Beispiel einer Berufsrückkehrerin
Eine Chance für beide Seiten

Everswinkel -

Fachkräfte sind für für viele Betriebe am Arbeitsmarkt kaum zu finden. Abhilfe schafft eine enge Partnerschaft zwischen der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster und der Gemeinde Everswinkel. Ein Beispiel ist das Dentallabor Kofl Röers, wo Bettina Stricker als Berufsrückkehrerin nach 21 Jahren Pause wieder einsteigen konnte. Ein Gewinn für beide Seiten.

Freitag, 12.04.2019, 11:17 Uhr aktualisiert: 12.04.2019, 11:20 Uhr
Axel Röers hat mit Berufsrückkehrerin Bettina Stricker eine Fachkraft für sein Dentallabor gefunden. Joachim Fahnemann und Sebastian Seidel haben die beiden im Betrieb besucht (v.l.).
Axel Röers hat mit Berufsrückkehrerin Bettina Stricker eine Fachkraft für sein Dentallabor gefunden. Joachim Fahnemann und Sebastian Seidel haben die beiden im Betrieb besucht (v.l.). Foto: Agentur für Arbeit

Es brummt im Dentallabor Kofl Röers . In allen Räumen des Everswinkeler Betriebes wird modelliert, gefräst, gerührt, gefeilt. Rund 20 Angestellte stellen hoch spezialisierte Produkte her, und es könnten noch mehr Mitarbeiter sein, wenn es nach Axel Röers ginge. Das Labor wird im Laufe des Jahres umziehen, es expandiert. Doch Fachkräfte seien am Arbeitsmarkt kaum zu finden. Abhilfe schafft eine enge Partnerschaft zwischen der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster und der Gemeinde Everswinkel.

Bürgermeister Sebastian Seidel und Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, machten sich im Betrieb ein Bild davon, wie die Personalsuche für die Unternehmen am Ort erfolgreich sein kann, heißt es in einer Presseinformation der Agentur für Arbeit. Die Digitalisierung hat längst Einzug gehalten in jenem Dentallabor. 3D-Drucker, computergesteuerte Fräsmaschinen – alles Standard in dem Betrieb. Den Menschen hat die digitale Technik nicht abgelöst, und sie werd es auch nicht, ist Röers überzeugt. Das sei schön, werde aber gleichzeitig zunehmend zur Herausforderung, denn Fachpersonal sei rar. Offene Stellen passend zu besetzen, dauere immer länger. Aber Röers ist für ungewöhnliche Wege offen. So auch, als sich Bettina Stricker bei ihm meldete.

Die 50-Jährige wollte nach einer familiären Auszeit wieder berufstätig sein. Nach ihrer Ausbildung, die sie bei Röers absolviert hatte, war sie 21 Jahre lang nicht mehr in ihrem erlernten Beruf als Zahntechnikerin tätig. Sehr zuversichtlich, dass ein Wiedereinstieg in ihrem erlernten Beruf klappen könnte, war sie nicht. Ihre Beraterin in der Agentur für Arbeit habe ihr jedoch Mut gemacht und geraten, sich beim alten Arbeitgeber zu melden. Dort war man froh über die Bewerbung. Denn um qualifizierte Kräfte zu gewinnen, habe Röers schon einiges unternommen: „Wir setzen vermehrt auf die Ausbildung von Nachwuchskräften und haben auch Geflüchtete eingestellt, die nach einem längeren Praktikum in Ausbildung bei uns einmünden.“ Wiedereinsteigerinnen, die lange nicht im Beruf gearbeitet haben, habe es bei ihm bis dahin jedoch noch nicht gegeben. Röers unternahm den Versuch.

„Diese Offenheit gegenüber Menschen, die weiter entfernt vom Arbeitsmarkt sind, ist außergewöhnlich,“ sagt Fahnemann. Im Unternehmen Kofl Röers ging man die Bewerbung von Bettina Stricker ganz pragmatisch an und vereinbarte ein kurzes Praktikum zum Kennenlernen. Und das fiel positiv aus. „Natürlich fehlen nach so einer langen Zeit die Kenntnisse über aktuelle Arbeitsprozesse. Aber die Basis ist ja noch da. Das verlernt man ja nicht. Alles andere kann man sich wieder aneignen“, so Röers. Geholfen hat dabei wiederum die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Sie ermöglichte mit einer finanziellen Förderung die intensivierte Einarbeitung der Berufsrückkehrerin.

Seit einigen Monaten ist Stricker nun wieder Teil des Teams. Röers Fazit ist durchweg gut. Mit der Einstellung habe er alles richtiggemacht, ist er überzeugt. Positiv sehen das auch Fahnemann und Seidel. „Arbeitgeber müssen zunehmend flexibler werden, um ihren Personalbedarf zu decken. Hier zeigt sich, dass es sich lohnt, wenn wir in Menschen investieren, auch wenn sie sich lange vom Arbeitsmarkt entfernt haben “, betont Fahnemann. Gemeinsam kümmern sich Arbeitsagentur und Gemeinde seit rund zwei Jahren in einer engen Kooperation darum, die Arbeitgeber und Menschen nach längerer Erwerbstätigen-Pause zusammenbringt. Für den Bürgermeister der richtige Weg: „Wir haben in Everswinkel eine starke Wirtschaft. Fachkräfte werden dringend gesucht. Das öffnet auch Menschen in unserer Gemeinde neue Chancen, die es bislang schwer hatten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Wenn wir diese Menschen und die hier ansässigen Betriebe zusammenbringen, ist das ein Gewinn für uns alle.“

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