8. Klasse der Waldorfschule auf Tour in Südfrankreich
Mit vier Eseln auf Klassenfahrt

Everswinkel -

Klassenfahrten sind meistens ein Highlight im Schulleben. Zusammen geht es in eine bekannte Stadt in Deutschland oder Europa, vielleicht ans Meer oder möglicherweise auch in die Berge. Für die 8. Klasse der Freien Waldorfschule Everswinkel stand eine ganz außergewöhnliche Reise an: Für 14 Tage ging es für die Schüler auf eine Wandertour auf den Spuren des Dichters Robert Louis Stevenson durch das Gebirge der Cevennen im südlichen Frankreich.

Samstag, 05.10.2019, 11:14 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 11:20 Uhr
Mit vier Eseln auf dem Stevenson Weg durch die Cevennen: Für die Achtklässler der Freien Waldorfschule Everswinkel wurde die „Klassenfahrt“ zu einer unvergesslichen Klassenwanderung.
Mit vier Eseln auf dem Stevenson Weg durch die Cevennen: Für die Achtklässler der Freien Waldorfschule Everswinkel wurde die „Klassenfahrt“ zu einer unvergesslichen Klassenwanderung. Foto: Waldorfschule

Nach zwei Projektwochen, in denen sich der gesamte Unterricht um „Frankreich“ gedreht hatte, starteten die Achtklässler der Freien Waldorfschule per Bus ins südliche Frankreich. Ziel war ein kleiner Ort in den Cevennen, durch den sich der schottische Dichter R.L. Stevenson („Die Schatzinsel“) 1878 mit seiner Eselin Modestine auf die Wanderung Richtung Süden gemacht hatte. Der „Stevenson“-Weg ist heute als „GR 70“ gut markiert und führt ins rund 180 Kilometer entfernte Städtchen St. Jean du Gard, dem Ende der Wanderstrecke.

Jeder Tag stellte die Achtklässler vor sportlich anspruchsvolle Herausforderungen, die mit dem Gebirgszug um den Mont Lozère – 1 699 Meter hoch – einen Höhepunkt fanden. In den ersten Tagen ging es eher schleppend voran, „zu ungewohnt waren für die Münsterländer die steilen, steinigen Anstiege und die rutschigen, felsigen Abstiege“, wie Lehrerin Petra Kottusch berichtet.

Aber mit jedem Tag wuchsen Kraft und Ausdauer und am Ende der Wanderung waren zweistündige Aufstiege ohne Pausenunterbrechung selbstverständlich. „Der Zusammenhalt in der Klasse, die Gespräche während der Wanderungen, das gegenseitige Helfen und Rücksichtnehmen wurden stetig intensiver, und mit jedem Tag wich das Gefühl der Anstrengung einer Freude über die bewältigten Etappen.“

Wie eine kleine Karawane zogen die Schüler mit ihren Eseln durch die Landschaft der Cevennen – rund 180 Kilometer weit.

Wie eine kleine Karawane zogen die Schüler mit ihren Eseln durch die Landschaft der Cevennen – rund 180 Kilometer weit.

Zum Glück spielte das Wetter mit. Nach der ersten Nacht, die bei zwei Grad minus kaum zum Schlafen einlud, kletterte das Thermometer täglich auf bis zu 30 Grad, und auch die Nächte wurden je näher das Mittelmeer rückte, umso wärmer. Selbst auf den Höhenzügen des Mont Lozère verwöhnte die Sonne, und es boten sich fantastische Ausblicke auf die Bergwelt des Zentralmassivs.

Mit jedem Tag wich das Gefühl der Anstrengung einer Freude über die bewältigten Etappen.

Lehrerin Petra Kottusch

Jeden Tag mussten die 13 Zelte auf neuen (Camping-)plätzen auf- und abgebaut werden. Jeden Tag sorgte eine andere Küchengruppe für die einfachen, aber sehr schmackhaften Mahlzeiten, und jeden Tag gab es abends Besprechungen über den Fortlauf der Wanderung und ein gemeinsames Singen im Kreis. „Diese Erlebnisse schweißten die Klasse eng zusammen“, so Kottusch. Besonders erfreut waren die Schülerinnen und Schüler immer dann, wenn der Zeltplatz an einem der vielen Flüsse lag und der Muskelkater im kalten Flusswasser gekühlt werden konnte. Besonders in Florac, einem malerischen, alten Städtchen, das an der „Tarn“ liegt, war die Freude groß, denn nach dem kühlen Bad gab es am Flussufer noch ein Lagerfeuer.

Die vier begleitenden Esel waren längst zu guten Freunden der Klasse geworden. Sie trugen den täglichen Proviant und in Notfällen auch einmal den Rucksack. „Ihr morgendlicher Ruf weckte nicht selten alle Schläfer und forderte Wasser und Nahrung ein. Es waren freundliche, stets hungrige, weniger störrische Begleiter, deren ausgeprägte Persönlichkeiten manchmal energische Maßnahmen erforderten. Sie wuchsen der ganzen Klasse sehr ans Herz, und der Abschied von ihnen in St. Jean du Gard war für alle bewegend.“

Nach 15 Tagen kehrte die Klasse ins Münsterland zurück – freudig erwartet von den Eltern. Die konnten drei Tage nach der Rückkehr in Vorträgen und Kurzreferaten einen kleinen Einblick in das, was ihre Kinder auf dem „Stevenson“-Weg erlebt hatten, erhalten – und vielleicht auch Lust darauf, sich ebenfalls irgendwann auf diesen Weg zu machen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6973959?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Poller schützen bald den Domplatz
Der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (l.) und Norbert Vechtel (Ordnungsamt) vor der längsten Sperranlage in der City an der Loerstraße. Bis 2021 sollen alle relevanten Innenstadt-Zufahrten mit Überfahrschutzpollern ausgestattet sein.
Nachrichten-Ticker