Trauer um Karl Theo Gerd-Holling
Besonnen, verlässlich und geschätzt

Alverskirchen -

Erinnern wird man sich an sein fröhliches Lachen. Da konnte die politische Streitdebatte noch so kontrovers gelaufen sein, am Ende konnte Karl Theo Gerd-Holling einer umkämpften Sache fast immer auch noch eine positive Seite abgewinnen und mit einem Lächeln ein positives Signal für die nächste Runde setzen. Politisch fest in der CDU verwurzelt, werteorientiert, besonnen und überlegt im Handeln und ein Kämpfer für die Interessen Alverskirchen, so kannte man ihn über Jahrzehnte. Am vergangenen Samstag ist Karl Theo Gerd-Holling im Alter von 69 Jahren nach schwerer Erkrankung gestorben.

Dienstag, 11.12.2018, 06:00 Uhr
Karl Theo Gerd-Holling nachdenklich in einer seiner vielen Ratssitzungen. 20 Jahre gehörte er dem Gemeinderat an.
Karl Theo Gerd-Holling nachdenklich in einer seiner vielen Ratssitzungen. 20 Jahre gehörte er dem Gemeinderat an. Foto: Klaus Meyer

Alverskirchen trauert um einen engagierten und verdienten Bürger aus der Dorfgemeinschaft. „Ich werde ihn sehr vermissen, nicht nur wegen der guten Gespräche über die aktuelle Lokalpolitik. Hauptsächlich werde ich seine humorvolle Art und Weise vermissen, nicht alles zu ernst zu nehmen. Bei ihm blieb immer noch Zeit für einen nett gemeinten Spruch zum Lachen“, erklärt der CDU-Ortsvorsitzende Werner Lemberg gegenüber den WN . Sein Vorgänger Torsten Schwarthoff bezeichnet Gerd-Holling als seinen „politischen Ziehvater, von dem ich sehr viel gelernt habe. Ich bin dankbar für die Zeit, in der ich politisch mit ihm zusammenarbeiten durfte. Das wird mich mein ganzes Leben weiter begleiten.“

42 Jahre lange war Gerd-Holling Mitglied der CDU . Als er 1976 den familiären Hof übernahm und in die CDU eintrat, entwickelte er ein verstärktes Interesse für die Kommunalpolitik. Er arbeitete sofort im Vorstand mit, war zeitweilig Fraktionsvorsitzender und lenkte die Geschicke der Alverskirchener Christdemokraten als Vorsitzender in der Nachfolge von Brunhilde Schwinhorst 1988 bis 1999. Stolze 20 Jahre – von 1994 bis 2014 – gehörte er dem Gemeinderat an, nachdem er sich zuvor schon fünf Jahre als sachkundiger Bürger engagiert hatte. Er wirkte in mehreren Ausschüssen mit. Die engste Verbindung hatte er aber zum Bezirksausschuss, den er zehn Jahre lang leitete, und in dem er sich immer dafür einsetzte, Alverskirchen voranzubringen. So setzte er sich unter anderem für die Bau-Entwicklung ein (Stichwort Königskamp) oder für den Kunstrasenplatz des Sportvereins ein. Ein besonderes Herzensanliegen war dem Landwirt und Kommunalpolitiker der Einklang von Landwirtschaft und Landschaftsschutz. Nach 26 Jahren konnte er sich 2007 über den Abschluss eines großen Projektes freuen: Die Flurbereinigung Alverskirchen war abgeschlossen. Karl-Theo Gerd-Holling war über die volle Zeit Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft, vermittelte diplomatisch zwischen den Interessen und konnte diese Akte mit einem großen Gefühl der Zufriedenheit zuklappen.

16 Jahre lang, von 1981 bis 1997, vertrat der Alverskirchener als Ortslandwirt und als stellvertretender LOV-Vorsitzender die Interessen der Landwirte. Ebenso lange gehörte er dem Aufsichtsrat der Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft an und brachte als dessen Vorsitzender ab 1992 die Fusion mit der Genossenschaft Albersloh voran.

Gerd-Holling war Demokrat durch und durch. „Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir in einer starken Demokratie leben dürfen, jedoch auch die Warnsignale nicht außer Acht lassen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Mittelschicht verliert an Bedeutung, und die Wahlbeteiligung sinkt stetig“, betonte er in seiner Ansprache zur Gedenkfeier im Rahmen des Schützenfestes 2008. Er scheute auch nicht klare Worte, wenn sie ihm nötig erschienen. Obwohl selbst Landwirt, wandte er sich vor acht Jahren gegen den von einem Berufskollegen in Alverskirchen beantragten Riesen-Hühnermast-Betrieb. „Man sollte die Akzeptanz in der Bevölkerung bekommen. Bei dieser Größenordnung ist es unmöglich, eine Akzeptanz zu bekommen“, riet er dem Investor zum Umdenken. Beim geplanten Baugebiet Königskamp haute er verärgert auf den Tisch, als der Planungsausschuss das Beratungs- und Beschlussergebnis des Bezirksausschuss 2010 praktisch noch einmal über den Haufen warf. „Wir haben den Bezirksausschuss vor 20 Jahren gegründet, um politische Arbeit für Alverskirchen zu machen“, und um den Bürgern zu zeigen, dass sie daran teilhaben können, machte er im Gemeinderat eindringlich klar. „Es gibt keinen anderen Ausschuss, der so viele Zuhörer hat wie der Bezirksausschuss.“ Wenn dann aber ein Beratungsergebnis im Planungsausschuss wieder kassiert werde, „wäre es konsequent, auch einen Antrag zu stellen, den Bezirksausschuss aufzulösen.“ Das saß. Sein Fazit aus der politischen Arbeit fasste Gerd-Holling einmal so zusammen: Alleine kann man nichts erreichen, sondern nur in Zusammenarbeit mit allen Parteien. Sein Rat: „Immer wählen gehen“.

„Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Ratsmitglieds Karl Theodor Gerd-Holling erfüllt mich mit tiefer Betroffenheit“, erklärt Bürgermeister Sebastian Seidel. „Er war dafür bekannt, auch kontroverse Debatten mit großer Besonnenheit und Sachlichkeit zu begleiten. Er war ein überaus engagierter Ratsherr, dem die Belange der Bürgerinnen und Bürger sehr am Herzen lagen.“ Auch der frühere Bürgermeister Ludger Banken zeigt sich gegenüber den WN tief betroffen. „Ich habe ausgesprochen gerne mit Karl Theo Gerd-Holling für die Belange Alverskirchens und Everswinkel zusammengearbeitet, weil er sich immer mit voller Kraft eingesetzt hat, auch mal unkonventionelle Wege gegangen ist. Er war von ganz hoher Verlässlichkeit und Integrität.“ man habe sich auch zwischendurch mal so zusammengesetzt, „und die Gedanken fliegen lassen und geschaut, wo es denn hingehen kann. Das hat mir Freude bereitet.“

Karl Theo Gerd-Holling hinterlässt seine Ehefrau Anne, vier erwachsene Kinder und neun Enkelkinder. Die Trauerfeier beginnt am Freitag, 14. Dezember, um 14.30 Uhr in der St. Agatha-Kirche.

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