Missbrauchs-Prozess vor dem Landgericht
Haftstrafe für den Heiler aus Halle

Everswinkel/Münster -

Nun benötigt der ostwestfälische Mental-Coach wohl selbst jede Menge Energie, um die nachfolgenden Monate positiv gestimmt zu überstehen. Drei Jahre Haft aufgrund von fünf Fällen von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch. So lautete das Urteil der 16. Strafkammer des Landgerichts Münster in dem Berufungsverfahren gegen einen Heiler aus Halle. Sein jüngstes Opfer, eine 21-jährige Frau aus Everswinkel, hatte seinerzeit Anzeige erstattet.

Donnerstag, 11.04.2019, 06:05 Uhr aktualisiert: 17.04.2019, 14:30 Uhr
Über drei Verhandlungstage zog sich das Berufungsverfahren gegen einen Mental-Coach aus Halle vor dem Landgericht Münster hin. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der 51-Jährige an mehreren Frauen während der Behandlungen vergangen haben soll – darunter auch eine Everswinkelerin.
Über drei Verhandlungstage zog sich das Berufungsverfahren gegen einen Mental-Coach aus Halle vor dem Landgericht Münster hin. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der 51-Jährige an mehreren Frauen während der Behandlungen vergangen haben soll – darunter auch eine Everswinkelerin. Foto: Oliver Werner

Zur Erinnerung: Im Juni vergangenen Jahres hatte sich der 51-Jährige wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung in elf Fällen zwischen November 2013 und Mai 2014 vor dem Warendorfer Amtsgericht verantworten müssen. Zu den Opfern zählten auch eine damals 21-jährige Everswinkelerin, eine heute 55-jährige Heilpraktikerin aus Freckenhorst und eine 73-jährige Frau aus Oelde. In Everswinkel soll der Hypnotiseur die junge Frau wiederholt sexuell missbraucht haben. Während verschiedener Behandlungen soll er sich an dem wehrlosen Opfer vergangen und dabei das besondere Vertrauen ausgenutzt haben. Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine nun 54-jährige Heilpraktikerin aus Herzebrock-Clarholz, die Everswinkelerin entschloss sich zur Anzeige. Drei Zeuginnen schilderten seinerzeit die unglaublichen Vorfälle bei den „Behandlungen“, die mit massivem Missbrauch verbunden waren. Das Urteil lautete 16 Monate auf Bewährung und 2 000 Euro Geldbuße. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft gingen in Berufung. Der Haller hatte alle Vorwürfe von sich gewiesen, der Staatsanwaltschaft war hingegen das erstinstanzliche Urteil zu mild.

Somit kam es nun zum Wiedersehen im Berufungsverfahren vor dem Münsteraner Landgericht, das sich über drei Verhandlungstage erstreckte. Die Anklage warf dem Mann mehrfache sexuelle Nötigung und Vergewaltigung vor. Am ersten Verhandlungstag sprach der Angeklagte noch von einem Komplott der Frauen gegen ihn und kündigte eine für ihn entlastende Aufklärung an. Am zweiten Verhandlungstag schwammen ihm dann alle Felle davon. Nacheinander schilderten drei Frauen im Zeugenstand, dass sie Ähnliches mit dem Mental-Trainer erlebt hatten. Diese Frauen waren älter als die Everswinkelerin und hatten sich nach eigenen Angaben besser gegen die Übergriffe wehren können. Opfer eines massiven Vertrauensbruchs seien sie aber alle geworden.

In einem Fall, so eine Zeugin, sei der Mann im intensivsten Moment der Therapiesitzung sexuell übergriffig geworden. Nach diesen einhellig als traumatisch geschilderten Erfahrungen hatten die Frauen die Behandlungen abgebrochen, die zudem sündhaft teuer gewesen seien. Laut Internetseite des Hallers kostet eine 45-minütige Einzelsitzung 250 Euro. Erst die junge Everswinkelerin hatte den Mann angezeigt, nachdem sie von einer Psychologin dazu ermuntert worden war. Sie hatte die anderen Frauen als Zeuginnen benannt.

Das Gericht sah es nun als erwiesen an, dass sich der Angeklagte 2014 mehrfach an der Everswinkelerin vergriffen hat. Die Übergriffe sollen während verschiedener Heilbehandlungen – unter anderem sogar unter Hypnose – stattgefunden haben. Damit gab die Strafkammer den Berufungsanträgen des Staatsanwaltes und der Nebenklägerin statt. Beide hielten eine zu vollstreckende Haftstrafe für erforderlich, nachdem der Mental-Trainer in erster Instanz noch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war.

Auch das Strafmaß von drei Jahren entsprach den Forderungen von Staatsanwalt und Nebenklage-Anwältin. Neben der Schwere der Vorwürfe sprachen die mangelnde Einsicht und das Fehlen eines Geständnisses gegen den 51-Jährigen. Die Verteidigerin des Heilers hatte dagegen erneut einen Freispruch beantragt, weil ihr Mandant unschuldig sei. Doch dem Komplott-Vorwurf des Angeklagten schenkte die Strafkammer keinen Glauben. Vielmehr hätten alle Zeuginnen glaubwürdig und schlüssig gewirkt. Der Heiler kann seine Hypnosen und energetischen Behandlungen ab sofort nur noch hinter Gittern anbieten. Noch im Gerichtssaal klickten die Handschellen. Auf Antrag des Staatsanwaltes ordnete die Kammer den sofortigen Vollzug eines Haftbefehls gegen ihn an.

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