Tipps für die Nacht in der Kita Weidenkorb
Schläft dein Kind schon durch?

Everswinkel -

„Und? Schläft dein Kind schon durch?“ Eine Frage, die frischgebackene Eltern einfach nicht hören wollen. Dennoch machen sie sich in der Regel große Sorgen, wenn das Kind nicht binnen weniger Monate mehrere Stunden durchschläft. Die Ängste nahm Pia Kessmann vom sozialpädiatrischem Zentrum in Osnabrück am Mittwochabend 26 Elternteilen, die zu ihrem Vortrag in der Kita Weidenkorb kamen.

Freitag, 18.10.2019, 15:40 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 11:56 Uhr
Pia Kessmann (l.) referierte auf Einladung von Kita-Leiterin Sandra Bucak zum Thema „Wie schlafen Kinder – von Kinderschlaf und Elternnacht“.
Pia Kessmann (l.) referierte auf Einladung von Kita-Leiterin Sandra Bucak zum Thema „Wie schlafen Kinder – von Kinderschlaf und Elternnacht“. Foto: Rebecca Lek

Dabei zeigte die gelernte Hebamme und Psychologin in ihrem Vortrag „Wie schlafen Kinder – von Kinderschlaf und Elternnacht“ auf, dass es sich um eine utopische Vorstellung handelt, dass Kinder bereits mit sechs Monaten durchschlafen. „Bei den Erwartungen liegen wir Deutschen ganz vorne. In Costa Rica und Kamerun erwarten Eltern, dass Kinder erst mit 3,5 Jahren durchschlafen und das ist auch realistisch“, betonte Kessmann. „Bis zum dritten Lebensjahr ist das mehrmalige Erwachen in der Nacht der Regelfall, nicht die Ausnahme“.

In einem kurzen Theorieteil gab sie Hintergrundinformationen, wie der Schlaf bei Babys und Kleinkindern überhaupt funktioniert. Viele Eltern atmeten durch, als Kessmann erklärte, dass die „innere Uhr“ bei Kindern nur begrenzt beeinflussbar ist. Um den Schlaf zu verbessern, könne es aber helfen das Leben zu entschleunigen. „Die heutige Gesellschaft gibt ein hohes Lebenstempo vor, für das die Kinder nicht ausgelegt sind. Im Schlaf verarbeiten sie alles Erlebte“, machte die Psychologin deutlich. Sie stellte auch klar, dass Erwachsene mehrmals in der Nacht wach werden, diese aber eine sogenannte „Selbstregulation“ beherrschen. Dadurch fällt das Einschlafen leicht und die meisten erinnern sich nicht einmal daran. Diese Selbstregulation müssen Kinder erst noch lernen, weshalb eine Bezugsperson als „Co-Regulation“ notwendig ist. „Es gibt keine klare Antwort darauf, wie lange ein Kind das braucht. Jedes Kind ist individuell, weswegen die meisten Schlaftrainings aus der einschlägigen Literatur selten helfen“, erklärte Kessmann weiter. Das sozialpädiatrische Zentrum in Osnabrück setzt auf eine Lösung aus einer Mischung aus Handlungs- und emotionaler Beziehungsebene. Ihr Mantra: Seid so ruhig wie Buddha. „Kinder achten nicht auf das was man sagt. Sie spüren es.“ Auch riet sie den Eltern dazu „eine Beruhigungstaktik beizubehalten“ auch wenn das Kind weiter schreit und sich am Stufenkonzept der Züricher Schlafsprechstunde zu orientieren.

Nach dem Vortrag herrschte erst einmal Stille. Die Eltern ließen das Gehörte sacken und es dauerte etwas, bevor die Fragerunde begann. Viele stellten nicht nur allgemeine Fragen, sondern schilderten insbesondere individuelle Einzelfälle. Unterschiedliche Themengebiete wurden angesprochen: Wie lange darf ein Kind schreien? Wie geht man mit dem Nachtschreck um? Was ist wenn das Kind ohne die Bezugsperson nicht einschläft? Wie „entwöhnt“ man das Kind, so dass es selbstständig einschläft? Kessmann nahm sich für jede Frage Zeit und beantworte diese ausführlich. Dabei betonte sie, dass jedes Kind individuell zu betrachten ist und das vieles instinktiv richtig gemacht wird.

Für Sandra Bucak, Leiterin des Kindertagesstätte und des Familienzentrums ist der Abend ein voller Erfolg gewesen. Kessmann hielt den Vortrag zum ersten Mal in Everswinkel und die Organisatoren freuten sich über die große Resonanz.

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