Gemeindeentwicklungskonzept mit größtmöglicher Bürgerbeteiligung erarbeiten
Thema des Jahres steht schon fest

Everswinkel -

Zum Jahreswechsel setzt man sich gemeinhin Ziele. Manchmal realistische, mitunter auch unrealistische. Bei letzteren war dann der Geist willig, das Fleisch aber letztendlich zu schwach. Gescheitert. Beim nächsten Mal. Vielleicht. Auch die Gemeindeverwaltung und die Kommunalpolitiker haben sich für das neue Jahr ein großes Ziel gesetzt. Ein Scheitern ist dabei nicht vorgesehen.

Freitag, 18.01.2019, 06:37 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 06:40 Uhr
Über integrierte Quartierskonzepte zum Gemeindeentwicklungskonzept: Auf die Beteiligung der Bürger kommt es an.
Über integrierte Quartierskonzepte zum Gemeindeentwicklungskonzept: Auf die Beteiligung der Bürger kommt es an. Foto: Klaus Meyer

Allerdings werden für den Erfolg auch möglichst viele Schultern benötigt – die der Bürger. „Gemeindeentwicklungskonzept“ lautet das Zauberwort, das sich wie ein roter Faden durchs Jahr 2019 ziehen und wohl auch schon am Sonntag im Rahmen des Neujahrsempfangs durch den Bürgermeister thematisiert wird.

Erwachsen aus dem Themenfeld „Kommunaler Klimaschutz“, geht es inzwischen um viel mehr. „Klimaschutz ist es allein nicht. Wir sprechen auch über Gemeindeentwicklung“, darüber, wie man in Everswinkel lebt, machte Thomas Pöhlker , Prokurist und European-Energy-Award-Berater der „Energielenker Beratungs GmbH“ aus Greven jüngst gegenüber der Kommunalpolitik deutlich. Es stellen sich diverse Entwicklungsaufgaben für die nächsten Jahre, die Handlungsfelder sind „bunt“. „Quo vadis, Everswinkel – wo wollen wir in zehn, 15 Jahren sein in Everswinkel“, formuliert es Bürgermeister Sebastian Seidel.

Vor zehn Jahren begann die Gemeinde intensiv damit, am Klimaschutz zu arbeiten. Zwei Mal erreichte man bis dato die EEA-Zertifizierung, zuletzt 2017. In dem Jahr wurde auch erfolgreich ein Förderantrag m Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gestellt, um Optimierungspotenziale in der Klimaschutzarbeit zu ermitteln und das Klimaschutzteilkonzept – eine Art Sanierungskonzept für die gemeindlichen Gebäude – fortzuschreiben. Im Laufe eines Jahres und in zwei Workshops zeigte sich einerseits, dass die Gemeinde schon zahlreiche Klimaschutzaktivitäten durchgeführt und intensiv an der Optimierung von Energieeffizienz, -versorgung und -bewusstsein gearbeitet hat. In Summe sind es 68 Sanierungsmaßnahmen bis heute. „Wir machen das genau mit Augenmaß“, so Umweltberater Bernd Schumacher . Andererseits zeigte sich in den Workshops, dass die Erarbeitung eines übergeordneten Konzeptes und eine Strategie für dessen Umsetzung sinnvoll sei. Für diesen Weg gebe es laut Schumacher „viele verschiedene Fördermöglichkeiten“. Eine durchaus komplizierte Geschichte.

Im Dunstkreis der Städtebauförderung wurden das Beratungsbüro „Energlielenker“ und die Gemeinde fündig. Das Bundesministerium des Innern sowie für Bau und Heimat stellt aus dem „Energie- und Klimafonds“ KFW-Mittel für die Erstellung von integrierten Quartierskonzepten bereit (Quartier gleich Stadtviertel). Die Förderquote liegt bei 65 Prozent für die Gutachterkosten sowie den Personal- und Sachaufwand der Gemeinde.

Statt auf Einzelobjekte wird auf ganze Gebäudegruppen bzw. Quartiere in beiden Ortsteilen geschaut, die in vielfältigen Beziehungen zu ihrer Umgebung stehen. Der Blickwinkel umfasst dabei neben technischen Belangen auch wirtschaftliche, kulturelle und soziale Aspekte – im Sinne einer nachhaltigeren Stadt- bzw. Gemeindeentwicklung und vor dem Hintergrund einer älter werdenden, anzupassenden Infrastruktur sowie des demografischen Wandels mit entsprechenden Anforderungen an Wohnraum, Mobilität, Barrierefreiheit und mehr. Mit den einzelnen integrierten Quartierskonzepten soll ein zukunftsorientiertes Gemeindeentwicklungskonzept erarbeitet werden.

Es gehe nicht um ein „Wunschkonzert“, sondern darum, „die Gemeinde Everswinkel für die Zukunft fit zu machen“, so Schumacher. „Die Bürger dabei mitzunehmen, ist ganz wichtig.“ Mitwirken an der Gemeinde der Zukunft, so lautet in etwa die Losung. Wenn sich die Bürgerschaft nicht einbringe, „werden wir keine Veränderung erfahren“, machte Pöhlker deutlich. Zu Anfang sei etwas Theorie unvermeidlich, „aber wir müssen ganz schnell in die Praxisphase kommen“. So einhellig, wie die vier Ratsfraktionen diesen Weg zu einem Gemeindeentwicklungskonzept mittragen, so einhellig sind sie auch in der Meinung, dass es nur klappt, wenn die Bürger mitgehen.

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