Prozess um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern
Hauptangeklagter zeigt sich aufgewühlt

Everswinkel/Münster -

Die rund 25 Zuschauer sitzen am Mittwochmorgen beim Prozess gegen die drei Männer aus Münster und Everswinkel, denen schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen wird, keine drei Minuten auf ihren Plätzen, da müssen sie den großen Saal des Landgerichts Münster auch schon wieder verlassen.

Donnerstag, 19.09.2019, 08:06 Uhr
Vor dem Landgericht Münster fand am Mittwoch der dritte Verhandlungstag gegen die drei Angeklagten im Missbrauchs-Prozess statt.
Vor dem Landgericht Münster fand am Mittwoch der dritte Verhandlungstag gegen die drei Angeklagten im Missbrauchs-Prozess statt. Foto: Rieke Tombült

Auch der vierte Verhandlungstag findet zum Schutz der mutmaßlichen Opfer weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bevor die Zuschauer jedoch aus dem Raum gebeten werden, können sie noch sehen, dass der geständige 38-jährige Hauptangeklagte sichtlich aufgewühlt ist. Seine Verteidigerin reicht ihm Taschentücher, damit er seine Tränen trocknen kann.

In den folgenden sechseinhalb Stunden Verhandlung an diesem Tag werden nach Angaben von Landgerichtssprecher Dr. Steffen Vahlhaus die Polizeibeamten gehört, die die mutmaßlichen Opfer vernommen haben. Außerdem wird eine Polizistin befragt, die Datenträger des bisher nicht geständigen 50-jährigen Münsteraners ausgewertet hat.

Auch die beiden Jungen, von denen die Staatsanwaltschaft annimmt, dass sie Opfer von Übergriffen geworden sind und die bereits am zweiten Verhandlungstag ausgesagt haben, müssen noch einmal vor Gericht erscheinen. Es habe Nachfragen seitens der Kammer bezüglich der mutmaßlichen Täterschaft des 50-jährigen Münsteraners gegeben, lautet die Begründung. Die Verteidigung dieses Angeklagten habe nach der Befragung die Aufhebung des Haftbefehls beantragt. Über den Antrag sei allerdings noch nicht entschieden worden, so der Gerichtssprecher. Eine Entscheidung werde aber in Kürze erwartet. Des Weiteren habe die Verteidigung einen Antrag gestellt, Zeugen zu laden, die den 50-Jährigen entlasten sollen.

Zu den Angeklagten gehört auch ein 52-jähriger Everswinkeler, dem die Anklage eine Tat vorwirft. Er soll auch in Chats mehrfach verlangt haben, dass ihm Kontakt zu Jungen verschafft werde (die WN berichteten). Bislang zeigte er sich vor Gericht nicht geständig.

Der Prozess wird am 23. September mit dem fünften von insgesamt sieben angesetzten Verhandlungstagen fortgesetzt. Unter anderem stünden noch Gutachten von Sachverständigen aus, so Vahlhaus. Die Kammer habe außerdem vorsorglich Termine abgesprochen, falls die angesetzten Verhandlungstage nicht ausreichten.

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