Interview mit dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Alverskirchen
„Arbeit und Produkte schätzen“

Alverskirchen -

100 Jahre Landwirtschaftlicher Ortsverein Alverskirchen. Die WN besuchten dessen Vorsitzenden Christoph Gerd-Holling, um über die Bedeutung des Vereins für die Landwirte und den Wandel in der Landwirtschaft zur sprechen.

Samstag, 13.04.2019, 10:30 Uhr aktualisiert: 14.04.2019, 13:47 Uhr
Alverskirchens LOV-Vorsitzender Christoph Gerd-Holling.
Alverskirchens LOV-Vorsitzender Christoph Gerd-Holling. Foto: Karina Linnemann

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des LOV Alverskirchen sprach WN-Mitarbeiterin Karina Linnemann mit dem LOV-Ortsvorsitzenden Christoph Gerd-Holling .

Wie wichtig ist der LOV nach Ihrer Ansicht heute?

Gerd-Holling: : Er bündelt die Interessen der Landwirte vor Ort und ist Ansprechpartner für die Gemeinde sowie den Kreis Warendorf wenn es um die Belange der Landwirtschaft und den Landschaftsschutz in Alverskirchen geht. Der LOV ist gleichzeitig ein aktiver Verein im Dorfleben. Der Dialog mit den Bürgern und eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung sind weitere Schwerpunkte.

Was hat sich seit der Gründungszeit verändert?

Gerd-Holling: Vor 100 Jahren hat fast jede Familie im Dorf Landwirtschaft betrieben und war somit auch Mitglied im LOV. Der technische Fortschritt, insbesondere nach dem 2. Weltkrieg, führte dazu, dass die Landwirtschaft nach und nach aus dem Dorfkern verschwand und sich auf die Höfe im Außenbereich verlagerte.

Was sind denn die größten Probleme für Sie heute?

Gerd-Holling: Es gibt in Deutschland eine hohe Wertschätzung für den Beruf des Landwirts. Gleichzeitig wird aber seine tägliche Arbeit, etwa die Haltung der Tiere oder die Bewirtschaftung der Felder, komplett in Frage gestellt. Es kann nicht sein, dass die Bauern pauschal an den Pranger gestellt werden und für viele Dinge verantwortlich gemacht werden. Diese Dauerverurteilung tut weh. Es heißt nicht, dass wir nicht offen für Neues und Kritik sind. Auch wir Landwirte haben aus heutiger Sicht in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht. Die Tierhaltung und die Bewirtschaftung der Flächen werden weiterentwickelt. Deutschland hat aufgrund der Umweltauflagen und Tierwohl die höchsten Standards bei der Lebensmittelherstellung. Wenn diese Standards flächendeckend erhärtet werden sollen, muss das auch vom Verbraucher bezahlt werden. Da bin ich ehrlich gesagt skeptisch.

Womit befasst sich der Verein in heutiger Zeit ?

Gerd-Holling: Neben fachlichen Info-Veranstaltungen gibt es auch Termine zur Förderung der Gemeinschaft. Ich spreche etwa von Fahrradtouren und Herdfeuerabenden. Dabei können sich die Mitglieder austauschen. Einen breiten Raum nimmt natürlich die Öffentlichkeitsarbeit ein. Hierzu zählt unter anderem die Zusammenarbeit mit der Grundschule durch Hofbesuche. Auch der Austausch mit den Dorfbewohnern ist uns sehr wichtig. Nicht zu vergessen ist auch die Arbeit im Landwirtschaftlichen Kreisverband Warendorf, in dem die Alverskirchener durch mehrere Landwirte vertreten sind.

Was wünschen sich die Landwirte des LOV für die Zukunft?

Gerd-Holling: Wie in vielen Berufen auch, ist die ausufernde Bürokratie für einige Landwirte eine Belastung. Dass Lebensmittel wieder mehr geschätzt werden und nicht so viel im Müll landet, wäre wünschenswert. Wir liefern hochwertige Produkte für die Ernährung; sie sollten, genau wie unsere Arbeit, entsprechend gewürdigt werden. Wir wünschen uns ein weiterhin gutes Miteinander im Dorfleben.

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