Kinderfachgeschäft „Wonneproppen“: Schlussstrich nach 19 Jahren
Am Ende bleibt keine andere Wahl

Everswinkel -

Natürlich schmerzt der Schritt. 19 Jahre gehen nicht spurlos an einem vorüber, wenn man sich mit Leidenschaft und Herz fürs Geschäft engagiert hat. Das 20. Jahr wird es nicht mehr werden. Der Räumungsverkauf-Hinweis klebt schon am Schaufenster, die Sale- bzw. Prozentschilder thronen auf den Kleiderständern. Es sind die finalen Wochen für Diane Rieping und Daniela Cordes. Zusammen haben sie das Kinderfachgeschäft „Wonneproppen“ zu einem Fixpunkt für Eltern gemacht. Nun endet die Geschichte.

Freitag, 15.03.2019, 08:35 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 08:40 Uhr
Diane Rieping (l.) und Mitarbeiterin Barbara Stählker beim Einpacken eines Kinderpullis. An der Ware kleben Rotpreise – reduziert. Im Kinderfachgeschäft „Wonneproppen“ hat der Räumungsverkauf begonnen.
Diane Rieping (l.) und Mitarbeiterin Barbara Stählker beim Einpacken eines Kinderpullis. An der Ware kleben Rotpreise – reduziert. Im Kinderfachgeschäft „Wonneproppen“ hat der Räumungsverkauf begonnen. Foto: Klaus Meyer

„Wonneproppen“ – der Begriff umschreibt verniedlichend ein wohlgenährtes, gesundes Baby. Für dieses jüngste Klientel gab‘s seinerzeit praktisch kein Angebot in der Nähe. „Alle haben Kinder bekommen, und da kommt man dann darauf, dass der Markt dafür gar nicht so vorhanden ist und es im ländlichen Bereich fast nichts gibt“, erinnert sich Diane Rieping an die Überlegungen, sich selbstständig zu machen. Das Ladenlokal an der Vitusstraße, in dem zuvor mal die Sparkasse und dann ein Steuerberater untergebracht waren, war passend frei. Los ging‘s am 1. September 2000 mit Kinderkleidung bis Größe 140. Zum Angebot gehörten anfänglich auch noch Kinderwagen und Autositze. Die Nachfrage für größere Kinder war dann schnell so stark, dass das Sortiment bis zur Größe 176 aufgestockt wurde.

Das Geschäft lief von Anfang an gut, und es hat Spaß gemacht, erinnert sich Diane Rieping. Barbara Stählker, die als Verkäuferin von Anfang an dabei ist, nickt zustimmend. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen allerdings verändert, und der Spaß bleibt auf der Strecke. „Das Kaufverhalten hat sich verändert“, verweist Rieping einerseits aufs Internet, andererseits auf den Second-Hand-Markt. „Junge Mütter, die heute kleine Kinder haben, sind mit dem Internet groß geworden.“ Das Bestellen dort wird zur Normalität, der Kauf vor Ort immer öfter zur Ausnahme.

Ein anderes Problem im Kindermode-Bereich: „Viele Hersteller gibt es nicht mehr auf dem Markt“, stattdessen einige große Produzenten. Qualität, Preisgestaltung und Service lassen bei den Lieferanten mitunter zu wünschen übrig. Diane Rieping erzählt von Herstellern, bei denen die Lieferungen eingebrochen sind, „wo ich heute noch auf Jacken aus dem Oktober warte“. Während Produzenten ihre Ware auf ihren Online-Shop-Seiten schon reduzieren, trifft sie im Laden gerade mal ein. Das kann nicht funktionieren. „Da verliert man die Lust. Das macht keinen Spaß mehr.“ Auch ein Grund, den Schnitt zu machen.

„Es fällt mir total schwer. Ich musste mich erst daran gewöhnen, aber ich glaube, dass es richtig ist“, kommentiert Daniela Cordes die Entscheidung, das Geschäft aufzugeben. Der Dank gilt der Familie, „dass sie uns die ganzen Jahre unterstützt hat“, und natürlich den langjährigen treuen Kunden. Mütter, die selbst schon als Kinder im „Wonneproppen“ eingekleidet wurden. „Wir sind jetzt noch in einem Alter, wo es noch andere Wege gibt“, deutet Rieping persönliche Zukunftsüberlegungen an. „Wir machen aber erst einmal ein klares Ende hier.“ Den März und April über wird der „Wonneproppen“ noch strahlen. Schließlich warten Diane Rieping, Daniela Cordes und Barbara Stählker noch auf bestellte Ware. Wenn sie denn von den Herstellern noch passend geliefert wird . . .

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6470595?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Pläne seit 15 Jahren in der Schublade
Hunderte Räder werden rund um das Parkhaus Bremer Platz abgestellt. Ab Ende August soll eine Radstation im Innern des Gebäudes zur Verfügung stehen. Diesen Plan gab es auch schon vor 15 Jahren.
Nachrichten-Ticker