Foto-Ausstellung von Jenny Klestil: „Glück kennt keine Behinderung“
Bilder für eine andere Wahrnehmung

Everswinkel -

„Jennys Bilder haben mich aus dem Loch nach der Geburt von Mathilda herausgeholt.“ So schilderte Jana Niederhäuser, die Initiatorin der Ausstellung „Glück kennt keine Behinderung“, in ihren Begrüßungsworten die Wirkung der Fotografien, die Jenny Klestil von Kindern mit Down-Syndrom und deren Familien gemacht hat. Die beeindruckenden Momentaufnahmen sind jetzt bis zum 12. Juli in einer Ausstellung zu sehen.

Mittwoch, 19.06.2019, 07:49 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 08:01 Uhr
Jutta und Wolfram Kötting zeigten sich sehr angetan von den Fotografien von Jenny Klestil, insbesondere von einem Porträt, das Mutter und Tochter in inniger Verbundenheit zeigen.
Jutta und Wolfram Kötting zeigten sich sehr angetan von den Fotografien von Jenny Klestil, insbesondere von einem Porträt, das Mutter und Tochter in inniger Verbundenheit zeigen. Foto: Susanne Müller

Bürgermeister Sebastian Seidel bezeichnete in seiner kurzen Ansprache die Inklusion als sehr bedeutsam für die Gesellschaft. Das sei an der Stele im Ratssaal, „übrigens ein wunderbares Relikt einer Ausstellung des Kulturkreises“ – gut abzulesen. Sie beziehe sich auf Artikel 1 des Grundgesetzes, in dem es heiße, die Würde des Menschen ist unantastbar. „ Jenny Klestil gibt mit ihren Fotos den abgebildeten Menschen Würde.“

Jennys Bilder haben mich aus dem Loch nach der Geburt von Mathilda herausgeholt.

Jana Niederhäuser

Zuvor hatte Johann Skrobanek vom Förderverein der Waldorfschule die Besucher offiziell begrüßt und die spontane Zusage der Verantwortlichen in der Waldorfschule betont, dieses Projekt durch Bereitstellung der Räumlichkeiten zu unterstützen. Herbert Schulze, Sprecher des Arbeitskreises Bildende Kunst, freute sich über die zahlreichen Gäste. „Jeder von Ihnen gibt Zeugnis davon, welche Bedeutung dem Thema der Ausstellung zukommt.“ Als Jana Niederhäuser ihn angesprochen habe, habe sich im Kulturkreis sehr schnell die Bereitschaft gefunden, diese hervorragende Fotoausstellung gemeinsam mit ihr zu organisieren.

Ausstellungseröffnung mit (v.l.) Johann Skrobanek vom Vorstand des Fördervereins der Waldorfschule), Bürgermeister Sebastian Seidel, Herbert Schulze und Marjolein van Dijk (beide Arbeitskreis ‚Bildende Kunst‘ im Kulturkreis), Jana Niederhäuser, Merle Weidemann und Fotografin Jenny Klestil.

Ausstellungseröffnung mit (v.l.) Johann Skrobanek vom Vorstand des Fördervereins der Waldorfschule), Bürgermeister Sebastian Seidel, Herbert Schulze und Marjolein van Dijk (beide Arbeitskreis ‚Bildende Kunst‘ im Kulturkreis), Jana Niederhäuser, Merle Weidemann und Fotografin Jenny Klestil. Foto: Susanne Müller

Merle Weidemann als betroffene Mutter äußerte in ihren Worten den Wunsch, dass „die Bilder hoffentlich die Wahrnehmung verändern“, und betonte, Kinder mit dem Down-Syndrom seien „ein Geschenk“. Das sieht auch Jenny Klestil so: „Das Fotografieren früher hat sich nie so gut angefühlt wie dieses, weil es sich nachhaltiger anfühlt und ich das Gefühl habe, damit etwas zu erreichen.“ Ihr seien „Begegnungen mit Menschen, die im Hier und Jetzt leben, wichtig.“

Das Fotografieren früher hat sich nie so gut angefühlt wie dieses, weil es sich nachhaltiger anfühlt.

Jenny Klestil

Die Fotografin ist zum ersten Mal mit ihrem beeindruckenden Projekt im Münsterland präsent, das im März 2015 zunächst als ehrenamtliches Engagement startete und mittlerweile mehr als 170 Mal in Deutschland, Österreich und in der Schweiz vorgestellt wurde. Über 1 300 Familien hätten sich im Laufe der Zeit von ihr ablichten lassen, und es würden immer mehr. Auch in Everswinkel bestand am Samstag großer Bedarf, interessierte Eltern konnten sich für ein Shooting anmelden und im Anschluss an die Eröffnung porträtieren lassen.

Einige Eltern nutzten die Möglichkeit, sich im Rahmen der Ausstellungseröffnung von Fotografin Jenny Klestil ablichten zu lassen.

Einige Eltern nutzten die Möglichkeit, sich im Rahmen der Ausstellungseröffnung von Fotografin Jenny Klestil ablichten zu lassen. Foto: Susanne Müller

Währenddessen genossen die Besucher Kaffee und Kuchen und nahmen danach die Bildergalerie mit den durchweg berührenden Fotos in Augenschein. Jutta und Wolfram Kötting zeigten sich begeistert von den Aufnahmen. Eine hatte es ihnen in besonderem Maße angetan: „Uns beeindrucken bei dem Porträt die tiefe Innigkeit und das gegenseitige Vertrauen zwischen Mutter und Tochter.“

Down Syndrom

Seit 2006 gibt es ihn, den Welt-Down-Syndrom-Tag, seit 2012 ist er offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt. An dem gewählten Tag, dem 21. März, der für das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms steht, soll auf die Lebenssituation und Wünsche der betroffenen Menschen und ihrer Familien aufmerksam gemacht werden. Laut Wikipedia kommt alle drei Minuten „ein Baby mit Down-Syndrom zur Welt, insgesamt leben weltweit zirka fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom. Die Häufigkeit des Auftretens ist dabei mit etwa 1 auf 800 Geburten überall gleich.“ Als erster Mediziner beschrieb im 19. Jahrhundert der englische Arzt John Langdon Down die „klassischen Merkmale“, die die Betroffenen aufwiesen. Er erkannte sie als eine bestimmte Konstellation von Befunden, medizinisch: Syndrom, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die gleiche Ursache haben sowie immer oder häufig zusammen auftreten. Folgerichtig wurde das Syndrom später nach ihm benannt; eine andere Bezeichnung ist Trisomie 21. Sie geht zurück auf den Genetiker Jérome Lejeune, der 1959 entdeckte, dass Kinder mit Down-Syndrom in jeder Zelle 47 Chromosomen statt der üblichen 46 haben, wobei das Chromosom Nummer 21 dreifach in jeder Zelle vorhanden ist, statt üblicherweise zweimal. Das Down-Syndrom ist somit eine genetisch bedingte, nicht veränderbare Veranlagung, es ist keine Krankheit. -sme-

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Niederhäuser dankte allen Sponsoren für die großzügige Unterstützung und äußerte den Wunsch, „dass das überschüssige Geld Kindern mit Behinderung auf dieser Schule zugute kommen“ möge.

► Die Ausstellung ist in der Waldorfschule (Wester 32) noch bis zum 12. Juli während der üblichen Schulzeiten geöffnet. Im Rathaus (Am Magnusplatz 30) sowie im Schreibwarengeschäft Föllen (Vitusstraße 4) sind weitere Fotos der Gesamtausstellung zu den Öffnungszeiten zu sehen.

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