wowa“ ist wieder da

Everswinkel -

Er ist wieder da. Etwas grauhaariger als damals, etwas hagerer, aber noch mit dem selben lausbubenhaften Lächeln. Zwölf Jahre sind vergangen, und irgendwie wird die Uhr am Mittwochnachmittag ein Stück zurückgedreht. Zurück ins Jahr 2006, als Wladimir Gurski schon einmal für eine Zeit seinen Lebensmittelpunkt von Weißrussland ins Münsterländische Everswinkel verlegte, Bilder malte und Herzen eroberte. Zwölf Jahre . . .

Freitag, 24.08.2018, 07:40 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 24.08.2018, 07:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 24.08.2018, 07:40 Uhr
Waldimir Gurski – kurz „Wowa“ – ist zurück. Nach zwölf Jahren wurde er am Mittwochnachmittag erneut als Dorfmaler begrüßt.
Waldimir Gurski – kurz „Wowa“ – ist zurück. Nach zwölf Jahren wurde er am Mittwochnachmittag erneut als Dorfmaler begrüßt. Foto: Klaus Meyer

Aus Kindern von damals, die mit ihm Kunstwerke erarbeiteten, sind längst Erwachsene geworden. Aus Bürgermeister Ludger Banken ist Bürgermeister Sebastian Seidel geworden. Der ging damals noch zur Uni und bereitete sich aufs 1. Staatsexamen vor. Zwölf Jahre . . . Marjolein van Dijk und Herbert Schulze sind immer noch beim Kulturkreis und immer noch im Arbeitskreis Bildende Kunst. Eine Konstante wie das Lächeln von Wowa. Es ist Zeit für den Dorfmaler 2.0, wie es Bürgermeister Seidel an diesem Nachmittag formuliert, der den Dorfmaler 1.0 damals irgendwie etwas verpasst hat. Sechs Wochen öffentliche Kunst wie damals, aber doch anders. Wowa ist wieder da. Zeit für einen neuen Zauber.

Begrüßung am Bauwagen: Wowa, Bürgermeister Sebastian Seidel, Marjolein van Dijk und Martin Kirschke (beide Kulturkreis), Peter Scholz (Sparkasse), Herbert Schulze (Kulturkreis) und Hubert Kortenbrede (Sparkasse; v.l.)

Begrüßung am Bauwagen: Wowa, Bürgermeister Sebastian Seidel, Marjolein van Dijk und Martin Kirschke (beide Kulturkreis), Peter Scholz (Sparkasse), Herbert Schulze (Kulturkreis) und Hubert Kortenbrede (Sparkasse; v.l.) Foto: Klaus Meyer

„Marjolein van Dijk und ich haben überlegt, die Idee des Dorfmalers nach zwölf Jahren wieder aufzugreifen – mit einem anderen Akzent“, erzählt Schulze. Aber auch mit einigen Parallelen. Damals setzte Wowa Gebäude und Everswinkeler Winkel ins Bild, diesmal sollen es schwerpunktmäßig Charaktere sein. Die Menschen dafür wird er sich selbst aussuchen, man kann sich aber auch bei ihm melden. Die entstandenen Skizzen werden am 28. September in einer Finissage gezeigt; während des Winters wird Wowa dann zehn bis 15 Portraits zu Hause auf Leinwand malen und im Frühjahr 2019 nach Everswinkel zurückkehren, um die Ergebnisse – und andere Bilder – in einer Ausstellung zu präsentieren.

Das Kunstprojekt ist noch bürgernäher konzipiert als damals. Statt eines Atelier-Containers gibt es ein rollendes Atelier, einen schmucken Bauwagen, der noch auf dem Magnusplatz steht, dann aber immer wieder seinen Standort wechseln wird. Wohin, das verraten Aushänge am Rathaus, an der Sparkasse, am Verkehrsverein, am Bank-Center Alverskirchen und auf der Kulturkreis-Homepage. „Unsere Idee ist, Wowa zu den Menschen zu bringen“, vielfältige Begegnungen zu ermöglichen, erklärt van Dijk.

Projekt-Eröffnung: Zum Start stiegen knallrote Luftballons mit Dorfmaler-Werbekarten gen Himmel.

Projekt-Eröffnung: Zum Start stiegen knallrote Luftballons mit Dorfmaler-Werbekarten gen Himmel. Foto: Klaus Meyer

Viele Stunden Bahnfahrt hat Wowa hinter sich. Eingestiegen in seinem Dorf Wasilewitschi, umgestiegen in Minsk und Berlin. Beim ersten Gespräch mit Presse und Vertretern der Sparkassen-Kulturstiftung wirkt er fast noch etwas schüchtern. In seinem weißen T-Shirt mit der Aufschrift (übersetzt) „Ich liebe Kartoffeln“, die eine ironische Anspielung darauf ist, dass die Einwohner von Belarus früher als „Bulbashi“ (Kartoffelfresser) bezeichnet wurden, lauscht er den lobenden Worten für das Projekt, für den Kulturkreis und für ihn selbst. Für den Dorfmaler, der seinerzeit schnell zum Menschenfänger wurde. Ein charismatischer Mensch, der nicht viel reden muss, um Anziehungskraft zu entwickeln.

Wowa in seinem rollenden Atelier. Mitgebracht hatte er eine Währung für Everswinkel auf Leinwand: Einen „200-Eurowinkel“-Geldschein.

Wowa in seinem rollenden Atelier. Mitgebracht hatte er eine Währung für Everswinkel auf Leinwand: Einen „200-Eurowinkel“-Geldschein. Foto: Klaus Meyer

Das glückte seinerzeit auch bei Martin Kirschke. „Neben seinem Schaffensprozess und seiner Kunst auch die Person Wowa über einen so langen Zeitraum in dem Kunstprojekt kennenzulernen, war für mich etwas Einmaliges und Außergewöhnliches. Daher schrieb ich nach dem Abschied von Wowa einen Leserbrief und engagierte mich ehrenamtlich verstärkt im Kulturkreis.“ Kirschke ist inzwischen Kulturkreis-Vorsitzender und glücklich, dass eine Neuauflage des Dorfmaler-Projektes wahrgeworden ist. Ermöglicht damals wie heute durch die Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf. „Ohne ihre finanzielle Förderung wäre so eine Kunstaktion über einen langen Zeitraum hinweg für uns schlichtweg nicht durchführbar“, betont Kirschke. Stiftungsvertreter Peter Scholz lobt das Engagement des Kulturkreises im Allgemeinen und das Dorfmaler-Projekt im Besonderen. „Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, das freut uns besonders – das wollen wir auch.“

„Das ist eine tolle Sache, hier wird Kunst im öffentlichen Raum dargestellt und auch produziert – ich bin auf die Ergebnisse gespannt“, zeigt sich Seidel erwartungsfroh auf dem Magnusplatz, wo etwa 50 Bürger als Begrüßungs-Kommitee für Wowa versammelt sind. Biertisch-Garnituren, Getränke, Diepenbroscksches Laugengebäck in „W-Form“ und knallrote Luftballons mit Werbekarten bilden mit dem Atelier auf Rädern die Kulisse. Wowa ist gleich mittendrin. Wie damals, vor zwölf Jahren.

►  Der Kulturkreis hat einen Videoclip zum Dormaler-Projekt erstellt: www.youtube.com/watch?v=UmbKIRYjKK8 Zur Begrüßung von Wowa passendes Laugengebäck in W-Form. Foto: Klaus Meyer

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