Wohnungen statt Gaststätte?
Kein vorschneller Neubau

Everswinkel -

Die Tage der alten Gaststätte nahe der innerörtlichen Ampelkreuzung scheinen gezählt. Früher „Schliefka“, heute „Zum Strohbock“ – und morgen ein Wohnhaus? Der Eigentümer möchte den Abriss und einen Neubau. Dafür müsste der Bebauungsplan geändert werden.

Dienstag, 21.05.2019, 09:33 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 09:40 Uhr
Wenn es nach dem Eigentümer geht, soll die Gaststätte „Zum Strohbock“ einem neuen Wohngebäude Platz machen.
Wenn es nach dem Eigentümer geht, soll die Gaststätte „Zum Strohbock“ einem neuen Wohngebäude Platz machen. Foto: Klaus Meyer

Noch scheuen Politik und Verwaltung den Schritt – denn es könnte der Präzedenzfall für ein ganzes Quartier sein und eine Kettenreaktion auslösen. Die Gaststätte „Zum Strohbock“ liegt im Kerngebiet des Dorfes; in eben jenem Bereich, wo Gebäude im Erdgeschoss eine gewerbliche Nutzung aufweisen (sollen) und Wohnen im Obergeschoss stattfindet. Geschäftsviertel sozusagen. Wenn es nach dem Eigentümer geht, sind die (Wirtschafts-)Geschäfte an dieser Stelle gelaufen. Er möchte den Altbau abreißen und ein neues Gebäude errichten. Ein reines Wohngebäude.

Der Planungsausschuss hatte sich in seiner jüngsten Sitzung damit zu befassen, ob man den Bebauungsplan gemäß Antrag ändert und den Kerngebiets-Gedanken an dieser Stelle aufgibt. Bau- und Planungsamtsleiter Norbert Reher warnte vor so einem Präzedenzfall mit reiner Wohnnutzung, der sicherlich Nachahmer auf den Plan rufen werde. „Wir können uns nur schwer vorstellen, das für einen Einzelfall zu öffnen. Wir würden das Planungsziel ,Stärkung des Ortskerns‘ aufgeben.“ Reher schlussfolgerte, dass man grundsätzlich diskutieren müsse, wie man mit dem Historischen Viereck verfahre, und dafür sei das angestrebte Gemeinde-Entwicklungskonzept die passende Ebene.

Wir wollen neuen Wohnraum schaffen.

Heinz Strobücker, Eigentümer

Heinz Strohbücker als Eigentümer und Investor erhielt in der Sitzung die Möglichkeit zur Stellungnahme und zeigte auf, dass das jetzige Gebäude im Wohnungsbereich sanierungsbedürftig sei und sich die Gaststätte wirtschaftlich nicht mehr trage – „das ist nicht nur in Everswinkel so“. Angesichts der Situation wolle er einen „Kahlschlag machen und neuen Wohnraum schaffen“, der ja auch benötigt würde. Eine Perspektive für eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss sieht Strohbücker vor dem Hintergrund von Immobilien-Leerständen, fehlender Nachfrage und fehlenden Parkplätzen an der Stelle nicht. „Das ist überhaupt nicht mehr möglich.“ Auf den Ausgang des Prozesses zum Gemeinde-Entwicklungskonzept zu warten, sei eine zu lange Zeit, „das passt einfach nicht“, so Strohbücker.

Das Baukonzept ist so, dass das Erdgeschoss gewerblich genutzt werden könnte, wenn Bedarf besteht.

Heinz-Josef Dartmann, Architekt

Die erste Planung für ein neues Gebäude durfte Architekt Heinz-Josef Dartmann vorstellen. Während der heutige Altbau keinerlei Schallschutzmaßnahme hergebe biete ein Neubau die „Chance auf ordentliches Wohnen“. Sechs Wohnungen würde das Objekt bieten, ein kleiner Garten könnte im rückwärtigen Bereich entstehen, Stellplätze seien auf der Gesamtfläche vorhanden. Zudem würde das Haus zirka 70 Zentimeter zurückgesetzt, so dass der Bürgersteig an der Stelle breiter werde. Allerdings überschreitet das Plan-Objekt die Baugrenze nach hinten auch um ein paar Meter.

Jetzt eine Ausnahmegenehmigung zu machen und an der Vitusstraße die nächsten Fragen zu bekommen – dann brauchen wir mit dem Bürger gar nicht mehr zu diskutieren.

Dirk Folker, CDU

Die Politik sieht noch intensiven Beratungsbedarf. Zwar werde Wohnraum benötigt und man wolle auch Verdichtung, „aber wenn wir es hier zulassen, würden wir Probleme an anderen Stellen bekommen“, erklärte Grünen-Sprecher Karl Stelthove, der sich dafür aussprach, das Gemeinde-Entwicklungskonzept abzuwarten. „Die Planung gefällt mir sehr gut. Das ist genau das, was wir in Everswinkel suchen, um Nachverdichtung zu machen“, stellte CDU-Fraktionschef Dirk Folker der Planung ein gutes Zeugnis aus. Aber auch er sieht den Vorrang jenes Zukunftskonzeptes für die ganze Gemeinde. Wenn man jetzt eine Ausnahmegenehmigung erteile, seien die nächsten Fragen an der Vitusstraße zu erwarten – „dann brauchen wir mit dem Bürger gar nicht mehr zu diskutieren.“ FDP-Fraktionsführer Peter Friedrich sah es ebenso als sinnvoll an, die Konzeptdiskussion abzuwarten „und zu sehen, wohin die Reise geht“. Dann könne man zeitlich auch zeitnah die Weichen stellen.

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