Neue Vergabe-Kriterien bei Wohnbau-Grundstücken
Bauen nach dem Punkte-System

Everswinkel -

Punkte sammeln . . . man kennt das vom Einkaufen. Beim Kassengang gibt‘s Sammelpunkte, die der Kunde dann in einem Flyer sammelt, um dann bei vollem Heftchen eine Prämie zum vergünstigten Preis erwerben zu können. Auch in der Vitus-Gemeinde wird man künftig Punkte sammeln können. Und als „Prämie“ wartet im Idealfall die Möglichkeit, ein Baugrundstück für ein Einfamilienhaus oder ein Doppelhaus erwerben zu können.

Donnerstag, 14.03.2019, 08:29 Uhr
Wer künftig seinen Traum vom Eigenheim verwirklichen und ein Baugrundstück in einem Baugebiet kaufen möchte, kann sich in der Masse der Bewerber am besten durchsetzen, wenn er nach den Vergabe-Kriterien reichlich Punkte auf seinem „Konto“ hat.
Wer künftig seinen Traum vom Eigenheim verwirklichen und ein Baugrundstück in einem Baugebiet kaufen möchte, kann sich in der Masse der Bewerber am besten durchsetzen, wenn er nach den Vergabe-Kriterien reichlich Punkte auf seinem „Konto“ hat. Foto: Klaus Meyer

Gemeinde und Politik sind derzeit dabei, einen Kriterien-Katalog für die Vergabe gemeindlicher Wohnbaugrundstücke festzuzurren. Im Hauptausschuss am Dienstagabend wurde hinter der Hälfte der zehn aufgelisteten Kriterien ein Haken gemacht, über Details beim Rest beraten die Fraktionen bis zur Ratssitzung am 19. März. Bürgermeister Sebastian Seidel bezeichnete die Vergaberichtlinie als „wichtige Grundlage“. Es werde nicht mehr nach dem klassischen Einwohnermodell verfahren (die bisherigen Kriterien stammen aus dem Jahr 2000), sondern jeder müsse die Chance haben, ein Baugrundstück zu erwerben. „Wir wollen dem Flächenfraß auch Einhalt gebieten“, Grundstücke sollten zuerst denjenigen ermöglicht werden, die sie auch selbst für eigene Zwecke nutzen wollen, verwies Seidel Interessenten, die Baugrundstücke und Hausbau nur als Investitionsobjekt planen, auf die hinteren Plätze.

Denn: In heutiger Zeit übersteigt die Zahl der Bauinteressenten die der verfügbaren Grundstücke erheblich. Auf der Homepage der Gemeinde ist derzeit zu lesen: „Zurzeit stehen in Everswinkel keine Wohnbaugrundstücke zur Verfügung.“ Die Aufstellung des Bebauungsplans „Bergkamp III“ sei beschlossen, aber „die Planungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Bitte haben Sie Geduld.“ Um ein Ranking unter den Bewerbern zu ermöglichen, soll es für verschiedene Kriterien unterschiedlich viele „Bonuspunkte“ geben. So sollen die familiäre Situation, der örtliche Bezug der Bewerber, Behinderungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen, ein Arbeitsplatz vor Ort, aktives Engagement in Feuerwehr , DRK oder First Responder, ehrenamtliche leitende Tätigkeit in einem Verein oder eine ärztliche Tätigkeit mit dem Wunsch einer Praxiseröffnung in der Gemeinde gewichtet und mit ein bis fünf Punkten „belohnt“ werden.

Beispiel: Eine hohe Punkte-Ausbeute erreichen würde beispielsweise ein junges Paar mit einem Kind (5 Punkte), das schon mindestens 24 Monate in der Gemeinde lebt oder in der Vergangenheit mindestens fünf Jahr hier gelebt hat (5 Punkte), den Hauptarbeitsplatz in einem ortsansässigen Unternehmen hat (3 Punkte), sich aktiv bei Feuerwehr, DRK oder First Respondern einbringt (4 Punkte) und vielleicht sogar noch in führender Funktion ehrenamtlich in einem örtlichen Verein mitwirkt (2 Punkte). Hat dieses Paar bereits vor einiger Zeit sein Interesse an einem Baugrundstück bekundet und steht schon auf der Interessentenliste, gibt‘s noch weitere Punkte im Laufe der Wartezeit. Für Bewerber, die schon Eigentum bewohnen und Kapitalanleger gibt es dagegen Punktabzug. Für Mehrparteien-Objekte und Reihenhäuser, die in der Regel von einem Investor gebaut werden, soll es eine separate Regelung geben.

Die vier Ratsfraktionen – CDU, SPD, FDP und Grüne – begrüßten die Erarbeitung des neuen Kriterien-Katalogs. „Wir finden das sehr positiv“, so CDU-Fraktionschef Dirk Folker, der anregte, nur eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verein zu bewerten, „sonst verschieben sich solche Prioritäten völlig“. „Aus unserer Sicht ist das ausgewogen“, stimmte FDP-Fraktionssprecher Peter Friedrich zu, der die Anreize für junge Leute, die nach einer Zeit der Abwesenheit zurückkehren möchten, und für Ärzte, die sich niederlassen wollen, begrüßte. „Wir finden die Vorschläge gut und können sie mittragen“, erklärte Reimund Wernery für die Grünen. SPD-Fraktionsführer Dr. Wilfried Hamann warnte davor, beim örtlichen Bezug „den Bogen nicht zu überspannen“ – Stichwort Niederlassungsfreiheit in der EU – und zeigte sich „insgesamt sehr froh über den Vergabekatalog. Was wir aber vermissen, ist jegliche soziale Komponente“ bei der Vergabe. Er regte beispielhaft die Berücksichtigung von gewährtem Baukindergeld als soziales Kriterium an. Ein Einwand, dem der Bürgermeister nicht folgen konnte. „Warum wir denjenigen bevorzugen sollen, der weniger verdient, erschließt sich mir nicht.“

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