Ausstellungseröffnung mit Werken von Dorfmaler Wowa
Ein Dutzend Überraschungen

Everswinkel -

Der Ratssaal ist voll. Die Besucher wollen eigentlich nur eines – nämlich sehen, was sich hinter den zwölf braunen Stofftüchern verbirgt. Hinter ihnen hängt nämlich jenes Dutzend Porträts, die Dorfmaler Wladimir Gurski – allgemein „Wowa“ genannt – nach seinem Sommeraufenthalt im vergangenen Jahr zu Hause in Weißrussland gemalt hat. Wen er ausgewählt hatte, das wissen, wie sich später herausstellt, die wenigsten „Models“, die auf Leinwand gebannt wurden.

Dienstag, 19.03.2019, 08:43 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 12:14 Uhr
Dorfmaler Wowa ist zurück. Und mit ihm die Porträts von Vitus-Bürgern, die er im Winter in seiner Heimat Weißrussland fertiggestellt hat. Künstler Wladimir Gurski (l.) hatte unter anderem Chris van Dijk ins Visier genommen und gemalt.
Dorfmaler Wowa ist zurück. Und mit ihm die Porträts von Vitus-Bürgern, die er im Winter in seiner Heimat Weißrussland fertiggestellt hat. Künstler Wladimir Gurski (l.) hatte unter anderem Chris van Dijk ins Visier genommen und gemalt. Foto: Marion Bulla

Bevor die Enthüllung aber zeigt, was der Künstler aus seinen Eindrücken und Skizzen in den vergangenen Monaten herausgearbeitet hat, gibt es einige Redner, die zur Eröffnung von „Wowa – Die Ausstellung“ das Leben und Wirken Gurskis beleuchten. „Ich freue mich, dass sie ebenso neugierig sind wie ich“, begrüßt Martin Kirschke die zahlreichen Kunstfreunde. Diese Ausstellung stelle den Menschen in den Mittelpunkt. Damals 2006, beim ersten Dorfmaler-Projekt, sei es der Ort gewesen, der im Fokus gestanden habe. Nun also die Menschen. Menschen, die dem Ort ein Gesicht geben würden, so der Vorsitzende des Kulturkreises Everswinkel weiter.

Der Vorsitzende des Kulturkreises Martin Kirschke beleuchtete in seiner Begrüßung das Wirken des Dorfmalers.

Der Vorsitzende des Kulturkreises Martin Kirschke beleuchtete in seiner Begrüßung das Wirken des Dorfmalers.

Kirschke spricht nachfolgend von den immer mehr um sich greifenden Selfies, die man mit dem Handy produziere, die dieses aber wohl kaum „lebend“ verlassen würden. „Ich bin mir sicher, ein reales Porträt, durch Künstlerhand geschaffen, findet immer seinen Platz“, betont Kirschke. Kleine Nuancen, versteckte Details, Hinweise auf Ort oder Beruf und versteckte Botschaften würden eine zweite Ebene vermitteln und das Porträt erst interessant machen, fügt er an, bevor Herbert Schulze das Wort ergreift. Wowa habe eine große Vielfalt an Werken geschaffen, erzählt der Sprecher des Arbeitskreises Bildende Kunst, der für das Dorfmaler-Projekt verantwortlich zeichnet. „Ich bin mir sicher, dass jeder zweite Bürger Everswinkels und Alverskirchens bereits ein Bild von Wowa besitzt“, bemerkt Schulze augenzwinkernd an. Nach Ende der Ausstellung werden es zwölf mehr sein, denn alle Porträtierten dürfen ihr Bild mit nach Hause nehmen.

Gut gelaunt begrüßte Herbert Schulze, Sprecher des Arbeitskreises Bildende Kunst, die vielen Besucher.

Gut gelaunt begrüßte Herbert Schulze, Sprecher des Arbeitskreises Bildende Kunst, die vielen Besucher.

Als die Werke endlich vom Stoff befreit werden, geht ein Raunen durch die Menge. Denn jetzt wird erst klar, wer da so zu sehen ist. „Ich wusste nicht, dass Wowa mich porträtiert hat. Wir sind eine Weile gemeinsam durch den Ort gefahren – mehr nicht“, lacht Chris van Dijk. Er habe ihn aber dennoch offenkundig ganz genau studiert. So, wie hier in leicht gebückter Haltung, stünde er nämlich oft, sagt der Zahnarzt und betrachtet schmunzelnd sein Bild. Seine große Leidenschaft ist ein Citroen DS 19 aus dem Jahr 1967. Natürlich hat Wladimir Gurski das Schmuckstück im Bild verewigt. Nur das Kennzeichen am Oldtimer stimmt nicht so ganz. „Van-Fan Tomas“ steht da. Neben dem antiken Vehikel ist Fantomas, ein Filmgauner aus eben jenen Zeiten zu sehen.

Auch Reinhard Rottmann staunt nicht schlecht, als er erkennt, dass sein Konterfei da an der Wand hängt. „Ich war nur ein bis zweimal hier auf dem Platz. Wowa fand meine BVB-Fahne toll“, erzählt der Bewohner aus dem Haus Magnus und zeigt auf die gelb-schwarze Flagge hinten an seinem E-Rollstuhl. Die Farben des Lieblingsvereins hat Wowa gleich mit aufgegriffen.

Sponsor und Ratsherr: Peter Scholz (l.) von der Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf und Bürgermeister Sebastian Seidel sind begeistert von den gelungenen Portraits - auch von dem des Bürgermeisters.

Sponsor und Ratsherr: Peter Scholz (l.) von der Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf und Bürgermeister Sebastian Seidel sind begeistert von den gelungenen Portraits - auch von dem des Bürgermeisters.

Der Bürgermeister selbst fügt sich selbstverständlich ebenso in die Galerie ein. Er trägt eine Rathaus-Krone und hat ein Mikro in der Hand. Als Zeichen, dass er sich mit Rat und Tat für das Vitus-Dorf einsetzt. Auf vielen Porträts ist ein Eber zu finden, Wahrzeichen des Ortes. Fast alle Bildern zeigen Berufe oder Hobbys. Bernd Börding etwa, der an einem Flugzeug steht, eine Querflötenspielerin, die umgeben ist von Noten, ein Kind, das offenbar Pferde sehr mag. Und auch Herbert Schulze ist mit dabei. Leger gekleidet, schaut er einem Eber zu, der segelt. Es sind Bilder vor denen der Betrachter unbedingt stehen bleiben muss, um genauer hinzuschauen. Denn es finden sich überall überraschende Kleinigkeiten, die einem nur flüchtigen Blick verborgen bleiben.

Die Ausstellung – auch mit weiteren Werken von Wowa – ist in der Woche zu den Rathaus-Öffnungszeiten sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr bis 14. April zu sehen.

Die Ausstellung interessiert offenbar viele Vitus-Bürger im Allgemeinen und viele Kunstfreunde im Besonderen – bei der Ausstellungs-Eröffnung war es voll im Rathaus.

Die Ausstellung interessiert offenbar viele Vitus-Bürger im Allgemeinen und viele Kunstfreunde im Besonderen – bei der Ausstellungs-Eröffnung war es voll im Rathaus.

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