Grünen-Versammlung mit Ex-Minister Remmel
Frieden als kostbares Gut bewahren

Everswinkel -

Eigentlich war es eine Nachspielzeit der Everswinkeler Grünen: Den neuen stellvertretenden Vorsitzenden galt endlich zu wählen. Ganz im Vordergrund der offenen Versammlung stand aber das Thema Europa. Dazu hatte der Ortsverband einen prominenten Gast gewinnen können: Johannes Remmel, früherer NRW-Minister und Sprecher für Europapolitik und Stadtentwicklung der Grünen im Landtag.

Mittwoch, 10.04.2019, 09:23 Uhr aktualisiert: 10.04.2019, 19:28 Uhr
Johannes Remmel (l.) zeigt den Daumen hoch. Er ist offenbar zufrieden mit der neuen Doppelspitze um den neu gewählten Markus Thews, der Ortsverbandssprecherin Marion Schniggendiller nun als Stellvertreter den Rücken stärkt.
Johannes Remmel (l.) zeigt den Daumen hoch. Er ist offenbar zufrieden mit der neuen Doppelspitze um den neu gewählten Markus Thews, der Ortsverbandssprecherin Marion Schniggendiller nun als Stellvertreter den Rücken stärkt. Foto: Marion Bulla

Marion Schniggendiller konnte am Montagabend 20 Gäste im Gasthof Arning begrüßen. Die Ortsverbandssprecherin der Grünen hatte zu einem Vortrag mit einem prominenten Gast eingeladen. Die Europawahl am 26. Mai wirft ihre Schatten voraus. Bekanntermaßen hat sie allerdings in Deutschland nicht so einen hohen Stellenwert wie die Bundestags- oder Kommunalwahlen, die Wahlbeteiligung ist oft bedenklich niedrig. „Wir dürfen den Rechtspopulismus in Europa nicht kleindenken. Auf ein komplexes System gibt es auch nur komplexe Antworten“, sagte Schniggendiller und freute sich daher ganz besonders, dass Ex-Minister Johannes Remmel (MdL) als Gastredner gekommen war.

Der Sprecher für Europapolitik und Stadtentwicklung der Grünen im NRW-Landtag wollte an diesem Abend vor allem Appetit auf die Europawahl machen, denn, so Remmel, diesmal sei diese besonders. Es ginge um etwas. Wählen zu gehen sei deshalb so etwas wie eine Bürger- und Parteipflicht. „Es kommt darauf an, dass gewählt wird und zwar demokratisch“, betonte Remmel und ergänzte, Trump habe kein Interesse an Europa, der orientiere sich nach China, „aber wir müssten eines haben“.

Er sprach zunächst von den Folgen des Brexit, sollte er denn kommen. „Rund 500 Unternehmen haben im Kreis Warendorf Handelsbeziehungen mit Großbritannien und exportieren jährlich für etwa 1,6 Milliarden Euro Waren dorthin“, zählte der Politiker auf. Durch den Brexit würde es wieder Zölle geben und weitere Zusatzkosten durch Bürokratie. Auf EU-Ebene werde der Haushalt ohne die Briten bis zu 14 Milliarden weniger einbringen. Förderungen würden geringer ausfallen und ebenso einige Produkte teurer.

Plädoyer für Europa, Appell zur Wahlbeteiligung: Johannes Remmel.

Plädoyer für Europa, Appell zur Wahlbeteiligung: Johannes Remmel.

Remmel freue sich über die freien Grenzen in Europa ohne Reisepässe und könne sich Zölle und Grenzen kaum mehr vorstellen. „Im Europa-Parlament sind alle Nationalitäten zusammen und arbeiten miteinander. Diesen Frieden sollten wir uns bewahren. Es ist ein kostbares Gut, und daran kann man bei einer Europawahl ruhig mal erinnern.“ Auch ihm bereite der Rechtspopulismus große Sorge. In fast allen europäischen Ländern haben rechte Parteien Einzug gehalten. „Wir wollen nie wieder Nationalismus“, stellte Remmel klar und ging auf die Präambel im Grundgesetz ein, wo es darum geht, in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen.

„Europa steht derzeit ein bisschen schief. Ich persönlich finde, wir müssen den jungen Menschen mehr berufliche Perspektiven bieten in Europa. In vielen Ländern herrscht große Arbeitslosigkeit und die Jugendlichen haben im rechtspopulistischen Bereich einen hohen Anteil. Nachbarschaftswelt, nur so geht‘s. Migrationspolitik heißt, nicht Grenzen ziehen“, sagte Remmel mit Nachdruck. Die Kernherausforderungen der Zukunft für die Grünen seien, erklärte Remmel am Ende, Klimawandel, Globalisierung, Digitalisierung und Migration.

Neben dem Vortrag gab es am Montagabend zudem noch eine wichtigen Posten zu besetzen. Nachdem im Januar beim Ortsverband der Grünen das Amt des stellvertretenden Sprechers vakant geblieben war, konnte dieser Posten nun im zweiten Anlauf besetzt werden. Es waren sechs Wahlberechtigte, des aktuell 13 Mitglieder starken Ortsvereins anwesend, die Markus Thews ihre Stimme gaben. Der 49-jährige Techniker ist seit einem Jahr aktiv dabei und freut sich auf seine Arbeit im Vorstand. Nachdem dieser Punkt der Sitzung abgehakt war, berichtete Karl Stelthove von einer stabilen und guten Finanzlage.

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