100 Jahre LOV Alverskirchen: Mit 116 Mitgliedern ging‘s 1919 los
Von Anfang an ein starkes Team

Alverskirchen -

1919 und 2019. Zwei Jahre, zwei Welten. Dazwischen liegen 100 Jahre, in denen viel passiert ist. Der Landwirtschaftliche Ortsverein Alverskirchen feiert an diesem Wochenende runden Geburtstag. Ein Blick zurück mit drei Landwirten aus drei Generationen.

Samstag, 13.04.2019, 10:30 Uhr aktualisiert: 14.04.2019, 13:46 Uhr
100 Jahre LOV Alverskirchen, drei Landwirte-Generationen: Egon Große-Holling, Christoph Gerd-Holling und Alwin Schulze-Hockenbeck erzählen aus der Landwirtschaft früher und heute.
100 Jahre LOV Alverskirchen, drei Landwirte-Generationen: Egon Große-Holling, Christoph Gerd-Holling und Alwin Schulze-Hockenbeck erzählen aus der Landwirtschaft früher und heute. Foto: Karina Linnemann

Kurioses geschieht derzeit in Alverskirchen. Kaum hatte die Feuerwehr anlässlich ihres 100. Geburtstages große Strohpuppen an den Ortseingängen aufgestellt, gesellten sich ein paar Wochen später noch weitere Strohgesellen dazu. Den Laien vermochten die großen Letter „LOV“ auf den weißen Oberkörpern der Strohpuppen nicht viel zu sagen. Kenner wussten jedoch genau, dass noch ein weiteres 100-jähriges Jubiläum im Ort gefeiert wird.

100 Jahre Landwirtschaftlicher Ortsverein Alverskirchen: Dieses Jubiläum nutzen die Mitglieder, um das vergangene Jahrhundert Revue passieren zu lassen und aktuelle Geschehnisse zu beleuchten. Es hat sich einiges getan, seitdem sich am 13. April 1919 Alverskirchener Landwirte dazu entschlossen hatten, einen eigenen Ortsverband zu gründen, Damals waren es beeindruckende 116 Mitglieder, die sich mit dem Verein an den Landwirtschaftlichen Verband anschlossen. „Damals hatten die meisten Handwerker in Alverskirchen Vieh, auch wenn es nur sechs Kühe waren, und konnten sich somit auch dem Verein anschließen“, weiß Landwirt Alwin Schulze-Hockenbeck.

Beim Pfarrfest 1986 veranstaltete der Landwirtschaftliche Ortsverein ein lustiges Wettmelken für die Besucher.

Beim Pfarrfest 1986 veranstaltete der Landwirtschaftliche Ortsverein ein lustiges Wettmelken für die Besucher.

Gegründet wurde der LOV Alverskirchen, da sich die Bauern so gegenseitig besser unterstützen konnten. „Außerdem gab es in den Gründungsjahren regelmäßige Schulungen für alle Bauern im Ort“, weiß der heutige Vorsitzende Christoph Gerd-Holling zu berichten. Der Milchbauer fügt an: „Schulungen gibt es heute zwar auch noch, aber da jeder Bauer spezialisiert ist, haben sich innerhalb des Vereins Arbeitskreise gebildet.“

Damals hatten die meisten Handwerker in Alverskirchen Vieh, auch wenn es nur sechs Kühe waren.

Alwin Schulze-Hockenbeck

Bernhard Vincke wurde 1919 in geheimer Wahl zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, Hermann Thiel zu dessen Stellvertreter. Bereits zur zweiten Versammlung zählte der Verein 242 Mitglieder. Experten hielten in dieser Zeit eine Vielzahl von Vorträgen, es gab Ausstellungen zu Obst und Gemüse, und es wurden gemeinsame Einkäufe von Saat- und Pflanzgut sowie Düngemitteln organisiert. „Der Zusammenhalt unter den Bauern war damals schon sehr stark. Wurde etwa gedroschen, brachten alle ihr Fuder auf die Kreuzungen im Dorf und es wurde gemeinsam verarbeitet“, erzählt Gerd-Holling.

Kurz nach der Wende, im Juni 1990, reisten 30 Mitglieder des LOV Alverskirchen nach Waren am Müritzsee.

Kurz nach der Wende, im Juni 1990, reisten 30 Mitglieder des LOV Alverskirchen nach Waren am Müritzsee.

Egon Große-Holling wurde im Jahr 1934 geboren. Er ist eines der ältesten Mitglieder im Verein und erinnert sich noch gut an die damalige Zeit. „Früher haben wir natürlich noch mit Pferden gepflügt. Beim Heuen wurde das Gras mit der Hand geschnitten und so lange hin und her gewendet, bis es trocken war.“ Noch bis 1973 sei mit dem Pferd gesät worden. Obwohl es schon in den frühen Tagen des LOV Trecker gab, waren viele Bauern nicht an die motorisierte Unterstützung gewöhnt. „Ich weiß noch, dass ein Treckerfahrer ein Jahr lang nicht wusste, dass der Trecker einen Rückwärtsgang hat“, berichtet Schulze-Hockenbeck amüsiert.

Im Raum Waren besichtigten die Alverskirchener Landwirte landwirtschaftliche Betriebe der ehemaligen DDR.

Im Raum Waren besichtigten die Alverskirchener Landwirte landwirtschaftliche Betriebe der ehemaligen DDR.

Durch das Nazi-Regime musste sich der Landwirtschaftliche Ortsverein Alverskirchen im August 1933 auflösen. Auf Anordnung des Regimes entstand der Ortsbauernstand. Dies führte dazu, dass der Vorsitzende und sämtliche Vorstandsmitglieder ihre Ämter niederlegten. Neue Ausschussmitglieder wurden ernannt. „Die Vorträge, Besichtigungen und Aufgaben des Ortsbauernstandes deckten sich weitgehend mit denen des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, nur jetzt bestand Zwang hinter jeder Handlung“, so Christoph Gerd-Holling in einer 2009 erschienenen Chronik. Nach Kriegsende bildete sich der LOV 1947 neu. In den folgenden Jahrzehnten bildeten sich etwa der Fahr- und Reitverein und der Marktleistungsausschuss. 1975 wurde der LOV Alverskirchen aufgrund der Kommunalen Neuordnung Mitglied im Kreisverband Warendorf.

Im Rahmen der Alverskirchener Gewerbeschau 2009 informierten die Landwirte über Viehhaltung und Produktion.

Im Rahmen der Alverskirchener Gewerbeschau 2009 informierten die Landwirte über Viehhaltung und Produktion.

Heute zählt der Verein noch 54 Mitglieder. Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Alverskirchen setzen immer mehr auf die Digitalisierung. „Sämtliche Daten von Tier und Acker werden heute digital vermessen und verarbeitet“, sagt Gerd-Holling. Und noch etwas hat sich geändert: „Während vor ein paar Jahrzehnten noch jeder Hof mechanisiert war, werden heute die großen Maschinen überbetrieblich eingesetzt.“

► Der 100. Geburtstag des LOV Alverskirchen wird am Sonntag, 14. April, ab 11 Uhr im Rahmen eines Frühschoppens im Gasthof Grause gefeiert. Eingeladen sind die Mitglieder, ihre Familien sowie Freunde und Unterstützer des Vereins. Für den 6. Oktober (Erntedank) ist ein großes Dorffest geplant.

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