Konzert mit dem tschechischen Chor „Motýli Šumperk“
Schlichtweg umwerfend

Alverskirchen -

Der Applaus in der voll besetzten St.-Agatha-Kirche wollte gar kein Ende mehr nehmen. Auch nicht, nachdem die Sängerinnen und Sänger ihre vom Publikum lautstark erbetene Zugabe präsentiert hatten. Kein Wunder, denn was der fabelhafte tschechische Chor „Motýli Šumperk“ in seinem rund 70-minütigen Gastkonzert am Donnerstagabend den Zuhörern bis dahin an vokaler Klangkunst beschert hatte, war schlichtweg umwerfend!

Samstag, 15.06.2019, 08:05 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 20:42 Uhr
Zum einem großartigen Erlebnis wurde das Gastspiel des tschechischen Chors „Motýli Šumperk“ am Donnerstag in der St. Agatha-Kirche.
Zum einem großartigen Erlebnis wurde das Gastspiel des tschechischen Chors „Motýli Šumperk“ am Donnerstag in der St. Agatha-Kirche. Foto: Christoph Schulte im Walde

Und der Auftritt von „Motýli Šumperk“ – was mit „Schmetterlinge aus Schönberg“ zu übersetzen ist – bot nicht nur jede Menge für die Ohren, sondern auch für die Augen: In edlen königsblauen Chor-Gewändern zogen die jungen Stimmen singend in die Kirche bis vorn in den Altarraum, mit weißen Stoffkragen in Form eines Schmetterlings. Nomen ist omen.

Das Repertoire des Chors deckt so ziemlich alle Epochen der Musikgeschichte ab und reicht von der Renaissance eines Tomas Luis da Victoria bis hin zu zeitgenössischen „Klassikern“ wie dem 1978 geborenen Ola Gjeilo, dessen Stücke inzwischen auch in Deutschland größere Verbreitung finden. Und dann können die fantastischen „Schmetterlinge“ aus der Kleinstadt Šumperk in der Region Olmütz auch noch dies: jazzige Töne, heiße Rhythmen, zart schmelzende Melodien, die wie Honig flossen. Beispiele? „What a Wonderful World“, der Welthit, der auf ewig mit dem Namen Louis Armstrong verbunden sein wird, mehr jedenfalls als mit dem Schöpfer der Melodie, George David Weiss. Oder George Gershwins mitreißendes „Clap your hands“.

Wenn Chorleiterin Helena Stojaníková ganz dezent ihre Arme und Hände bewegt, dirigiert sie ein Ensemble, dessen „Sound“ keine Wünsche offen lässt. Nicht an Homogenität wie in dem hübschen Echo-Lied „O la, O che boun eccho!“ von Orlando di Lasso, nicht an rhythmischer Präzision wie in der temperamentvollen „Jazz-Messe“ von Bob Chilcott, in der sich Petr Vočka als wieselflinker Begleiter auf dem E-Piano erwies. Toll!

Manchmal waren es auch die (vermeintlich) ganz einfachen, ganz schlichten Chorsätze, die richtig unter die Haut gingen. Das ist alles andere als selbstverständlich. Fröhlich und lustig wurde es an diesem Abend auch – und urwüchsig wie in „Eatnemen Vuelie“ des Norwegers Frode Fjellheim, der damit so etwas wie eine Ode an Mutter Erde in Töne gesetzt hat. Naturverbunden auch Ola Gjeilo mit einer klingenden Landschaftsbeschreibung einer Tundra im Gebirge zwischen Oslo und Bergen. Musik voller Farbe, die Assoziationen wecken kann. Vorausgesetzt, der ausführende Chor hat die notwendige Sensibilität. So wie die „Schmetterlinge“ aus Tschechien, die weitgehend aus Mädchenstimmen bestehen, behutsam ergänzt von jungen Herren, die sich prima in den Gesamtklang mischen. Ach ja: Noten braucht niemand, der in diesem Ensemble singt. Die hat man voll und ganz im Kopf!

Eine schöne Geste: Anfang und Ende des Konzertes gestaltete der Kirchenchor St. Agatha unter bewährter Leitung von Hans-Ulrich Henning mit. Und dann defilierten die Gäste aus Tschechien singend hinaus auf den Kirchplatz und nahmen Spalier stehend ihr Publikum in Empfang. Noch eine schöne Geste!

Erst kürzlich gastierte in St. Agatha ein exquisiter finnischer Chor, jetzt also einer aus dem früheren Mähren. So international und auf diesem hohen Niveau darf es gern weitergehen.

https://www.youtube.com/watch?v=8KwmZxpglvk

Nach dem Konzert standen Sängerinnen und Sänger Spalier fürs Publikum.

Nach dem Konzert standen Sängerinnen und Sänger Spalier fürs Publikum. Foto: Christoph Schulte im Walde

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